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«Eine Siegesserie blendet halt»

Unmittelbar nach dem verlorenen Erstliga-Final sprach EHC-Dübendorf-Trainer Andrea Cahenzli von einem «schlechten Ende einer guten Saison». Im Interview blickt er zurück und freut sich auf stärkere Konkurrenz.

«Eine Siegesserie blendet halt»

Eine Woche ist es her, seit der EHC Dübendorf im Playoff-­Final an Frauenfeld scheiterte. Wie haben Sie den Misserfolg verarbeitet?

Andrea Cahenzli: Schlecht. Es wäre mehr dringelegen. Das Saisonende stinkt allen – und mir extrem.

Wie gehen Sie persönlich mit solchen Misserfolgen um?

Ich probiere sie in positive Energie umzuwandeln und sehe sie als Antrieb, es noch besser zu machen und alles kritisch zu ­betrachten.

Das heisst, Sie haben in den letzten Tagen viel Denkarbeit verrichtet?

Es ist zwar immer präsent, aber ich kann eigentlich auch gut abschalten. Es ist nicht so, dass mich das alles so bedrücken würde, dass ich nicht mehr schlafen kann. Stressen und ­kaputtmachen lasse ich mich ­davon nicht.

Wenn Sie mit etwas Distanz auf die Finalserie zurück­blicken: Welches war der ­entscheidende Moment?

Das 6:1 zum Start war wunderschön, aber zu hoch. Das löste bei allen ein Glücksgefühl aus – und wir waren zwei Tage später im Kopf nicht mehr dort, wo wir hätten sein sollen. Natürlich wussten wir, dass das Spiel enger war. Aber nach einem solchen Sieg hat man ein gewisses Sicherheitsgefühl. Der innere Schweinehund muss gross sein, damit sich das im Kopf nicht manifestiert. Ich habe schon in der Qualifikation, als wir un­sere Siegesserie hatten, oft an Mannschaftssitzungen gesagt: «Wir haben zwar gewonnen, aber das Spiel war knapp. Es hätte auch drehen können.» Dass dies nach dem x-ten Sieg nicht mehr so deutlich ankommt, ist aber auch klar.

Der EHC Dübendorf wurde ­Opfer seines eigenen Erfolgs?

Im Kopf sicher, ja. Es ist schwierig, solche Dinge auszublenden. Das müsste man aber, um bereit zu sein, Neues zu lernen, an den Details zu arbeiten. Jeder muss sich auch in guten Zeiten sagen: Ich will noch besser werden. Wer verliert, hat automatisch den Anspruch und den Willen, sich zu verbessern. Den muss man auch im Amateursport haben. Eine Siegesserie blendet halt, sie verzerrt die Wahrnehmung.

Also war der Kopf das grösste Problem?

Gegen Frauenfeld erwischten wir schlicht die schlechteste ­Woche des Jahres, um Tore zu schiessen. Man kann sagen, wir haben es nicht auf den Punkt ­gebracht. Die anderen waren uns weder spielerisch noch läuferisch überlegen. Dazu kam: Penaltyschiessen ist Lotterie. Hätten wir das zweite Spiel gewonnen, hätten wir wohl auch die ­Serie für uns entschieden.

Der EHC Dübendorf hat doch einen höheren Anspruch, als in einer Serie gegen Frauenfeld auf Glück angewiesen zu sein.

Natürlich. Wir wollten uns mit Qualität durchsetzen. Wir hatten die Qualität, schossen aber die Tore nicht.

Es fehlte auch die taktische Flexibilität. Zu Saisonbeginn haben Sie ein anderes System spielen lassen. Weshalb ­rückten Sie davon ab?

Solche taktischen Dinge möchte ich immer nur intern mit der Mannschaft besprechen.

Sie sagten vor der Finalserie, unterdessen seien alle Sturmlinien für Tore gut. Dennoch war der EHCD zu stark von ­seiner ersten Linie abhängig.

Das kann man so sehen. Man hätte in der Finalserie erwartet, dass die erste Linie trifft, dafür sprachen ja auch die Erfahrungswerte. Aber eben: Frauenfeld machte es allen extrem schwierig. Es ist nicht so, dass die erste Linie schuld wäre. Wir konnten mit dem massierten ­Widerstand nicht umgehen.

Würden Sie im Nachhinein wieder gleich spielen lassen?

Nein. Ich würde die Mannschaft zurückziehen und den Gegner auch mehr spielen lassen. Das probierten wir, aber die Ausführung war zu bescheiden. Weil wir ein spielstarkes Team sind, übernehmen wir gerne die Initiative.

Können Sie den Spielwillen Ihres Teams nicht eindämmen?

Den will ich gar nicht eindämmen, sonst würde ich die Stärken zurückbinden. Sie sollen spielen, aber es muss dosierter sein. Wir schafften das gut, als wir nach der schwachen Phase zu Saisonstart zurückkamen. Da spielten wir genauso.

Was ist die Lehre daraus für die nächste Saison?

Es gibt einige Details, die ich mit der Mannschaft besprechen muss. Es geht um die Bereitschaft, zielorientierter zu arbeiten. Die Mannschaft muss merken, dass wir mehr Flexibilität und mehr Cleverness brauchen.

Das fordern Sie nicht zum ­ersten Mal. Sind Ihre Spieler unbelehrbar?

Jeder ist anders. Es braucht auf unserem Niveau beim einen mehr Geduld als beim andern. Das Mannschaftsdenken ist sicher bei jedem da. Doch wenn einer den ganzen Tag arbeitet, den Kopf voll beim Beruf hat und vielleicht noch geladen ins Training kommt, muss man auch als Trainer flexibel sein. Der eine ist psychisch leer, der eine körperlich. Damit umzugehen ist mit das Schwierigste, was der Amateursport mit sich bringt. Letzlich verdienen die Spieler ja ihr Geld nicht mit dem Eishockey. Das wird beim einen oder andern auch im Kopf sein.

Sie haben in Ihrer zweiten EHCD-Saison zum zweiten Mal eine Finalserie verloren. Wie zufrieden sind Sie mit sich selber?

Überhaupt nicht. Ich habe den Anspruch zu gewinnen, fertig. Ich werde meinen Unmut intern auch mitteilen. Wir werden gewisse Dinge anpassen müssen.

Was heisst das konkret?

Das möchte ich intern besprechen. Es geht ums Training und um die Spieldisziplin im Match.

Erhoffen Sie sich, dass der Aufstieg in die Swiss Regio League (SRL) solche Anpassungen vereinfacht?

Nein, es ist ligaunabhängig. Ich will besser arbeiten, genauer arbeiten, konsequenter arbeiten. Ich will die Mannschaft so stark wie möglich machen.

Was wäre für den EHCD in der neuen Liga ein Erfolg?

Erster zu werden. Siegserien wie in dieser Saison wird es keine mehr geben. Das ist super, genau das wollen wir ja, denn sonst kommen wir nicht weiter. Ich freue mich extrem auf die Liga. Und wenn in Spielen von hoher Qualität der Bessere gewinnt und nicht wir das sind, macht mir das auch nicht so viel aus. Denn dann wissen wir, woran wir arbeiten müssen.

Ihr Finalgegner Frauenfeld will nicht in die SRL. Bedauern Sie das?

Ja, ich finde es auch sehr schade, dass Wetzikon nicht dabei ist. Ich verstehe diese Entscheide auch nicht.

Die Skepsis bezüglich der ­neuen Liga ist aber nicht nur dort gross.

Bei mir aber nicht. Ich verstehe es, wenn man vorsichtig ist, weil man etwas noch nicht kennt. Es gibt allerdings so viele Fehlinformationen. Ja, man ist länger unterwegs, aber im Schnitt eine halbe Stunde pro Weg. Das ist doch kein Posten. Ich freue mich auf die Liga, weil dort ­bessere Gegner, bessere Spiele, engere Spiele warten.

Wie gut kennen Sie die ­Gegner in der SRL schon?

Die Welschen kenne ich gar nicht. Gegen Brandis und Thun spielten wir in der Vorbereitung, die beiden anderen Zentralschweizer Basel und Wiki-Münsingen kenne ich nicht gut. Es sind sicher alles sehr gute Mannschaften, ich erwarte nicht, dass wir gegen irgendwen einen Vorteil haben. Gut ist, dass wir auf dem Transfermarkt relativ schnell sind und nicht mehr ­lange am Team herumbasteln müssen.

Der Klub will die Transfers erst kommunizieren, wenn ­alles fix ist. Können Sie eine Aussage zur Mannschaft für die neue Saison machen?

Ich bin überzeugt, dass wir ein sehr gutes Team mit gutem Charakter haben werden. Es hat sehr schnelle Leute darunter, einige harte Arbeiter und physisch starke Spieler. Wir sind gut unterwegs, auch wenn wir sicher Zeit benötigen, um uns zu adaptieren. Sicher ist: Wir haben Möglichkeiten, uns weiterzuentwickeln. Ich habe keine Bedenken.

Werden Sie sich die Final­rundenpartien anschauen? Frauenfeld spielt gegen ­Brandis und Sion, auf die der EHCD in der SRL treffen wird.

Nein. Ich überlege mir, einige Trainings beim HC Davos zu besuchen und Arno Del Curto über die Schultern zu schauen – das auch im Hinblick auf die nächste Saison. In der letzten Saison schaute ich mir die Finalrundenpartien an und regte mich nur auf. Das muss ich mir nicht mehr antun.

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