Internationale Premiere in der Kletterhalle Griffig
Alina Ring ist in Form. Die 18-jährige Lindauerin hat im Jugend-Europacup in ihrer bevorzugten Disziplin (Lead) zuletzt zweimal hintereinander den dritten Platz belegt. Auch bei der fünften Station des Europacups, der für die jungen Athleten im Hinblick auf spätere Weltcupstarts wichtig ist, um Erfahrungen zu sammeln und sich mit der internationalen Konkurrenz zu messen, wird sie wohl ein Wort um die Podestplätze mitreden.
Weil der Anlass in ihrer Lieblingshalle Griffig in Uster stattfindet, dürfte er für sie mit ganz speziellen Emotionen verbunden sein. Die bei den Juniorinnen startende Ring sagt jedenfalls: «Ich freue mich auf den Europacup vor heimischem Publikum. Ich fühle mich bereit.»
Kurzfristig für Bern eingesprungen
Erstmals überhaupt übernimmt man in der Kletterhalle Griffig am Wochenende die Austragung eines internationalen Wettbewerbs. Zur Premiere kamen die Betreiber nicht nur unerwartet, sondern auch sehr kurzfristig. Erst Ende Mai fragte der Schweizerische Alpen Club an, ob man sich vorstellen könne, für den ursprünglichen Austragungsort Bern einzuspringen.
Zwei Mitglieder der Griffig-Geschäftsleitung, darunter Martin Baumeler, wurden dabei auf dem falschen Fuss respektive in der Wand hängend erwischt – sie weilten in den Kletterferien. Baumeler sagt, sie hätten in der Folge das Reglement studiert und daraufhin zügig entschieden: «Jawohl, wir können den Anlass übernehmen.»
Ab in die Isolation
Rund zwei Wochen genügten den Griffig-Betreibern, um sich auf ihre internationale Feuertaufe vorzubereiten. Auch, weil die Hürden gut zu meistern waren. Die Kosten bewegen sich im überschaubarem Rahmen – Baumeler schätzt sie auf rund 10’000 Franken – und im infrastrukturellen Bereich hatte man keine Mühe, die Anforderungen zu erfüllen.
So braucht es bei einem internationalen Wettkampf mehr Wandfläche als bei einem regionalen. In der entscheidenden Phase dürfte deshalb ein Drittel der gesamten Kletterhalle belegt sein. Im Final muss zudem eine Isolationszone vorhanden sein, in der sich die Kletterer aufhalten, um den Wettkampf ihrer Konkurrenz nicht mitverfolgen zu können. Baumeler sagt: «Das alles war kein Problem. Wir haben eine grosse Halle.»
Worin also unterscheiden sich die Anfang Mai im Griffig durchgeführten Zürcher Klettermeisterschaften elementar von der Ausrichtung eines Europacups? «Das Niveau der Europacup-Teilnehmer ist extrem viel höher», sagt Baumeler. Das deutlich höhere Level der Athleten heisst, dass die Routen angepasst und neu gebaut werden müssen. Dafür sind die Ustermer auf Hilfe angewiesen, denn laut Baumeler ist nur eine Handvoll Schweizer Routenbauer dazu in der Lage.
Heimauftritt am Trainingsort
Für die am Samstag statt findende Qualifikation in den Kategorien Junioren, Jugend A und Jugend B sind 177 Athleten aus 16 Nationen gemeldet. Das grösste Kontingent stellen die Schweizer mit 33 Kletterern. Neben Alina Ring, die letztes Jahr an der Elite-WM den guten 9. Platz belegt hatte, zählen aus dem Schweizer Team auch Philipp Geisenhoff sowie Sascha Lehmann zu den Medaillenhoffnungen in Uster.
Für Ladina Gebert dürfte der Vorstoss in den Final der besten acht Juniorinnen hingegen schwierig zu realisieren sein. Dafür kommt die 17-Jährige als Einzige zu einem Heimauftritt. Die in Uster wohnende Gebert trainiert regelmässig im Griffig. «Wir finden es natürlich cool, dass sie dabei ist», sagt Baumeler. Gebert dürfte am Wochenende unabhängig von ihrem Abschneiden einige unvergessliche Klettermomente erleben. Und was erhoffen sich die Veranstalter vom Anlass? Einen Werbeeffekt, sagt Baumeler. «Die Kletterhalle ist danach europaweit bekannt.»

