Gigathlon: Hart am Limit
«2017 wird der Gigathlon urban.» Das sagt der Zürcher Stadtrat Gerold Lauber in der offiziellen Gigathlon-Informationsschrift. Vielleicht dröhnt dem einen oder anderen Single-Athleten genau dieser Satz zwischendurch in den Ohren, wenn er sich am ersten Tag des zweitägigen Wettkampfs auf dem Rennvelo durchs Zürcher Oberland quält.
Von wegen urban. Vom Zürichhorn aus startend, sind doch einige nahrhafte Steigungen und anspruchsvolle Abfahrten zu absolvieren, bis man nach den 80 km und 1200 Höhenmetern im Ustermer Buchholz wieder vom Rad steigt. Aber nur, um auf die 18 km lange Laufstrecke zu wechseln. Nach weiteren 57 km auf dem Mountainbike sind die Athleten dann wieder zurück am Ursprungsort ihrer Reise: Zürich
Erstmals seit 2004 ist die Stadt wieder Teil des Multisport-Anlasses. War sie vor 13 Jahren allerdings nur Zielort der Schlussetappe, hat Zürich bei der 15. Auflage des Gigathlons die Hauptrolle inne. Das Zentrum des Gigathlons befindet sich in und um die Saalsporthalle.
Anlass fordert seine Opfer
Eine nicht unerhebliche Rolle spielt am Wochenende aber auch das Zürcher Oberland. Drei der zehn Strecken führen durch die Region. Und auf dem Ustermer Buchholz spielen sich die Wechsel von der Velo- auf die Laufstrecke sowie von der Lauf- auf die Bikestrecke ab.
Einen kleinen Vorteil dürften die Oberländer am Samstag haben. Vor allem jene, die häufig mit dem Rennvelo in der hügeligen Landschaft unterwegs sind. Der Anlass scheint auf die Ausdauersportler der Region einen grossen Reiz auszuüben. Neben zahlreichen Startern in den Zweier- sowie Fünferteams stellen sich auch
19 Männer sowie drei Frauen aus der Region den Herausforderungen in den Single-Wettbewerben.
Das zu absolvierende Pensum ist beeindruckend. Für die Single-Athleten stehen insgesamt 362 km und 5320 Höhenmeter auf dem Programm. Schon jetzt ist klar: Nicht alle werden den Anstrengungen gewachsen sein.
Respekt vor der Dauer
Ein nicht zu unterschätzender Faktor ist jeweils das Wetter. Die Prognosen für das Wochenende sind jedoch gut. Das freut die Sportler – wie etwa Andrin Kappenberger. Der Pfäffiker gehört dem Ski-OL-Nationalteam an und ist sich unwirtliche Wetterverhältnisse eigentlich gewohnt.
«Beim Ski-OL ist schlechtes Wetter für mich kein Problem», sagt er. «Beim Gigathlon hätte ich bei Dauerregen aber meine Fragezeichen gehabt.» Der Sportlehrer startet erstmals als Single-Athlet. Kappenberger hat ausreichend Wettkampferfahrung – im Ski-OL, OL, Langlauf und bei Ultramarathons.
Die Eckdaten der Strecke machen ihm deswegen keine Sorgen. «Respekt habe ich dafür vor der Anzahl Stunden, die ich unterwegs bin.» Um die 20 Stunden dürften es schliesslich sein. Und das bei nur wenig Erholungszeit. Was er sich fürs Rennen vorgenommen hat? «Ich will ins Ziel kommen.»
“Es gibt da gewisse Erwartungen”
Die Favoritenrollen sind jedoch für andere reserviert. Bei den Männern für Titelverteidiger Ramon Krebs. Bei den Frauen für Nina Brenn, die den Gigathlon bereits fünfmal gewonnen hat. Die Ausdauersportlerin lebt mittlerweile im Bündnerland. Sie ist aber in Fehraltorf aufgewachsen. Brenn deutet ihre Ambitionen auf den Sieg nur an. «Es gibt da gewisse Erwartungen», sagt sie.
Solche haben letztlich alle Teilnehmer – von den Topathleten der Ausdauerszene bis zu den Breitensportlern. Neben den fast 200 Single-Athleten nehmen auch 250 Zweierteams sowie 400 Fünfermannschaften den Gigathlon in Angriff.
Erstmals überhaupt nicht auf dem «Speisezettel» steht für sie Inline-Skating. Trailruns ersetzen die Disziplin. Daneben stehen traditionell Laufen, Schwimmen, Radfahren und Biken auf dem Programm. Die zwei Trailruns führen übrigens mitten durch die Zürcher Innenstadt, weshalb Gerold Laubers Einwurf, der Gigathlon werde urban, natürlich berechtigt ist.

