Die Grosskampfsaison
Abstiege können auch etwas Positives haben: Nach fünf Jahren Interregio trifft der FC Uster eine Stufe tiefer wieder auf Konkurrenz, zu der er nicht so weit reisen muss. Auf die Derbys gegen Gossau, Greifensee und Wetzikon freut man sich im FCU besonders – Sportchef Markus Altherr bezeichnet sie gar als grösste Stolpersteine auf der Mission «direkter Wiederaufstieg». Das mag aufgrund der Tatsache, dass die Oberländer Klubs besonders motiviert sind, dem grossen FCU ein Bein zu stellen, nicht falsch sein. Aber die regionale Konkurrenz gehört in dieser Liga mit Sicherheit nicht zu den grössten Konkurrenten des FC Uster im Aufstiegskampf.
Phönix mit Nachholbedarf
An der Spitze dürften jene beiden Klubs ein Wörtchen mitreden, die in der letzten Saison die ersten Verfolger des späteren Aufsteigers Dübendorf waren: Phönix Seen und Bassersdorf. Gerade Phönix hat Nachholbedarf: Im letzten Jahr galt der Winterthurer Quartierklub als erster Aufstiegsaspirant – am Ende wurde er Zweiter, aber von Dübendorf um elf Punkte distanziert. Phönix spielte eine starke Hinrunde, schwächelte aber im Frühling. «Wir haben uns selber geschlagen», sagt Trainer Abramo D’Aversa. Das Team wurde nun etwas verjüngt – aber nicht nur. Unter den Neuen figuriert mit Stürmer Önder Cengel auch ein 35-jähriger Ex-Profi, der zuletzt in Sirnach den Abstieg aus der Interregio nicht verhindern konnte.
Überall Ex-Profis
Auch in Bassersdorf verstärkte man sich mit einem Ex-Profi: Yves Oehri stand einst bei St. Gallen und bei Vaduz unter Vertrag und war Nationalspieler Liechtensteins. Nun verteidigt er für die Unterländer, die in der letzten Saison das beste Team der Rückrunde waren. Trainiert werden sie seit einem halben Jahr von Marco Tanner, der lange Jahre die Schaltzentrale des Teams war und auch den Posten des Sportchefs besetzte. In seiner ersten ganzen Saison als Trainer spricht Tanner gegen aussen nicht vom Aufstieg, sondern davon, dass «die Reise weitergehen» soll. Bisher ging es unter ihm jedenfalls aufwärts – zuletzt gewann «Basi» den FVRZ-Cup.
Ambitionierter Gruppenneuling
Uster, Phönix, Bassersdorf – das sind die logischen Aufstiegsanwärter in dieser Gruppe. Dazu könne Schwamendingen stossen, das wie Unterstrass und Oerlikon/Polizei einen Gruppenwechsel hinter sich hat. «Mit dieser Mannschaft können wir vorne mitspielen», sagt jedenfalls Trainer Michele
Di Muro, der die Equipe auf die Rückrunde hin auf einem Abstiegsplatz übernommen hatte und ins gesicherte Mittelfeld führte.
Ganz allgemein gilt die Gruppe 2 als die stärkere der beiden Zürcher Zweitliga-Gruppen. Das könnten Oerlikon/Polizei (in der letzten Saison Dritter) und der vom Ex-Dübendorfer Luigi De Donno trainierte FC Unterstrass (Achter) zu spüren bekommen – beide Equipen steigen fast unverändert in die neue Saison. Sie dürften nicht Uster Konkurrenz machen, sondern vielmehr zum Gros jener Teams gehören, die sich im Mittelfeld um die Plätze balgen.
Gleich vier müssen absteigen
Den viel zitierten Platz im «gesicherten Mittelfeld» gab es in der letzten Saison eigentlich nicht – zu eng waren die Verhältnisse, zu fliessend der Übergang zwischen Mittelfeld und Abstiegskampf. Das könnte sich heuer akzentuieren. Gab es letzte Saison nur zwei Absteiger, müssen im nächsten Sommer gleich vier Teams aus dieser Gruppe den Gang in die 4. Liga antreten, weil die Gruppe 2 aufgrund des freiwilligen Abstiegs von Seefeld aus der 1. Liga in die regionale 2. Liga 15 statt 14 Teams umfasst. Ironie der Geschichte: Seefeld selber wurde in die andere Gruppe eingeteilt.
Fragen über Fragen
Vier Absteiger also – das ist eine Ausgangslage, die für die potenziellen Mittelfeldklubs heikel ist. Davon gibt es viele, und vor dem Saisonstart stellen sich entsprechend viele Fragen: Kann sich Greifensee trotz einem Substanzverlust noch in der Liga halten? Wozu ist Gossau in der zweiten Saison unter Sokol Maliqi fähig? Ist der eigene Nachwuchs in Veltheim oder Wiesendangen gut genug, um über dem Strich zu bleiben? Schafft es Diessenhofen auch im zweiten Jahr nach dem Aufstieg, sich mehr oder weniger aus dem Abstiegskampf fernzuhalten? Wozu ist die SV Schaffhausen fähig, die sich in erster Linie mit Spielern aus der zweiten Mannschaft verstärkt hat, die in der 3. Liga spielt und in den Aufstiegskampf involviert war, ohne selber aufsteigen zu dürfen?
Wetzikon als starker Aufsteiger
Apropos Aufsteiger: Vom Trio der Neulinge ist am ehesten Wetzikon eine gute Rolle zuzutrauen. Der FCW schaffte den direkten Wiederaufstieg und setzte sich dabei in einer der stärksten Drittliga-Gruppen durch, das Kader scheint gut bestückt. Vor einer schwierigen Saison hingegen könnten Rafzerfeld und insbesondere Rümlang stehen. Der Stammklub des neuen Uster-Trainers Fabio Digenti muss sich nach dem Aufstieg nun unter dem letztjährigen Dübendorf-2-Trainer Michele Digeronimo und nach einigen Umwälzungen im Kader erst wieder finden.
Vieles deutet also darauf hin, dass der Zweitliga-Gruppe 2 eine Grosskampfsaison mit unterschiedlichsten Schauplätzen bevorsteht. Vorne mit einem ambitionierten Quartett, dahinter mit elf Teams, von denen viele aufpassen müssen, nicht in den Abstiegsstrudel zu geraten. Hitzige Duelle sind programmiert – und da ist der FC Uster mit seinem Credo sicher nicht auf dem Holzweg: Wer kühlen Kopf bewahrt, hat gute Chancen.

