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Ein unangenehmer Begleiter als Bremsklotz

Der Rütner Christian Kreienbühl musste verletzungsbedingt lange pausieren. Den ersten Versuch, in den Laufalltag zurückzukehren, brach er ab. Nun folgt der nächste für den Marathonspezialisten.

Ein unangenehmer Begleiter als Bremsklotz

Es läuft nicht rund bei Christian Kreienbühl. Im wahrsten Sinne des Wortes. Seit über einem Jahr schlägt sich der Rütner Marathonspezialist mit einer Entzündung in der linken Achillessehne herum. Im März 2016 trat die schmerzhafte Verletzung erstmals auf. Seither ist sie ein unangenehmer Begleiter von Kreienbühl, der letzte Saison an der
EM mit dem Team Gold gewann und später seine Feuertaufe an Olympischen Spielen erlebte.

Nach dem Marathon in Rio ­hätte der 35-Jährige sowieso eine Pause eingelegt. Um sich von den körperlichen und mentalen Strapazen zu erholen, die Batterien neu aufzuladen. Natürlich aber war keine Auszeit in diesen Dimensionen geplant. Fast sechs Monate lang wurde sie, ehe ­Kreienbühl wieder ins Lauftraining einsteigen konnte. Weil die Schmerzen vor rund einem Monat aber zurückkamen, musste er erneut einen Notstopp einlegen. Auch den anvisierten Rennauftakt am 6. Mai muss er wohl verschieben. Das Auf und Ab fordert ihn mental. «Am Anfang ist es lässig, mal nicht zu laufen. Wenn man aber wieder einsteigen möchte und nicht kann, fängt es an zu nerven.»

In die Loipe ausgewichen

Mit Alternativtraining – beispielsweise Rennvelo und Mountainbike fahren – hat Kreienbühl die lauffreie Zeit überbrückt. Im Langlaufen fand der in einem 50-Prozent-Pensum als IT-Projektleiter arbeitende Rütner zudem eine ideale Möglichkeit, sich eine gute Grundlagenausdauer zu legen. So spulte er im Winter über 2000 Kilometer in der Loipe ab. «Das hat gut getan», sagt er im Bewusstsein, dass Langlaufen für den Bewegungsapparat schonender ist als Laufen.

Daneben versuchte Kreienbühl mit verschiedenen Therapien, seine Probleme mit der Achillessehne in den Griff zu ­bekommen. Während eine Stosswellenbehandlung nicht anschlug, brachte eine Eigenbluttherapie den erhofften Erfolg.

Unlängst hat Kreienbühl eine zweite solche Therapie, die gemäss den Richtlinien der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) erlaubt ist, hinter sich gebracht. Dabei injiziert man jeweils am Ort der Verletzung Eigenblut mit angereicherten Blutplättchen. Letztere entstehen durch Zentrifu­gieren. Der Sinn der Anwendung? Sie soll die Heilung des beschädigten Gewebes beschleunigen.

Chicago oder Berlin?

Jetzt hofft Kreienbühl, dass der Erfolg der Therapie nachhaltiger ist als beim ersten Mal. Um das Risiko eines Rückschlags zu minimieren, steigt er noch dosierter ins Lauftraining ein als das letzte Mal. Ein minutiös durchgetakteter Aufbau ist unter den aktuellen Bedingungen aber kaum möglich. Der Rütner muss flexibel bleiben.

Klar ist immerhin: Kreienbühl wird erneut viel Zeit in seiner bevorzugten Trainingsdestination verbringen. Drei Blöcke (einmal drei und zweimal je vier Wochen) hat er im Engadin eingeplant. Läuft alles rund, will er im Herbst einen Marathon auf einer schnellen und flachen Strecke laufen. Wo genau das sein wird, ist offen. Kreienbühl zieht Chicago und Berlin in Betracht. Klarer Favorit ist dabei das Rennen in der deutschen Hauptstadt.

Nicht nur hat der Oberländer eine besondere Beziehung zum Marathon in Berlin. 2015 unterbot er hier mit einem Sturmlauf auf den letzten Kilometern die Olympia-Limite um drei Sekunden und stellte eine persönliche Bestzeit (2:13:57 Stunden) auf. Auch ist sein organisatorischer Aufwand für ein Rennen in Deutschland geringer.

Der lange Blick voraus

Kreienbühl sagt jetzt zwar: «Ich werde im Herbst kaum in der Form sein, um meine Bestzeit angreifen zu können.» Das mag sein. Aber die Limite für die EM 2018 in Berlin (2:19:30 Stunden) sollte für ihn auch drinliegen, ohne in absoluter Top-Form zu sein. 2011 blieb er letztmals in einem Marathon, in dem die Zeit und nicht der Rang (wie bei EM oder WM) zählte, über diesem Wert.

Mittlerweile bewegt er sich auf einem ganz anderen Niveau. Und der 35-Jährige kann sich vorstellen, seine Karriere noch einige Jahre fortzusetzen. «Bis 40 kann man auf sehr gutem Niveau laufen», sagt er. 2020, im Jahr der Olympischen Spiele in Tokio, wäre Kreienbühl erst 39.

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