«Ihr in Uster seid sowieso benachteiligt»
Beginnen wir mit einer Standortbestimmung kurz vor dem Saisonstart: Wie geht es dem Oberländer Fussball ganz allgemein?
Thomas Grolp: Ich finde das Niveau im Oberländer Fussball recht hoch. Wir haben ab und zu Testspiele gegen Teams, die nicht aus der Region stammen. Da stelle ich fest: Das Niveau der Oberländer Teams ist – auf Drittliga- und Zweitliga-Stufe – relativ hoch. Wir mussten das ja letzte Saison am eigenen Leib erfahren – aber wir liessen uns ja extra in die Gruppe mit den Oberländern einteilen. Es macht mehr Spass, vor 200 Zuschauern zu spielen.
Am Regionalfussball-Stammtisch nahmen teil:
Markus Altherr (47) ist seit 2015 Sportchef des FC Uster.
Thomas Grolp (49) ist seit September 2015 Trainer des des FC Pfäffikon.
Lukas Huber (27) ist Mittelfeldspieler beim FC Wetzikon.
Lukas Huber, Sie haben an verschiedenen Orten gespielt, auch in höheren Ligen, und können den Oberländer Fussball aus einer anderen Warte beurteilen. Kommen Sie zu einem anderen Schluss?
Lukas Huber: Nein, ich kann mich Thomas anschliessen. Im Oberland wird in den Juniorenteams sehr gut gearbeitet, deswegen gibt es einige Spitzenteams in der 2. und 3. Liga. Es ist aber schwierig, das mit einer Mannschaft in der Promotion League zu vergleichen. Dort ist viel mehr Geld im Spiel. Aus meiner Sicht wird mit jenen Ressourcen, die hier aufgewendet werden, hervorragend gearbeitet. Ich glaube nicht, dass ein Klub das Potenzial hat, in absehbarer Zeit in der 1. Liga zu spielen. Da fehlt einiges – nur schon aus finanzieller Sicht. Ich bin gespannt auf die Zweitliga-Saison mit den vielen Derbys. Und ich bin gespannt darauf, wie sich Dübendorf in der Interregio schlagen wird. Ich denke, sie haben das Potenzial, um vorne mitzuspielen.
Markus Altherr: Ich bin gespannt auf das Niveau in der Oberländer Zweitliga-Gruppe, nachdem wir nun fünf Jahre interregional gespielt haben. Ich stimme Lukas zu: Es gibt keinen Verein, der das Potenzial für die 1. Liga hat. Das liegt aber nicht nur am Finanziellen, sondern auch an der Infrastruktur. Die Top-Infrastruktur kann im Oberland niemand bieten.
Grolp: Wetzikon hätte wohl die Infrastruktur, aber die Vorgaben der Gemeinde zur Nutzung der Plätze sind nicht gut. Und ihr in Uster seid sowieso benachteiligt in diesem Bereich. Wir haben einen guten Goodwill der Gemeinde, aber keine Plätze, die Erstliga-würdig sind. Wir haben nicht einmal einen Zweitliga-Kunstrasen. In Volketswil gäbe es eine wunderbare Anlage …
Altherr: … aber die haben einen Haufen anderer Probleme. Man müsste vielleicht die Infrastruktur in andere Klubs verschieben und würde so einen Erstliga-Verein zusammenkriegen.
«Ich glaube nicht, dass ein Klub das Potenzial hat, in absehbarer Zeit in der 1. Liga zu spielen.» Lukas Huber
Grolp: In einer Symbiose, wenn man die Topspieler von Hinwil bis Uster zusammenziehen würde, wäre wohl viel Potenzial da. Das Einzugsgebiet ist eigentlich gut, es sind Ballungszentren mit vielen Menschen und vielen talentierten Kindern. Als ich beim FCZ U-Mannschaften trainierte, fiel mir auf, dass sehr viele Wetziker, Ustermer, Volketswiler und Hinwiler dabei waren. Das zeigt doch, dass gut gearbeitet wird. Andererseits: Uster ist die drittgrösste Gemeinde des Kantons, Wetzikon hat gut 20’000 Einwohner – da kommst Du an den Talenten gar nicht vorbei.
Huber: Wir haben viele Talente, ja, aber Ziel muss es doch auch sein, diese im richtigen Moment zurückzuholen, wenn es Richtung Aktivmannschaften geht. Da gibt es noch viel Potenzial. Wenn es einem in der U21 des Grossklubs nicht mehr reicht, müssen die Vereine doch da sein. Sie müssen ihn auf seinem Weg begleiten.
Altherr: Da liegt es doch auch an den Spielern selber. Sie haben Blut geleckt und wollen nicht in der 3. Liga spielen, sondern mindestens in der Interregio – rein vom Finanziellen her.
Huber: Aber nicht für immer. Ich habe fünf Jahre Erstliga gespielt und fand dann der Moment sei für mich gekommen, um zu meinen Wurzeln nach Wetzikon zurückzukehren. Das klappte nur, weil der Klub auch mit mir das Gespräch suchte – ich hatte keinen grossen Bezug zur Mannschaft. Wir möchten das nun verbessern.
Altherr: Diese Problematik hat jeder Verein im Oberland, ja. Was wir bemerken: Sobald man bei den Junioren Teams in der Coca-Cola-League stellen kann, kommen Jungs aus der Umgebung – wir haben Spieler aus Wetzikon, Pfäffikon, Hinwil, Maur, Mönchaltorf. Dann wollen sie in andere Vereine.
Grolp: Das ist das grössere Problem. Wenn einer in einer U21 ist, kommt er relativ locker in einem anderen Klub auf hohem Level wieder rein. Die meisten Spieler, etwa zwei Drittel, faulen aber bei der U16 raus. So ein Spieler hat vier, fünf Jahre Junioren-Spitzenfussball gespielt. Dann soll er zurück in die B-Junioren seines Stammklubs, wo er beispielsweise 1. Stärkeklasse spielen muss? Die eine Hälfte kann nicht spielen, die andere Hälfte will nicht, man macht Ringelreihen im Training und sitzt zwischendurch auf den Boden. Dass solche Junioren den Spass am Fussball verlieren, ist doch verständlich. Man muss ihnen eine Perspektive bieten.
«Die eine Hälfte kann nicht spielen, die andere Hälfte will nicht, man macht Ringelreihen im Training und sitzt zwischendurch auf den Boden. Dass solche Junioren den Spass am Fussball verlieren, ist doch verständlich.» Thomas Grolp
Und wie kann man das tun?
Grolp: Wir haben in Pfäffikon ein Gefäss für solche Spieler geschaffen. Wir sagen dem Spieler: Du spielst zwar im B in der 1. Stärkeklasse, wir ziehen dich aber an die 1. Mannschaft heran. Wir nennen diese Spieler Perspektivkaderspieler. Wir machen mit ihnen eigene Fördertrainings in kleineren Gruppen von sechs bis zehn Spielern. Einige trainieren mit der 1. Mannschaft, die Besten nehmen wir in Trainingslager und zu Testspielen mit. Wir zeigen dem Spieler so, dass wir an ihn glauben. Und ich glaube, dass die Spieler deshalb auch mehr Freude am Fussball haben.
Altherr: Bei uns ist seit einigen Jahren die 2. Mannschaft der Nachwuchs. Wenn man ausschliesslich Spieler hat, die aus dem eigenen Klub sind und nie eine Ausbildung in einem Profiverein genossen haben, ist es praktisch unmöglich, diese Spieler in die 3. Liga, geschweige denn in die 2. Liga interregional hochzunehmen. Wenn ein B-Junior in der Coca-Cola-League überragend ist, dann wird er nicht Interregio spielen, sondern geht in eine U-Mannschaft.
Ist das «Zwei» des FCU auch deshalb aus der 3. Liga abgestiegen?
Altherr: Wir versuchten eine reine Ustermer Mannschaft zu machen, ohne Externe – es reichte nicht.
Grolp: Es braucht auch Zeit, um so etwas aufzubauen. Mit zwei, drei Talenten schaffst du keine Drittliga-Mannschaft.
Weg vom Nachwuchs, hin zu den Aktiven. Zwei Klubs aus der Region spielen diese Saison in der Interregio. Was erwartet ihr von ihnen? Lukas Huber, Sie sagten, Sie trauen Dübendorf viel zu …
Huber: Dübendorf hat eine spannende Konstellation. Es gibt da fünf, sechs super Kicker, die sicher Interregio-Niveau haben. Gleichzeitig gibt es einen Kern, der seit Jahren zusammenspielt. Es ist eine eingeschworene Mannschaft, die aus Kollegen besteht. Ich sehe da Parallelen zu Rüti – die Konstellation stimmt. Wenn man miteinander wächst und Erfolge feiern kann, schweisst das unheimlich zusammen. Ich glaube, das kommt gut.
Altherr: Ich sehe es nicht ganz so positiv. Dübendorf wird zu beissen haben in dieser Liga mit einigen arrivierten Teams, die Gas geben werden. Ich denke nicht, dass sie ins vordere Drittel kommen. Wenn sie gut aus den Startlöchern kommen, wird es eine ruhige Saison geben, geraten sie zu Beginn unter die Räder, wird es enorm schwierig.
Huber: Das kann sein. Aber die Erfahrung zeigt, dass Aufsteiger oft beflügelt starten – das hat Rüti erlebt, das habt auch ihr in Uster erlebt.
Altherr: Rüti ist eine Ausnahme. Ohne die beiden Sylas wäre Rüti nicht in der Interregio. Sie sind hinten zu schwach.
«Ohne die beiden Sylas wäre Rüti nicht in der Interregio.» Markus Altherr
Diese Saison sind nicht mehr beide Sylas da, sondern nur noch einer. Also steigt Rüti für Sie ab?
Altherr: Nein, das will ich nicht sagen, sie haben sich ja auch verstärkt. Dübendorf auch. Dübendorf hat massiv investiert.
Wer schneidet denn besser ab, Dübendorf oder Rüti?
Huber: Ich enthalte mich, ich bin familiär geprägt (lacht).
Altherr: Für Dübendorf wird der Start entscheidend sein. Rüti wird besser abschneiden, die Mannschaft ist erfahren.
Grolp: Ich denke auch, dass von der Routine her der Vorteil bei Rüti liegt. Dübendorf ist von den Spielertypen her eine Stimmungsmannschaft – es kann auf beide Seiten kippen.
Huber: Ein anderer Aspekt ist der neue Trainer in Rüti. Entscheidend wird sein, wie er es schafft, die Mannschaft zu packen, zu motivieren, und wie die Neuen aus Stäfa sich integrieren. Gerade, wenn es am Anfang nicht läuft, kommen rasch Zweifel auf.
Sprechen wir über die 2. Liga. Beim FC Uster blieb der grosse Umbruch aus. Steigt der FCU mit dem neuen Trainer Fabio Digenti gleich wieder auf?
Grolp: Er ist ein Trainer, der mit dem Cup-Sieg und mit dem Aufstieg mit Rümlang schon Erfolg hatte. Er weiss, was es braucht, um zu gewinnen. Eine Winnermentalität ist entscheidend, die bringt er sicher mit. Eine Abstiegsmannschaft muss man auch moralisch wieder aufbauen können, das ist mitentscheidend. Ich weiss nicht, wie er führt – aber Uster ist eine Mannschaft, die Qualität hat. Er muss das Feuer wieder entfachen. Deshalb wird Uster ihn ja auch geholt haben. Viel Erfahrung hat er als Trainer ja nicht – aber ich glaube nicht, dass das schlecht ist.
Huber: Als ich las, dass Digenti Uster übernimmt, dachte ich: Hut ab. Ich finde es einen mutigen, aber guten Entscheid. Ich kenne ihn nicht sehr gut – aber was ich von Spielern höre, macht er einen sehr guten Job. Die Freude, die in der letzten Saison verloren ging, bringt er wieder hinein. Ich bin gespannt – ich glaube, ihr habt einen guten Mann gefunden.
Uster wird die Mannschaft sein, die in dieser Gruppe alle schlagen wollen – vor allem die Derbygegner.
Huber: Natürlich ist Uster der Gejagte. Wir als Drittliga-Aufsteiger sind da weniger im Fokus. Für uns sind die Derbys diese Saison noch spezieller, weil wir länger nicht mehr gegen Uster gespielt haben. Das wird auch bei Gossau so sein.
Altherr: Die Derbys werden für uns der Knackpunkt sein, ja. Die Jungs kennen sich, da geht man ganz anders ans Werk. In diesen Spielen werden wir am meisten gefordert.
Aber es gibt auch andere Konkurrenz – Bassersdorf und Phönix Seen etwa haben ziemlich aufgerüstet.
Altherr: Natürlich sind das starke Konkurrenten, aber mit Knackpunktspielen meine ich auch: Uster ist die drittgrösste Stadt im Kanton. Da erwartet man, dass der FC Uster Greifensee schlägt, Gossau schlägt, Wetzikon schlägt. Diese Gegner gehen aber mit einer anderen Einstellung ins Spiel als etwa Bassersdorf. Aus psychologischer Sicht sind die Derbys entscheidend.
«Uster ist die drittgrösste Stadt im Kanton. Da erwartet man, dass der FC Uster Greifensee schlägt, Gossau schlägt, Wetzikon schlägt.» Markus Altherr
Ein Derby gegen Pfäffikon fehlt. Der FCP hätte die Ambition schon länger, wieder in die 2. Liga aufzusteigen – bisher klappte es nicht. Ändert sich das in dieser Saison?
Grolp: Wir haben es uns auf die Fahne geschrieben. Vielleicht waren wir zu verbissen bisher. Es ist eine sehr junge Truppe. Ich denke, dass wir spielerisch zu den besseren Teams gehören. Ich bin sehr zufrieden, wie wir gepflegten Fussball spielen und nicht wie viele andere Drittligisten die Bälle einfach blind und planlos nach vorne kicken. Wir haben aber eine Instabilität drin und Spiele verloren, die wir nie hätten verlieren dürfen. Wir haben die Gegentore fast selber geschossen! Mein Fokus ist es nun, eine mentale Stabilität reinzubringen, dass wir in jedem Spiel konstant spielen, ohne grosse Schnitzer. Das ist bei einer jungen Mannschaft nicht einfach.
Pfäffikon hat einen grossen Unterbau, es herrscht Ruhe im Klub – und doch schafft man es nicht, in die 2. Liga aufzusteigen, während sich dort beispielsweise der kleine FC Greifensee lange halten kann, ohne Geld in die Finger zu nehmen …
Grolp: … wir nehmen auch kein Geld in die Finger, das will ich schon betonen. Jeder Spieler zahlt den Mitgliederbeitrag, seine Schuhe und das Trainingslager.
Huber: Ein Flamur Gashi zahlt Mitgliederbeitrag?
Grolp: Nein, denn er ist im Nachwuchskonzept als Trainer dabei. Wir haben zusammen schon viele Trainings geleitet. Dadurch gilt er als Funktionär und muss keinen Mitgliederbeitrag zahlen. Es gibt bei uns als Punkteprämie eine Pauschale in die Mannschaftskasse, aus der ein kleiner Teil des Trainingslagers bezahlt wird. Mein Appell an die Mannschaft ist: Wenn ihr weniger bezahlen wollt, müsst ihr selber Geld generieren. Dann entstand ein Lottoabend, wir haben Spielerpatronate ins Leben gerufen. Es funktioniert ordentlich.
Lukas Huber, Sie kennen das Thema Geld aus anderer Warte, Sie waren Spieler in Tuggen …
Huber: Ja, und ich hatte das Vergnügen, mit vielen Vereinen schon zu verhandeln. Jeder Klub sagt doch, er zahle nichts, und am Ende wird doch bezahlt. Ein spannendes Thema. Ich finde das Konzept von Pfäffikon aber gut. Bei uns in Wetzikon läufts ähnlich, aber wir zahlen keinen Mitgliederbeitrag, und ein paar Schuhe pro Saison erhalten wir.
Altherr: Ich finde es legitim, dass die Spieler einer ersten Mannschaft, die das Aushängeschild eines Vereins sind, keinen Mitgliederbeitrag bezahlen sollen.
«Jeder Klub sagt doch, er zahle nichts, und am Ende wird doch bezahlt.» Lukas Huber
Im FC Uster ist es ja nicht so, dass sie nur keinen Mitgliederbeitrag bezahlen …
Altherr: … ja, dazu stehe ich. Wir bezahlen, auch in der 2. Liga. Das Budget wurde aber massiv reduziert. Zudem haben wir ein ähnliches System wie in Pfäffikon. Die Problematik ist da aber: Gerade in der Interregio hat man viele externe Spieler. Wenn ich einem aus Zürich sage, er müsse einen Matchballsponsor finden, dann hat er keine Chance. Wer interessiert sich in Zürich
für den FC Uster? Nun haben wir wieder mehr Spieler aus der Region, da wird das auch einfacher. Eigentlich finde ich, Geld macht den Regionalfussball kaputt. Aber: In der Interregio kannst du nicht mehr mit Junioren aus dem eigenen Verein spielen. Da musst du einfach bezahlen.
Huber: Ich finde es ein heikles Thema. Dass in der Promotion League und in der 1. Liga bezahlt wird, finde ich okay. In der Interregio lässt sich bereits darüber streiten. Ich kenne einige Spieler, die dem Geld nachrennen – da wird man doch weder als Spieler noch als Verein glücklich. Aber es gibt in der 2. Liga und in der 3. Liga nach wie vor viele Klubs, die zahlen. Sie müssen es ja selber wissen und damit leben. Mühe habe ich mit der Intransparenz, wenn es heisst, niemand kriege Geld. Aber man weiss genau, dass der Hauptsponsor bezahlt. Das spricht sich auch innerhalb einer Mannschaft herum.
Altherr: Das erlebte ich in diesem Jahr auch. Wir hatten mit den Spielern Interregio-Verträge und haben nun Verträge für die 2. Liga gemacht. Wir sind drastisch runter, teils über 50 Prozent. Der Spielerchat ging sofort los. Da kann sich eine sehr heikle Dynamik entwickeln. Und bei vielen Transfergesprächen kommt zuerst die Frage: Wie viel gibt es? Da kommen Spieler, die sagen, sie verdienen bei einem Drittligisten Geld …
Spieler können Vereine auch gegeneinander ausspielen, indem sie behaupten, dass sie anderswo mehr bekämen. Überprüfen kann man das nicht, oder?
Altherr: Nein. Das ist halt der Schweizer: Ja nicht über Geld reden. Ich würde Transparenz begrüssen, würde es gut finden, wenn man wüsste, wie hoch die Budgets für die 1. Mannschaft bei den Klubs sind.
Wie hoch ist es denn in Uster?
Altherr: Ich will nicht der Einzige am Tisch sein, der das sagt.
Huber: Ich weiss es gar nicht.
Grolp: Ich müsste zusammenrechnen, was in der Mannschaftskasse ist.
Altherr: Es ist bei uns ein sechsstelliger Betrag, da ist aber wirklich alles drin.
«Ich will nicht der Einzige am Tisch sein, der das sagt.» Markus Altherr
Also, am Ende redet man ja doch nicht gerne über konkrete Zahlen.
Altherr: Ich habe kein Problem damit, mit zehn Oberländer Klubs an einen Tisch zu sitzen und das zusammen anzuschauen. Aber es soll nicht so sein, dass der FC Uster als einziger Klub die Zahlen transparent macht und sich die Umgebung ins Fäustchen lacht.
Grolp: Es ist doch so, wie Lukas sagt: Offiziell zahlen viele nicht, aber hintenrum gibt es da und dort doch viele «Kässeli», die aufgehen. Ich erlebe das auch in Verhandlungen mit Spielern, wo es früh heisst, sie wollten keinen Mitgliederbeitrag zahlen. Da muss ich Werbung für Pfäffikon machen, rede über die Infrastruktur, das Team, wie wir trainieren, versuche die Spieler zu überzeugen. Hätte ich einen Blankoscheck, wären diese Gespräche weniger lang.
Zum Schluss ein Thema, das zu Beginn schon kurz angeschnitten wurde: Würden beispielsweise Eure Klubs zusammenarbeiten, wäre das Potenzial für die 1. Liga da. Täte das dem Oberland gut?
Grolp: Auf jeden Fall! Es ist in den Klubs eine Dauerdiskussion: Wieso kriegt es das Oberland nicht hin, einen Erstligisten zu haben?
Huber: Ich finde, man muss differenzieren: Im Juniorenbereich bin ich sofort dafür, zusammenzuspannen. Das war früher mit der Oberland-Auswahl auch so. Aber der Fussball lebt auch von den Derbys, von den Rivalitäten unter den Klubs. Ich spiele lieber gegen zwei, drei andere Oberländer Klubs als in der 1. Liga, und habe kein Derby-Feeling mehr.
Altherr: Ich finde die Interregio die unattraktivste Liga. Die Derbys fehlen, trotzdem muss man zahlen, man fährt weiter. Und in Uster interessiert sich kein Bein dafür, Spiele gegen Chur oder St. Margrethen zu schauen.
Grolp: Hätte Uster eine fussballfreundliche Infrastruktur, wäre dies vielleicht anders. Es kommt auch auf die Gastronomie an, manche haben einen lässigen Beizer. Das Essen gehört einfach dazu. Wenn ich an Super-League-Spiele gehe, motze ich auch über das fade Bier oder die lampige Bratwurst.
Gesetzt den Fall, die Gastronomie stimmt, noch einmal: Braucht das Oberland einen Erstligisten?
Altherr: Natürlich sind Derbys interessanter, aber eigentlich sollte das Oberland einen Erstligisten haben. Wenn, dann müsste dieses Team mit den besten Jungen aus der Region bestückt sein. Dann will ich keinen aus Monthey holen, sondern aus Wetzikon, Hinwil, Dübendorf, Volketswil. Da wäre auch die Zustimmung in der Region gut.
Huber: Dass sich jeder Klub etwas zurücknimmt, ist eine romantische Vorstellung. Ich wäre sofort dabei, ich würde gerne dort spielen.

