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«Bin dagegen, dass man Spieler finanziert»

FC-Greifensee-Präsident Pascal Seifert spricht über das ­Dasein im Niemandsland der 2. Liga, über den grossen Bruder FC Uster und sagt, weshalb ein Abstieg für den Klub kein Weltuntergang wäre.

«Bin dagegen, dass man Spieler finanziert»

Ist der FC Greifensee ein langweiliger Klub?
Pascal Seifert: (Lacht.) Nein, natürlich nicht. Es ist ein interessanter Klub. Wir sind ein kleiner, familiärer Verein, der mit eigenen Leuten arbeitet. Das macht das Ganze spannend.

Die Frage rührt daher, dass das Fanionteam seit Jahren im ­Zweitliga-Mittelfeld spielt, bisher nicht in den Abstiegskampf ­geriet, aber auch nie an der Spitze mitspielen kann. Weil man das auch gar nicht will?
Wollen ist das eine. Aber für die Grösse des Dorfs und des Vereins ist es schon eine Herausforderung, ein guter Zweitliga-Verein zu sein. Und da sind wir gut aufgestellt, wenn ich mir unsere Umgebung anschaue. Schliesslich spielen wir in derselben Liga wie jener Klub, der aus der drittgrössten Stadt des Kantons stammt.

Sie bezeichnen den FCG als spannend. Weshalb?
Wir arbeiten mit eigenen Leuten, jeder kennt jeden, alle reden miteinander. Und wir müssen schauen, dass wir auf der Höhe bleiben in der 2. Liga. Einfach ist das nicht. Wir haben nicht sehr viel Industrie in Greifensee, da muss man auch bezüglich Sponsoring am Ball bleiben.

Externe Verstärkungen kann sich der Klub nicht leisten. Fänden Sie es denn gut, wenn ein Grosssponsor da wäre, der den einen oder anderen Spieler finanzieren würde?
Nein, ich bin eigentlich grundsätzlich dagegen, dass man in der 2. Liga, der sechsthöchsten Liga der Schweiz, Spieler finanziert. Das geht gegen meine Vorstellung vom Breitenfussball. Ich kann begreifen, dass man dies in der Interregio macht, dort sind auch die Wege weiter. Aber in der 2. Liga sehe ich keinen Sinn darin, Sponsoren zu suchen, um Spieler zu bezahlen. Es gibt andere Bereiche, die wir mit Sponsorenunterstützung optimieren könnten.

Wo gibt es denn Optimierungspotenzial?
Derzeit bauen wir die zweite Mannschaft in eine Nachwuchsmannschaft um, von der das Fanionteam mehr profitieren kann. Bis jetzt waren im «Zwei» einfach jene, die es nicht in die erste Mannschaft schafften. Und wir können sicher das Potenzial in unserer Juniorenabteilung noch besser ausschöpfen. Wir haben gut ausgebildete Trainer. Aber unsere beste Juniorenmannschaft spielt nur in der 1. Stärkeklasse. Für einen Zweitliga-Klub ist das nicht ideal. Wir haben aber natürlich auch weniger Teams als grössere Klubs und deshalb ein grösseres Gefälle innerhalb der Mannschaften.

Ist der FCG als Zweitliga-Mittelfeldklub dort, wo er hingehört?
Es scheint so, wenn man die letzten Jahre betrachtet. Wir spielten jeweils eine gute Vorrunde und eine weniger gute Rückrunde.

Der FC Uster ist nun wieder in der 2. Liga, für den FCG sicher ein attraktiver Derbygegner. Freuen sie sich über den Abstieg des FCU?
Gegen Uster zu spielen, ist ein Highlight, es ist unser grosser Nachbar. Das war auch gegen Dübendorf so. Aber ich freue mich nicht über den Abstieg, nein. Für uns ist Uster als Ligagegner eine Bereicherung, und wir haben ein gutes Verhältnis. Da ist gar kein Neid und auch keine Schadenfreude.

Spürt man in Greifensee, ob Uster Erfolg hat oder nicht?
Nein, eigentlich weniger. Was wir merken: Junioren, die es in Uster nicht schaffen und es dann bei uns probieren, die bleiben meistens auch bei uns, weil wir ein familiärer Klub sind und mit vielen eigenen Spielern in der ersten Mannschaft spielen. Und natürlich wird Uster darauf aufmerksam, wenn wir gute Spieler haben.

Uster holte auch schon Spieler aus Greifensee – da ist man als kleiner Nachbar wohl machtlos.
Wenn ein Interregio-Klub anklopft und einer dies gerne probieren würde, dann soll er die Chance wahrnehmen. Da legen wir doch keinem Steine in den Weg. Ich habe mehr Mühe, wenn ­Spieler, die sich bei uns eigentlich wohl fühlen, innerhalb der Liga wechseln.

Meinen Sie das FCG-Duo, das nun nach Bassersdorf wechselte?
Ohne alle Details zu kennen: Ich habe das Gefühl, Bassersdorf will aufsteigen. Das Team wurde verstärkt. Es ist für mich okay, wenn man in ein solches Team wechselt und den Aufstieg anstreben möchte. Wir gingen mit diesen beiden Spielern nicht im Streit auseinander. Und sie sagten klar, dass wir die erste Ansprechstelle sind, wenn es nicht klappt.

Die beiden waren Stamm­spieler, dazu gab es einige Rücktritte in der Mannschaft. Der Abstiegskampf könnte drohen.
Ich bin eigentlich optimistisch, dass wir auf einem guten Weg sind. Klar, Routine ging verloren, aber wir haben auch zwei gute junge Spieler aus Dübendorf bekommen.

Dennoch: Wie schlimm wäre ein Abstieg für den Klub?
Ich glaube nicht, dass es eine Riesentragödie wäre. Wir haben das früher ja auch schon erlebt, pendelten zeitweise zwischen der 2. und 3. Liga hin und her. Klar ist es nicht das Ziel – aber wenn es mal passiert, bricht die Welt nicht zusammen. Und weil wir mit eigenen Spielern arbeiten, haben wir auch nicht dasselbe Risiko wie andere Klubs, bei denen der Trainer acht Spieler mitbringt. Das wird in Greifensee nicht passieren.

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