Nikci: Bei GC auf der Durchreise?
Adrian Nikci trug die Nummer 15, als er gestern Nachmittag im GC/Campus in Niederhasli auflief. Der Ustermer stand in der Startformation der Grasshoppers beim Test gegen den FC Schaffhausen. Steht der 27-Jährige, der bei Union Berlin keinen neuen Vertrag erhielt und deshalb seit wenigen Tagen vereinslos ist, kurz vor einem Transfer zum Rekordmeister?
Der Eindruck täuscht – zumindest laut seinem Berater Dino Lamberti. Nikci hält sich zwar bei GC fit, und Lambertis Wunsch, dass der Flügel auch mal in einem Spiel eingesetzt würde, erfüllte GC-Sportchef Mathias Walther offensichtlich auch. Aber Lamberti sagt: «Ich hatte nur angefragt, ob Adrian die Vorbereitung mit GC machen dürfe.» Von Vertragsverhandlungen könne keine Rede sein.
Eine Odyssee
Doch die Frage drängt sich auf: Steht Nikcis definitive Rückkehr in die Schweiz bevor? In Deutschland hoffte der ehemalige FCZ-Junior lange auf den Durchbruch, der allerdings immer unwahrscheinlicher erschien. Seit er vor fünf Jahren vom FCZ zu Hannover 96 wechselte, gleicht seine Karriere einer Odyssee eines Suchenden nach dem Glück. Was mit einem scheinbar guten Omen begann – Nikci schoss bei seinem ersten Spiel für Hannover seinen ersten und bisher einzigen Treffer in der Bundesliga – scheint nun vorerst ernüchternd zu enden. Nur acht Pflichtspiele absolvierte er für Hannover, dazu in der 2. Bundesliga fünf für Nürnberg und 12 für Union Berlin – der Leistungsausweis des Ustermers liest sich bescheiden.
Dennoch möchte Nikci, der sich derzeit nicht selber zu seiner Situation äussern will, die Zelte in Deutschland offenbar nicht abbrechen. «Adrian würde gerne in Deutschland bleiben – er kennt die Liga», sagt Lamberti und spricht von Kontakten zu Klubs aus der 2. Bundesliga. Dass Nikci mit seiner mangelnden Spielpraxis nicht viele Argumente vorbringen kann, weiss Lamberti. Positiv ist für den Ustermer: Er ist ablösefrei zu haben, und weil er bei GC mittrainiert, dürfte er körperlich keine Defizite haben. Dennoch sagt Lamberti: «Er muss Geduld haben. Es gibt Klubs, die grundsätzlich Interesse zeigen».
Doch eine Rückkehr?
Ob sich Nikci eine weitere Chance in Deutschland eröffnet ist offen. Möglichkeiten hatte er schon mehrere, nutzen konnte er sie nie wirklich – entweder machten ihm Verletzungen zu schaffen, oder der jeweilige Trainer setzte schlicht nicht auf ihn. Lamberti glaubt – naturgemäss – weiterhin an seinen Schützling und sagt: «Er hat seine Qualitäten – aber er braucht das Vertrauen des Trainers». Und das gilt für den sensiblen Nikci wohl in einem stärkeren Mass als für andere.
Vielleicht drängt sich früher oder später deshalb trotzdem eine Rückkehr in die Schweiz auf – Lamberti verhehlt nicht, dass diese Option womöglich am sinnvollsten sein könnte. Schliesslich spielte er in den letzten Jahren dann am meisten, als er von Hannover jeweils für ein halbes Jahr zum FC Thun respektive zu den Young Boys ausgeliehen wurde und für beide Berner Klubs je 17 Pflichtspiele absolvierte.
Wann und wo Nikcis nächster Ernstkampf ansteht, wird sich weisen. Gestern mit GC im Test gegen Schaffhausen (0:3) wurde er jedenfalls wie das Gros der Mannschaft zur Pause ausgewechselt, nachdem er einige Flanken geschlagen hatte, die keinen Abnehmer fanden. Und vielleicht wird GC ja doch noch zum Abnehmer für ihn – das schliesst auch Lamberti nicht aus. «Vielleicht kann er das Interesse des Klubs ja wecken.»

