Die Serie der Serien
Ein Topteam der Erstliga-Ostgruppe sei der EHC Wetzikon – so lautete der Tenor vor der Saison. Im Playoff-Viertelfinal wurden die Wetziker den Vorschusslorbeeren gerecht: In der «Belle» im Churer Hallenstadion siegten sie in extremis 3:2, nachdem sie fünf Minuten vor Schluss noch in Rückstand gelegen hatten. Nun stehen sie im Halbfinal – erstmals seit 2001 – und treffen dort auf den EHC Dübendorf. Das Derby der regionalen Rivalen als Playoff-Halbfinalserie also – «das haben sich doch alle gewünscht», sagt Wetzikons Trainer Roger Keller.
«Cool, dass der Gegner Wetzikon ist»
Beim EHC Dübendorf klingt es nicht anders. Captain Remo Sägesser findet es «cool, dass der Gegner Wetzikon ist – das ist von den Emotionen her eine finalwürdige Paarung.» Für Trainer Andrea Cahenzli ist der Wetziker Halbfinalvorstoss keine Überraschung. «Wetzikon war gegen Chur das bessere Team. Die Mannschaft besteht aus sehr gut ausgebildeten Hockeyspielern.»
Dass die Wetziker zu mehr fähig sind als es der 7. Rang nach der Qualifikation aussagt, bewiesen sie im Viertelfinal, sie erfüllten damit auch eine Art Pflicht. «Wir sind nun dort, wo wir hin wollten. Die Mannschaft hat für den Verein Grosses geleistet», sagt Keller. Überhaupt gelang dem EHCW eine deutliche Leistungssteigerung im Vergleich zur Qualifikation. André Böhlen, Sportchef 1. Mannschaft im EHCW, sieht klare Gründe dafür: «Roger Keller hat in einigen Details die Schraube angezogen und so Energie freisetzen können». Die Mannschaft habe Charakter gezeigt und auch negativen Einflüssen getrotzt – wie etwa den vier Spielsperren gegen Alain Butty, von denen der Stürmer noch zwei absitzen muss.
«Erst recht gefährlich»
Die positive Wetziker Entwicklung hat man auch in Dübendorf registriert: «Wetzikon ist jetzt erst recht gefährlich», findet Captain Sägesser. Und Coach Cahenzli sagt: «Dass Wetzikon Chur eliminierte war eine gute Warnung für unsere Jungs.»
Die Dübendorfer steigen erholter in die Halbfinalserie, sie haben ihren Viertelfinal gegen die Pikes Oberthurgau heute vor einer Woche auf kürzestem Weg für sich entschieden – überzeugt haben sie dabei indes nicht. «Wir waren im Abschluss über weite Strecken zu wenig zwingend», sagt Cahenzli. Gerächt hat sich dies gegen die Pikes nicht. Ohnehin gelang es den Dübendorfern heuer mehr als einmal, auch nach für ihre Verhältnisse schwachen Leistungen zu gewinnen. Seit dem 22. Oktober haben sie nicht mehr verloren und in dieser Zeit 27 Siege aneinander gereiht, die Cup-Qualifikation mitgerechnet.
Apropos Cup-Qualifikation
In dieser trafen Dübendorf und Wetzikon vor knapp drei Wochen letztmals aufeinander – im vermeintlich letzten Derby. 4:2 gewannen die Glattaler auswärts, obschon sie sich sehr schwer taten mit den kampfstarken Wetzikern. «Wir spielten damals zwei Drittel lang sehr gut», sagt EHCW-Trainer Keller, «darauf können wir aufbauen.» Für EHCD-Captain Sägesser zeigte dieses Spiel indes: «Wir können uns im entscheidenden Moment steigern, wenn wir unter Druck stehen.»
Dass die längere Dübendorfer Pause ein Vorteil sein könnte, glaubt EHCD-Trainer Cahenzli nur bedingt. «Das könnte ins Gewicht fallen, wenn die Serie über fünf Spiele geht. Sonst nicht», sagt er. Keller findet: «Wir hatten einen schönen Rhythmus, aber wir müssen uns nun sehr gut erholen». Zuletzt standen ihm lediglich drei Blöcke zur Verfügung. Ändert sich das im Halbfinal? «Das sehen wir von Tag zu Tag», gibt Keller sich bedeckt. Der EHCD ist laut Cahenzli im Vollbestand der Kräfte – abgesehen von Sven Lupart. Er zog sich im zweiten Spiel der Viertelfinalserie eine Schienbeinkopffraktur zu, was das vorzeitige Saisonende für ihn bedeutete.
Der Halbfinal zwischen Dübendorf und Wetzikon ist gewissermassen auch die Serie der Serien. Da wäre einerseits die Dübendorfer Siegesserie, die von den Wetzikern nur zu gerne unterbrochen würde. Da wäre andererseits aber auch die Derby-Negativserie des EHCW: Die letzten neun Begegnungen gegen Dübendorf endeten für die Wetziker mit einer Niederlage. Der letzte EHCW-Sieg datiert vom 12. November 2014 – 4:3 siegten die Wetziker damals im Heimspiel in der Qualifikation.
Die Sensation von 2001: Dübendorf gegen Wetzikon als Erstliga-Playoff-Derby – das gab es schon einmal, und zwar vor 16 Jahren. In der Saison 2000/2001 trafen die beiden regionalen Rivalen im Viertelfinal aufeinander. Der nach der Qualifikation zweitplatzierte EHCD war damals gegen den EHCW klarer Favorit. In fünf Spielen schafften die Wetziker die Sensation und qualifizierten sich für den Halbfinal, wo sie an Qualifikationssieger Uzwil scheiterten. André Böhlen, der heutige Sportchef 1. Mannschaft im EHC Wetzikon, stand damals als Verteidiger für Dübendorf auf dem Eis. Auch dank ihm ging die Serie in die «Belle» – beim 5:3-Sieg des EHCD im vierten Spiel verhinderte er mit einem Tor und zwei Assists das vorzeitige Dübendorfer Out. In der entscheidenden Partie siegten die Wetziker 3:1. Böhlen erinnert sich an eine «absolute Willensleistung, vor der ich jetzt noch den Hut ziehe.» Vergleichbar mit der Sensation von 2001 ist die aktuelle Halbfinalserie nur bedingt. Zwar waren die Wetziker auch damals nur Qualifikations-Siebte. «Aber auf dem Papier sind die beiden Teams heute viel näher beisammen», sagt Böhlen. fbo
