Wie viel die neue Liga kostet
Seit einer Woche ist bekannt, welche Klubs nächste Saison in der neu geschaffenen «Swiss Regio League» antreten werden. Der EHC Dübendorf, der sich als erster Klub überhaupt für die neue Liga qualifiziert hatte, weiss nun also auf wer er trifft – und wie weit seine Auswärtsfahrten dauern werden.
Dass die Wege weiter werden, ist einer der Kritikpunkte der Skeptiker der neuen Liga. Churs Stümer Lukas Sieber sagte in einem TV-Interview: «Wenn du arbeitest und Familie hast, kannst du nicht das ganze Wochenende weg sein, weil du ins Wallis musst.» Das ist plakativ formuliert, bringt die Bedenken bezüglich der Reisen aber auf den Punkt.
Vor allem für die Churer, den am östlichsten gelegenen Klub der neuen Liga, fällt das ins Gewicht. Sie müssen mindestens 120 km oder rund anderthalb Fahrstunden rechnen, bis sie bei den geografisch nächstgelegenen Gegnern Seewen und Dübendorf sind. Pro Saison sitze man künftig 24 Stunden länger im Car, sagte Präsident Urs Knuchel der «Südostschweiz». Eine Zahl, die auf Anhieb abschreckend klingt. Bei den Dübendorfern sind es knapp 19 Stunden, die im Vergleich zu dieser Saison an zusätzlicher Reisezeit zusätzlich anfallen (siehe Box am Ende des Artikels).
Wer schätzt richtig?
Doch die Churer gehören wie die Dübendorfer zu den Befürwortern der neuen Liga. Beide Klubs gehen von Mehrkosten von rund 20 000 Franken aus – was im Vergleich zu anderen kursierenden Schätzungen gar gering scheint. EHC-Wetzikon-Präsident Roger Meier, der mit seinem Klub vorerst nicht in die neue Liga will, warf kürzlich an einem Sponsorenanlass einen sechsstelligen Betrag in die Runde. Die Düdingen Bulls, die sich in der Zentralschweizer Gruppe qualifiziert haben, rechnen laut den «Freiburger Nachrichten» mit Mehrkosten von rund 60 000 bis 70 000 Franken. Schätzen also die beiden Topteams der Ostgruppe schlicht zu optimistisch?
Öfter im Car
«Wir haben die Kosten seriös durchgerechnet», sagt EHCD-Vorstandsmitglied Beat Gmünder. Laut ihm steigen sie vor allem wegen der weiteren Auswärtsfahrten. «Bisher fuhren die Spieler nach Wetzikon, Bülach und Frauenfeld mit dem eigenen Auto. Künftig werden wir an alle Auswärtsspiele ausser nach Bülach mit dem Car reisen.» Mit einem Zusatzaufwand von rund 15 000 Franken rechnet der Club deshalb im schlechtesten Fall. Dazu kommen potenziell höhere Schiedsrichterentschädigungen, wobei der EHCD pro Heimspiel rund 100 Franken mehr budgetiert.
Mit weiteren Zusatzaufwendungen rechnet der EHCD nicht. Es seien die Kosten, die durch die neue Liga effektiv anfallen und nicht gross beeinflussbar seien, sagt Gmünder. «Alles andere wie etwa die Spielerentschädigungen hat jeder Klub selber in der Hand». Während es aus Chur heisst, dass die Mannschaft «vielleicht etwas teurer» sei, steht EHCD-Sportchef Urs Wüst für das Team der nächsten Saison laut Gmünder nicht mehr Geld zur Verfügung als bisher.
Auflagen bereits erfüllt
Dass etwa die Düdingen Bulls mit deutlich höheren Mehrkosten rechnen liegt an Auflagen, die sie im Gegensatz zu Dübendorf und offenbar auch zu Chur noch nicht erfüllen. Düdingen musste das Sicherheitskonzept anpassen, während das in Dübendorf schon bestehende Konzept von der Liga abgesegnet wurde. Und anders als in Dübendorf war in Düdingen bisher nicht an jedem Spiel ein Arzt zugegen. Auf Anfrage bestätigt der Freiburger Klub, dass diese beiden Punkte das Gros der Mehrkosten auslösen. Der Zusatzaufwand bei den Reisekosten falle nicht ins Gewicht und auch die Kosten für die Mannschaft blieben in überschaubarem Rahmen.
Während die Distanzen und damit die Reisekosten nun bekannt sind, dürften sich bis Ende Monat weitere offene Punkte konkretisieren. Am 25. Februar treffen sich die qualifizierten Vereine zu einer Sitzung. Dannzumal wird etwa die Gruppeneinteilung vorgenommen, wobei aufgrund der Distanzen zu erwarten ist, dass der EHC Basel und der EHC Brandis zur «Ostgruppe» stossen und damit in der Qualifikation zwei Spiele mehr gegen Dübendorf, Bülach, Chur und Seewen austragen. Zudem soll am 25. Februar auch bekannt werden, wer der Hauptsponsor der neuen Liga ist und wieviel Geld für jeden Klub herausspringt.

