Roulin: Weltcup-Abenteuer kann noch warten
Wengen ist der Ort der Premieren für Gilles Roulin. Vor drei Jahren debütierte der Grüninger im Berner Oberland im Europacup; 48. wurde er damals in der Abfahrt. Am letzten Freitag kehrte der 22-Jährige erstmals im Rahmen des Europacups wieder ans Lauberhorn zurück – und fuhr so gut wie noch nie zuvor. Dritter wurde er im ersten Super-G, Zehnter tags darauf.
Es sind Resultate, die aufhorchen lassen. Roulin empfindet sie als Erleichterung – aber nicht nur: «Sie sind auch eine Bestätigung dafür, dass ich in die richtige Richtung gearbeitet habe.»
«Ich wusste, dass ich es drauf habe»
Im Vergleich mit den ersten beiden Super-G der Saison auf der österreichischen Reiteralm, wo Roulin die Plätze 15 und 26 belegte, gelang dem Oberländer eine deutliche Steigerung. Das hat mit mehreren Dingen zu tun. Einerseits liegt Roulin das Gelände in Wengen besser, es ist nicht sehr flach und hat nicht zu viele Gleiterpassagen, «technisch ist es nicht übermässig anspruchsvoll», sagt er. Zudem konnte er erstmals in der ersten Gruppe, also den Top-15, starten. «Man hat dieselben Bedingungen wie die besten, das macht mental viel aus.»
Die gute Ausgangslage wusste der Grüninger zu nutzen. «Endlich ging es auf und mir passierte kein blöder Fehler.» Schon oft hatte Roulin abschnittsweise Top-Zeiten hingelegt, aber nicht über einen ganzen Lauf. «Ich wusste, dass ich es drauf habe», sagt er deshalb.
Vorfreude auf Kitzbühel
Doch verhelfen ihm solche Resultate auch zum Weltcup-Debüt in näherer Zukunft? Immerhin liess er im ersten Rennen Weltcup-erprobte Athleten wie den italienischen Routinier Werner Heel hinter sich. Oder auch Nils Mani aus dem B-Kader, der in seiner zweiten vollen Weltcup-Saison steht und in der Abfahrt von Gröden vor vier Wochen als Neunter erstmals in die Top-Ten fuhr.
Derzeit ist ein Weltcup-Start von Roulin nicht geplant – er verspürt aber auch keinen grossen Drang, so rasch als möglich auf der grossen Bühne zu debütieren. «Natürlich würde ich mich über einen Weltcup-Start sehr freuen, denn dorthin will ich ja. Aber es muss ins Programm passen. Und mir ist es wichtiger, im Europacup Stabilität zu finden und meine Startpositionen zu verbessern, als Weltcup-Luft zu schnuppern.»
Beides unter einen Hut bringen kann er kaum, weil sich die Rennkalender überschneiden. Wenn der Weltcup-Tross diese Woche in Wengen gastiert, reisen die Europacup-Athleten bereits nach Kitzbühel, wo auf der legendären Streiff am nächsten Montag eine Abfahrt stattfindet, die vom ORF live übertragen wird. Roulin findet es «cool, dass wir auch auf solchen Strecken fahren können» und nicht nur auf einfacheren Europacup-Pisten.
In Kitzbühel peilt er einen Top-30-Rang an, «die Abfahrt ist eigentlich nur meine dritte Disziplin», sagt er. Im Super-G, seiner Paradedisziplin, figuriert er auf dem 9. Rang in der Europacup-Disziplinenwertung. Diese Platzierung möchte er zumindest verteidigen; regelmässig in die Top-Ten zu fahren ist sein Ziel.
Nachholbedarf im «Riesen»
Von solchen Resultaten wäre er an und für sich auch im Riesenslalom nicht weit entfernt – wenn er einmal zwei gute Läufe ins Ziel bringen würde. Gestern und am Montag gelang ihm dies in Davos einmal mehr nicht. Im ersten Lauf am Montag erwischte er einen Stein, der seinen Ski ruinierte, im zweiten Lauf arbeitete er sich mit der 19. Zeit noch auf Rang 37 vor. Am Dienstag verbremste er den ersten Durchgang, wurde im zweiten 13. und beendete das Rennen als 33. wieder ausserhalb der Punkte. «Dass ich mich im zweiten Lauf jeweils verbesserte, ist gut fürs Selbstvertrauen», sagt Roulin. «Am Ende des Tages kann ich aber natürlich nicht zufrieden sein».

