Neustart in der «anderen» Liga
Der EHC Wetzikon betritt quasi Neuland auf alten Pfaden. Die 1. Liga heisst zwar noch gleich, ist aber mit der Einführung der nationalen Amateurliga MSL nur noch die vierthöchste Schweizer Liga. «Es ist eine ‹andere› Liga», sagt EHCW-Sportchef Daniel Steiner. Anders ist die Grösse – sie besteht aus zehn statt aus zwölf Teams. Andere Gegner sind da – die beiden Aufsteiger Herisau und Prättigau-Herrschaft, dazu die GDT Bellinzona, die nach einem von verschiedenen Klubs kritisierten Verbandsentscheid wieder aus der Zentralschweizergruppe in die Ostschweiz zurückkehrte. Und anders sind auch viele Klubs aufgestellt – einige Kader wurden kräftig durcheinandergewirbelt.
Elf gingen, elf kamen
Auch jenes des EHC Wetzikon. Von jener Mannschaft, die in der letzten Saison in der Qualifikation mit Rang 7 enttäuschte, danach aber in den Playoffs Chur eliminierte und Dübendorf stark forderte, ist nur noch etwa die Hälfte übrig geblieben. Elf Spieler kamen und gingen – und es ist nicht so, dass der EHCW viele Akteure an die Konkurrenz verloren hätte; lediglich Gianni Brandi und Brent Buchmüller wechselten zum regionalen Rivalen Dübendorf. Das Gros legte eine Pause ein oder trat zurück.
52 Tore zu ersetzen
Unter den Abgängen figurieren diverse Leistungsträger. Torhüter Simon Scherrer etwa, der spielstarke Verteidiger Nigel Wollgast, dazu mit Jannick Bachmann, Buchmüller und Brandi drei der besten fünf EHCW-Skorer der letzten Saison. Für 52 der 115 EHCW-Tore in der letztjährigen Qualifikation waren alle Abgänge zusammen verantwortlich. Logisch, dass da sowohl Sportchef Steiner als auch Trainer Roger Keller von einem «nominellen Substanzverlust» sprechen. Konnte der EHCW diesen an der Transferfront wettmachen? Stand jetzt nicht, glauben die Verantwortlichen. «Wir sind noch nicht so weit, das hat die Vorbereitung gezeigt», sagt Steiner und dämpft die Erwartungen: «Es wird von uns sicher mehr erwartet, als wir am Anfang zeigen werden.»
«Es wird von uns sicher mehr erwartet, als wir am Anfang zeigen werden.» – EHCW-Sportchef Daniel Steiner.
Vor allem in der Offensive muss Roger Keller diverse Neulinge einbauen. Viele Spieler sind jung und haben kaum Erstliga-Erfahrung – das von Bülach gekommene Duo Benjamin Schenk und Kevin Eggimann hingegen bringt die Erfahrung aus zusammen über 300 Erstliga-Partien mit. In der Defensive wird der Abgang von Nigel Wollgast mit dem NLB erprobten Timon Zuber abgefedert. Sie alle stossen zu einem Team, in dem langjährige Leistungsträger verblieben sind wie Captain Nicolas Marzan, Peter Hürlimann, Alain Butty oder Timon Vesely.
Auch deshalb sagt Trainer Roger Keller: «Wir sind gut aufgestellt – aber wir müssen uns erst finden». Er bemüht sich, die Erwartungshaltung zu dämpfen: «Die Saison wird herausfordernd für uns», sagt der Coach – und richtet diesen Satz auch an seine Spieler. «Wir dürfen nicht überheblich sein, sondern müssen unser Hockey spielen».
«Jeder kann jeden schlagen»
Und wo soll dies den EHCW hinführen? Eigentlich müsste der Klub die Ambition haben, zur Spitze zu gehören. EHCW-Sportchef Steiner zeigt sich aber zurückhaltend. «Ich will eine Mannschaft sehen, die in jedem Spiel alles für den Sieg gibt. Und persönlich wünsche ich mir, dass wir die erste Playoff-Runde mit Heimrecht in Angriff nehmen können». Dem Team einen konkreten Rang vorzugeben, findet Steiner aber wenig sinnvoll. «Es ist schwierig, eine Prognose zu stellen. Wir erlebten in der Ostgruppe noch nie so grosse Veränderungen.»
Sehr ausgeglichen werde die Gruppe sein – das glaubt nicht nur Steiner, das prognostizieren viele Beobachter. «Jeder kann jeden schlagen», sagt etwa Frauenfeld-Trainer Emanuel Marbach. Seine Equipe holte zuletzt den Ostschweizer Meistertitel, doch das Team wurde nach dem Abgang verschiedener Leistungsträger kräftig durcheinandergewirbelt. Entsprechend zurückhaltend formuliert ist das Saisonziel: Die Playoff-Qualifikation – wie bei den meisten anderen Teams auch. Realistisch ist sie für alle – auch für die beiden Aufsteiger und für jene beiden Teams, die letzte Saison nur Kanonenfutter verkörperten: Uzwil und Wil.
Das positive Gefühl nach dem letzten Test
Für viele zählt neben Frauenfeld Arosa zu den Gruppenfavoriten. Die Aroser hatten – wie auch die Pikes Oberthurgau – zumindest in der letzten Saison Ambitionen auf den Aufstieg in die MSL. Die Wetziker bekanntlich nicht (siehe Box weiter unten). Sie wollen sich vorerst einmal so gut wie möglich in der neuen alten Liga behaupten. Dass dies trotz des Substanzverlusts gelingen könnte, zeigt der 5:3-Erfolg im letzten Test gegen Arosa. Für Trainer Roger Keller ein wichtiger Sieg. «Es war ein guter Abschluss der Vorbereitung. Wir können mit einem positiven Gefühl in die Saison starten.»
Vorerst keine Aufstiegsambitionen
Man erachte das Risiko einer Teilnahme als nicht tragbar. Das sagte EHCW-Präsident Roger Meier im November 2016, als es darum ging, die Aufstiegsambitionen für die Swiss Regio League, wie die MSL damals noch hiess, anzumelden. Mit den Mehrkosten begründete Meier dies. Er schätzte sie damals zu Beginn auf 100’000 Franken pro Saison, später auf 200’000 Franken und sagte, es sei bereits jetzt ein Kraftakt, ein Budget von 800’000 Franken pro Saison zu stemmen.
«Wir schauen nun einmal zu»
Seither hat sich die Meinung des Klubs nicht geändert. Laut EHCW-Sportchef Daniel Steiner sehen sich die Wetziker bezüglich MSL derzeit in einer Beobachterrolle. «Wir schauen nun einmal eine ganze Saison zu, ziehen unsere Schlüsse und beurteilen die Lage dann wieder», sagt Steiner.
Es ist also nicht davon auszugehen, dass der EHCW beim Verband demnächst Aufstiegsambitionen anmeldet. Das müssen die Klubs laut den Weisungen der Regio League bis zum 31. Dezember tun. Danach müssen sie sich sportlich qualifizieren, das heisst, den Regionalmeistertitel holen und die Finalpoule gegen die beiden Sieger aus der Zentral- und Westschweiz für sich entscheiden. Falls nicht alle Meister aufsteigen wollen, kommt der bestklassierte zum Handkuss.
Kader EHC Wetzikon 2017/18
Tor: Odin Neuenschwander, Yannik Peter, Dominic Volk. – Verteidiger: Thomas Hofer, Mischa Kräutli, Nicolas Marzan, Reto Müller, Adrian Rykart, Luzi Schneider, Christian Trippel, Christopher Wittwer, Timon Zuber. – Stürmer: Joshua Blasbalg, Lars Burkard, Alain Butty, Kevin Eggimann, Peter Hofer, Peter Hürlimann, Manuel Laimbacher, Stefano Pons, Nico Rüedi, Gianni Rüedi, Pietro Sartori, Nino Schäppi, Benjamin Schenk, Timon Vesely.
Zuzüge: Peter (Ambri Elite A), Burkard, Müller (beide Wetzikon 2), Zuber (Winterthur), Blasbalg (Dübendorf), Eggimann, Schenk (beide Bülach), Hofer (Wallisellen), Laimbacher (Lakers Elite A), Nico Rüedi (Lions Elite A), Sartori (Lugano Elite A).
Abgänge: Gianni Brandi, Brent Buchmüller (beide Dübendorf), Jannick Bachmann, Oliver Bucher, Roman Faic, Sandro Gmür, Yvan Hofmann, Pascal Nägeli, Simon Scherrer, Nigel Wollgast (alle Pause), Lukas Dietrich (Rücktritt).

