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Gmelin will kein Risiko eingehen

Jeannine Gmelin muss für die EM in Tschechien passen. Das Out ist umso bitterer, da die 26-jährige Ustermerin in toller Form war. Sie wäre bei der Vergabe des EM-Titels im Einer als Topfavoritin ins Rennen gestiegen.

Gmelin will kein Risiko eingehen

Es schien alles so gut zu passen. Mit einer dominanten Vorstellung war Jeannine Gmelin Anfang Mai in Belgrad in die Weltcup-Saison gestartet. Mit rund acht Sekunden Vorsprung entschied die Ustermerin ihren Vorlauf für sich, im Final liess sie die Zweitklassierte dann noch immer vier Sekunden hinter sich und gewann als erste Schweizerin im Weltcup im Einer. Die eindrücklichen Leistungen in Serbien zeigten: Der Olympia-Fünften von Rio ist nochmals ein grosser Schritt nach vorne gelungen. Sie machten zugleich klar: Ihr Vorhaben, an der EM Gold anzupeilen, war realistisch.

Und jetzt das. Gmelin wird die Europameisterschaften von Freitag bis Sonntag im tschechischen Racice verpassen. Eine schmerzhafte Rippenverletzung zwingt die 26-Jährige zum Forfait. Erneut, muss man sagen, verpasste Gmelin doch schon die EM 2016 in Brandenburg wegen eines viralen Infekts, nachdem sie ein Jahr zuvor überraschend die Silbermedaille gewonnen hatte.

«Ein unpassender Zeitpunkt»
Vergleichen lassen sich die zwei EM-Forfaits allerdings nicht. Letztes Jahr weilte Gmelin bereits in Brandenburg, als sie plötzlich krank wurde. Heuer zeichnete sich das Aus ab. Nach dem Weltcup in Belgrad nahm sie Rippenschmerzen auf der rechten Seite wahr, die auf den ganzen Oberkörper ausstrahlten. Gmelin biss einige Zeit auf die Zähne. Mit dem Gedanken, «dass der Zeitpunkt für eine Verletzung unpassend ist».

Vor rund zwei Wochen allerdings realisierte sie erstmals richtig, dass ihre Rippenschmerzen über das normale Mass an Schmerzen hinaus gehen, das zu ihrem Alltag als Profisportlerin gehört. «Ab da musste ich mich mit dem Gedanken abfinden, dass es nicht reichen könnte.» Den definitiven Entscheid zögerten sie und Nationalcoach Robin Dowell lange hinaus, bevor sie letztlich gemeinsam beschlossen: Es macht im Hinblick auf den Rest der Saison keinen Sinn, mit einer EM-Teilnahme ein Risiko einzugehen. Denn der Heilungsprozess des sensiblen Bereichs verläuft gut. Beschleunigen aber lässt er sich nicht.

Die muskulären Schmerzen, an denen Gmelin leidet, sind hartnäckig. Headcoach Robin Dowell sagt deswegen: «Ein Start an der EM kommt für Jeannine zu früh. Wir müssen uns die erforderliche Zeit nehmen und nichts erzwingen». Das Training habe in den kommenden Wochen Priorität, so Dowell in einer Medienmitteilung. An Einheiten im Boot ist momentan aber nicht zu denken, dafür trainiert Gmelin auf dem Velo. «Und das gut», wie sie festhält.

Weltcup-Final im Blickfeld
Mittlerweile hatte die Ustermerin einige Tage Zeit, das harte Verdikt zu verdauen. «Natürlich ist es sehr bitter», sagt sie über die EM-Absage. «Sie hat mich tief getroffen.» Verständlich, wenn man ihre Ausgangslage bedenkt. Über die Phase des Bedauerns ist Gmelin gleichwohl bereits hinweg. Sie sagt: «Ich habe das Grundvertrauen, dass einem eine solche Situation stärker macht». Geholfen haben ihr zudem die Gespräche mit Nationalcoach Dowell. Der Brite hat sein Amt erst im Februar übernommen und für einen Mentalitätswechsel im Team gesorgt, der Gmelin gut tat. Er glaubt, dass die Ustermerin Anfang Juli in den Rennbetrieb zurückkehren wird. «Ich bin optimistisch, dass Jeannine beim Weltcup-Final auf dem Rotsee wieder mit von der Partie ist.»

Trifft Dowells Prognose zu,  würde Gmelin neben der EM das zweite Weltcup-Rennen in Posen (Polen) Mitte Juni verpassen. Beides wären Zwischenstationen auf dem Weg zum Saisonhöhepunkt gewesen, der WM im amerikanischen Sarasota
(24. September bis 1. Oktober).

Was aber hat die Verletzung für Folgen hinsichtlich der WM-Planung? Keine wirklich dramatischen, glaubt Gmelin. «Deswegen bin ich nicht in einer schlechteren Position.» Auch wenn der Wiederaufbau nach der Verletzung ein diffiziles Unternehmen sein dürfte. Doch Gmelin hat Vertrauen. In die Pläne von Dowell, aber auch in sich selber. Aus ihrer Sicht war die erste Weltcup-Station zugleich die Wichtigste. Und die Rennen in Belgrad zeigten: Die Richtung stimmt. Durch die Rippenverletzung wird nun zwar ein Umweg nötig. Das aber dürfte für eine so willensstarke Sportlerin wie Gmelin weniger Hindernis, dafür umso mehr Ansporn sein.

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