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Krummenacher muss um seinen Platz kämpfen

Randy Krummenacher könnte seinen Platz im Puccetti-Team verlieren. Der Superbike-Debütant aus dem Grüt lässt sich davon aber nicht beeindrucken.

Krummenacher muss um seinen Platz kämpfen

Es ist eine schöne Gegend. In Castiglione del Lago, am Westufer des Trasimenischen Sees in der italienischen Provinz Umbrien, lebt Randy Krummenacher derzeit – mitten in einer beliebten Freizeit- und Ferienregion. Das nächste Rennen in der Superbike-WM findet vergleichsweise nebenan statt – nach Misano an der Adria dauert die Autofahrt nur gut zwei Stunden.

Und doch scheint der Superbike-Zirkus für Krummenacher manchmal weit entfernt – was ihm gut tut. Denn dort ist nicht alles toll. Nicht wegen seiner Resultate – zwar sind diese und der 16. Zwischenrang in der WM auch für ihn nicht zufriedenstellend, «das Ziel ist es, dass ich mich steigere und in die Top Ten aufschliesse», sagt er. Doch diese angepeilte Steigerung wird erschwert durch Turbulenzen um Krummenachers Zukunft im Kawasaki-Puccetti-Team.

Türke könnte Krummenachers Platz erben

Schon Ende April sprach nämlich Teamchef Manuel Puccetti erstmals davon, im nächsten Jahr in der Superbike-WM zwei Fahrer an den Start zu schicken, von denen einer Leon Haslam sein solle. Der 34-jährige Engländer bringt Erfahrung aus über 200 Superbike-Rennen mit, 5 davon gewann er und holte 34 weitere Podestplätze.

Haslam fuhr vor drei Wochen in Donington mit einer Wildcard für Puccetti-Kawasaki, wurde im ersten Rennen Zweiter und schied im zweiten Rennen im Kampf um Rang 3 aus. Krummenacher wurde in England zuerst 14. und schied im zweiten Rennen unverschuldet aus. Ein Leistungsunterschied, den Krummenacher klar begründet: «Haslam wohnt in Donington und kennt die Strecke auswendig, er hatte seine sehr erfahrene Crew dabei, er fuhr nicht denselben Töff wie ich, hatte einen Elektroniker von Kawasaki und einen Fahrwerkstechniker dabei, die wir uns beide gar nicht leisten könnten für die ganze Saison. Er fuhr ein Super-Rennen – aber man darf das nicht vergleichen.»

Dennoch: Neben Haslam scheint für den zweiten Platz nicht Krummenacher die beste Ausgangslage zu haben, sondern der Türke Toprak Razgatlioglu. Der 20-Jährige, der von Red Bull unterstützt wird, fährt für Puccetti in der Superstock-1000-EM. Holt er dort den Titel – er führt das Klassement nach vier von neun Rennen an – ist ihm offenbar ein Superbike-Startplatz vertraglich zugesichert.

Das schlechte Gefühl

Fällt Krummenacher also ausser Rang und Traktanden? «Das Team sagt mir zwar, dass noch nichts entschieden sei», sagt der Oberländer aus dem Grüt. Aber ein gutes Gefühl hat er nicht. Auch, weil Teamexponenten in Interviews offenbar davon sprachen, regelmässige Fahrten in die Top-8 und vereinzelte in die Top-5 seien möglich. Er aber peilt die Top-Ten an. «Wir haben das im Winter so abgemacht, und es waren alle einig, dass wir im ersten Jahr stehen und viel zu lernen haben. Aber gewisse Leute mögen sich nun nicht mehr daran erinnern», sagt Krummenacher.

Der 27-Jährige wählt deutliche Worte. Ins Detail gehen und mit dem Finger auf einzelne Personen zeigen will er nicht, er verbirgt seine Enttäuschung aber auch nicht. «Die Interviews wurden nun einmal gegeben», sagt er, «die Aussagen wurden gemacht. Ich habe nicht das Gefühl, dass sie mich im nächsten Jahr weiterhin bei ihnen fahren lassen.»

Gespräche über Zukunft

Es dürfte für den Oberländer wie ein Rückfall in die GP-Zeiten sein, als er quasi Jahr für Jahr unsicher war, wie es in der nächsten Saison weitergehen würde. «Ich dachte, es laufe hier anders», gibt er zu. Als er Ende 2015 dem GP-Zirkus den Rücken zudrehte war er froh, ein Haifischbecken hinter sich lassen zu können. Nun stellt er fest, dass er in ein anderes geraten ist – und fühlt sich vom Team unfair behandelt. «Ich könnte die Wände hoch, wenn man nicht ehrlich ist mit mir», sagt er. «Und es ist schwierig, in einer solchen Situation auf den Töff zu steigen und mit mehr als 300 Sachen über die Strecke zu donnern.»

Schon in Misano an diesem Wochenende will Krummenacher Gespräche führen – mit Puccetti, aber auch mit anderen Teams. Angst um seine Zukunft hat er nicht. «Ich habe mir unterdessen ein Selbstvertrauen erarbeitet, mit dem ich sagen kann: Für den Krummenacher wird es im nächsten Jahr einen Töff geben». Wo ist aber offen – eine Rückkehr in die Supersport-WM, die er 2016 in seinem Debütjahr als Dritter beendete, schliesst er nicht aus. Und in der laufenden Saison will er sich aufs Sportliche fokussieren. «Es ist kein verlorenes Jahr. Ich habe einiges gelernt, was mich zum besseren Rennfahrer macht. Das hilft mir – egal, was im nächsten Jahr ist.»

Die guten Aussichten

Und bald wird Krummenacher gar nicht mehr so viel Zeit haben, an solchen Dingen herum zu studieren. Seine Freundin Serena ist hochschwanger – in wenigen Wochen kommt Tochter Leyla zur Welt. «Wir warten auf den grossen Moment», sagt Krummenacher, «ich mache mir Tausend Gedanken». Seine Freude ist gross – da lässt sich anderes ausblenden. «Das Privatleben ist schlicht toll. Es gibt mir viel Sicherheit.»

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