Das Finalduell der Liga-Saurier
Der EHC Frauenfeld – für manch einen ist dieses Team quasi die graue Maus der Erstliga-Ostgruppe. Das ist nicht einmal abschätzig gemeint. Denn während sich andernorts Höhenflüge und Abstürze bisweilen abwechseln, Trainer mit mehr oder weniger lautem Getöse engagiert und wieder geschasst werden und Ambition und sportlicher Erfolg in einem Missverhältnis stehen, bleibt Frauenfeld eine unaufgeregte Konstante. Seit 21 Saisons ist der Klub ununterbrochen in der 1. Liga mit dabei – ein Liga-Saurier also, wie es sonst in der Ostgruppe nur Bülach und Dübendorf sind.
Das Frauenfelder Highlight 2009
Ein Stammgast ist Frauenfeld auch in den Playoffs. Seit dem letzten Aufstieg 1996 verpassten die Thurgauer die Top 8 in der Qualifikation nur gerade dreimal. Doch Ausreisser gegen oben gab es ebenso selten: Bisher standen sie in zwei Finals – mit dem Höhepunkt 2009, als sie ihren ersten und bisher einzigen Amateur-Schweizer-Meister-Titel gewannen.
Damals war Emanual Marbach der Trainer der Thurgauer, heute ist er es wieder, seit dieser Saison. «Das ist sehr lange her», sagt Marbach auf den Meistertitel angesprochen. Im Team figuriert mit Stürmer Jann Pargätzi nur noch ein Spieler, der den Frauenfelder Höhenflug miterlebt hat.
Auf leisen Sohlen in den Final
Während die Frauenfelder den Final 2009 gegen Winterthur als Qualifikationssieger und damit als Favorit in Angriff nahmen, sind sie ab Sonntag in der Finalserie gegen Dübendorf Aussenseiter. «Dübendorf ist der haushohe Favorit, das wird eine ganz grosse Challenge für uns», spricht Marbach das aus, was das Gros der Beobachter ohnehin denkt.
Zu verstecken brauchen sich die Thurgauer indes überhaupt nicht. Quasi auf leisen Sohlen, aber mit Konstanz und Durchhaltewillen sind sie bis in den Final vorgestossen. Vierter waren sie nach der Qualifikation – der Rang hätte zur Teilnahme an der Swiss Regio League berechtigt, doch das wollten die Thurgauer nicht, «wegen des zeitlichen und finanziellen Aufwands». Mitentschieden hat das auch die Mannschaft.
Zwei SRL-Aufsteiger eliminiert
Sportlich hätte Frauenfeld indes gute Argumente gehabt für den Aufstieg – schliesslich eliminierten sie in den Playoffs mit Seewen im Viertelfinal und Bülach im Halbfinal zwei künftige SRL-Teilnehmer. Dass die Serien jeweils über die Maximaldistanz gingen ist für Marbach ein weiterer Beleg für die Ausgeglichenheit der Ostgruppe, in der zwischen dem Tabellenzweiten Chur und dem fünftplatzierten Seewen die Differenz nur vier Punkte betrug. «Die Playoffs waren für uns ein Spiegel der Meisterschaft: Die Liga ist sehr eng – mit Ausnahme von Dübendorf.» Bei einem Finalgegner, der von 35 Meisterschaftsspielen nur 5 verloren habe, müsse man nicht über die Favoritenrolle diskutieren, «diese Zahlen sagen alles», findet Marbach.
Ein «Chnorz»?
Dübendorf-Trainer Andrea Cahenzli weist die Favoritenrolle natürlich nicht von sich – er sagt aber auch: «Es wird ganz sicher nicht einfach – womöglich gibt es einen ähnlichen ‹Chnorz› wie gegen Wetzikon.» Zwar hat Dübendorf heuer alle drei Partien in der Qualifikation gegen Frauenfeld gewonnen, doch Cahenzli erinnert sich an enge Begegnungen. Beim 2:1-Sieg im letzten Duell im Januar etwa fielen alle Tore erst im Schlussdrittel, «das Spiel hätte auf beide Seiten kippen können».
Cahenzlis Respekt
Wenn Cahenzli über Frauenfeld spricht, schwingt auch viel Respekt mit. «Es ist eine ausgeglichene, willige und beharrliche Mannschaft», sagt er. Marbach findet: «Wir haben einen guten Mix, vom 19-Jährigen bis zum 31-Jährigen ist alles dabei, das Team ist solidarisch und hat einen guten Spirit.»
Aus dem guten Mix stechen einige Routiniers heraus: Die beiden Ex-Winterthurer Michel Grolimund und Eric Geiser et-wa, der NLB-gestählte Captain Matthias Schoop, der ebenfalls NLB-erfahrene Nino Fehr oder auch Fabian Schumann, nach Geiser der zweitbeste Frauenfelder Skorer in dieser Saison. An solche Namen denkt Cahenzli, wenn er sagt: «Auch Frauenfeld ist breit aufgestellt.»
Dübendorfer Startprobleme
Die Breite ist in Dübendorf allerdings so gross wie nirgends sonst. «Unterdessen ist jede Linie jederzeit für ein Tor gut», sagt Cahenzli – das ist einer
der positiven Aspekte aus den bisherigen Playoff-Partien. Der negative Aspekt: Bis auf das zweite Spiel im Halbfinal gegen Wetzikon (6:2-Sieg) bekundete der EHCD stets Mühe, ins Spiel zu finden. «Wir müssen uns diesbezüglich verbessern», sagt Cahenzli nicht zum ersten Mal. Vom ersten Einsatz an die richtige Bereitschaft aufs Eis zu bringen, «das hängt von vielem ab. Gäbe es eine einzelne Schraube dafür, hätte ich längst daran gedreht».
Die ehrlichen Arbeiter
Und wo sieht Frauenfeld-Coach Marbach eine Chance für sein Team? «Wir versuchten die ganze Saison Woche für Woche ehrliche Arbeit zu leisten und werden das bis am Schluss tun. Einsatz für Einsatz, Drittel für Drittel.» Was-wäre-wenn-Fragen stellen sich für ihn nicht, er mag nicht spekulieren. «Am Ende schauen wir auf die Resultattafel und werden sehen, was dort steht».
