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«Etwas läuft definitiv falsch»

Zwei Wochen nach dem sensationellen Punktgewinn in Barcelona will das Hinwiler Sauber-Team in Monaco nachlegen. Die Euphorie wich nach den ersten Trainings und dem Qualifying allerdings der Ernüchterung.

«Etwas läuft definitiv falsch»

Pascal Wehrleins Leistung ging fast unter vor zwei Wochen in Barcelona. Weil alle nur über das faszinierende Spitzenduell zwischen Sebastian Vettel und Lewis Hamilton redeten, bekamen viele gar nicht recht mit, was der Sauber-Pilot geschafft hatte. Mit Platz acht eroberte er die bisher beste Platzierung seiner Formel-1-Karriere und holte vier extrem wichtige Punkte für das Hinwiler Team. Sie können Gold wert sein, wenn es um die Platzierung in der Konstrukteurs-WM und damit um die Einnahmen für nächstes Jahr aus dem grossen Geldtopf der Formel 1 geht.

Die Kritiker zum Schweigen gebracht

Vor allem brachte der Mercedes-Junior mit seiner Glanzvorstellung wohl auch die letzten Kritiker zum Schweigen. Nach seinen im Januar bei einem Crash beim «Race of Champions» in Miami erlittenen Wirbelverletzungen und dem verspäteten Saisoneinstieg, hatte er sich von einigen Seiten mangelnde Härte und fehlendes Durchsetzungsvermögen vorwerfen lassen müssen. Vor allem, da wegen einer merkwürdigen Kommunikationspolitik von Mercedes und Sauber die tatsächliche Schwere seiner Verletzungen lange nicht offiziell bekannt war. Jetzt erntete der 22-Jährige von allen Seiten nur Lob.

Das Kompliment der Strategin

Eines der Erfolgsgeheimnisse von Barcelona war die Taktik: Wehrlein zog als einziger im ganzen Feld eine gewagte Einstopp-Strategie durch – und es funktionierte. Sauber-Chefstrategin Ruth Buscombe gab alle an sie gerichteten Komplimente sofort weiter. «Man braucht für so etwas auch einen Fahrer, der es umsetzen kann. Und Pascal ist jemand, der das perfekt drauf hat. 34 Runden auf den weichen Reifen mit diesem Speed zu fahren, das war sensationell.»

Vielleicht fällt der Britin ja in Monaco wieder eine besondere Strategie ein, mit der sich Wehrlein in eine gute Position bringen kann. «Track position», dieser Fachbegriff ist in den engen Strassen des Fürstentums besonders wichtig. Das heisst: Wenn man einmal relativ weit vorn ist, hat man gute Karten – selbst mit einem etwas langsameren Auto. Vor allem in diesem Jahr, mit den um 20 Zentimeter breiter gewordenen Boliden. Um überholen zu können, müsste der Hintermann gleich zwei bis drei Sekunden schneller sein, wenn der vorne keinen Fehler macht.

Millimeterarbeit in Monaco

Wichtig wäre deshalb natürlich auch ein möglichst gutes Qualifying gewesen. Und gerade in Monaco hängt da mehr vom Fahrer ab als anderswo. «Hier geht es darum, auf Millimeter an die Mauern und Leitplanken heran zu fahren», sagt Wehrlein, «das mag ich.»

Gemerkt hat man davon leider nichts. Den Fahrern des Teams Sauber blieben wiederum nur die letzten zwei Plätze. Wehrlein war auf seiner besten Runde eine gute halbe Sekunde schneller als Ericsson.

Zanders Enttäuschung

Bereits die ersten freien Trainings am Auffahrtstag aber waren ein Rückschlag und liessen beim Sauber-Team die Euphorie verpuffen. Die Boliden aus Hinwil  belegten die letzten beiden Plätze. Das Aerodynamik-Paket mit neuem Unterboden, neuem Frontflügel und weiteren Updates, das wegen Problemen mit der Motorkühlung erst jetzt statt in Barcelona ans Auto kam, funktioniert nicht wie erhofft. Entsprechend ernüchtert zeigte sich Saubers Technischer Direktor Jörg Zander an der Pressekonferenz nach dem Training: «Wir haben uns nicht so weit hinten erwartet. Etwas läuft definitiv falsch, und wir haben noch mehr Arbeit vor uns».

Im Gegensatz zu Barcelona gelang es Sauber in Monaco nicht, die Reifen auf Temperatur zu bringen. «Wir bringen die Energie nicht in die Reifen, die nötig wäre, um den richtigen Grip zu entwickeln», sagte Zander. Dabei hätten die neuen Teile eigentlich basierend auf den Daten so funktioniert wie erwartet. «Wir dachten, wir könnten mehr Potenzial daraus ziehen». Es sieht also ganz danach aus, als würde der Höhenflug von Barcelona vorerst das einzige Highlight bleiben. (Karin Sturm und Florian Bolli)

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