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Illnauer Radprofi Brüngger verliert Job

Nach der Westschweizer IAM-Equipe streicht auch das Team Roth die Segel. Vom Ende der Pro-Continental-Equipe ist auch der Illnauer Nico Brüngger betroffen – der Vertrag für seine zweite Profisaison war bereits unterschriftsbereit.

Illnauer Radprofi Brüngger verliert Job

Es sind düstere Tage für den Schweizer Radsport: Dieses ­Wochenende bestreitet die Westschweizer IAM-Equipe bei Paris–Tours ihre Dernière, ehe das wahr wird, was Teamchef Michel Thétaz im Sommer angekündigt hatte: Das 2013 gegründete Team, das 2015 World-Tour-Status erhielt, wird aufgelöst. Die einzige Schweizer Profiequipe würde künftig das Team Roth sein – dachte man bis ­gestern. Dann gab das im Solothurnischen beheimatete Team bekannt, dass es künftig le­diglich noch als «U-23-Development-Team» existieren werde. 23 Radprofis, darunter 9 Schweizer, verlieren ihren Job.

Einer von ihnen ist der Ill­nauer Nico Brüngger. Zwei Jahre lang stand er beim Roth-Team unter Vertrag. Von einer an­gestrebten Luftveränderung sprach er Anfang 2015, als er nach drei Jahren als Elite-Amateur beim EKZ-Team zum damals als Continental-Team in der dritthöchsten Kategorie geführten Roth-Team wechselte. Mit dem Aufstieg der Equipe in den Pro-Continental-Status kam für den Illnauer der Wechsel zu den Profis – unerwartet und ungewöhnlich spät, mit 27 Jahren erst. Er nahm an ­Rennen teil, die für ihn zuvor unerreichbar schienen. Er fuhr nicht nur die Tour de Romandie, sondern auch die Tour de Suisse, wo er am 16. Juni in der Bergetappe von Weesen nach Amden als 20. gar bester Schweizer war.

Ende ohne Ankündigung
Für Brüngger und seine Teamkollegen kam das Ende völlig überraschend. Eigentlich hätte der Illnauer diese Woche seinen Vertrag für die nächste Saison unterzeichnen sollen. Als letzte Woche die Fahrer per E-Mail ­gebeten wurden, gestern Mittwochmorgen an der Teambasis in Gerlafingen zu erscheinen, wurde Brüngger zwar stutzig, dachte sich aber nichts weiter, weil es in den letzten Wochen immer wieder hiess, das Team habe grosse Sponsoren für die nächste Saison an der Angel. Doch gestern um sieben Uhr kam die Hiobsbotschaft.

Das Aus hat finanzielle Gründe, und es hängt auch mit dem ­raschen Aufstieg der Equipe auf die Pro-Continental-Stufe ­zusammen. Diesen hatte Roberto Marchetti initiiert, eine im Schweizer Radsport ebenso umtriebige wie zwielichtige Figur, die einst mit Epo gehandelt hatte und der ein Hang zu unsauberem Geschäftsgebaren nachgesagt wird. Marchetti verliess Anfang ­dieses Jahres das Team, offiziell aus gesundheitlichen Gründen, inoffiziell wurde er abgesetzt, weil Versprechungen nicht eingehalten wurden und Verträge schlecht ausgehandelt waren oder anrüchig schienen. Darunter ein Kontrakt mit einem Co-Sponsor, der für die Hälfte des Budgets hätte aufkommen sollen. Diesen Vertrag löste das Team auf, weil nach näherer Prüfung der Eindruck entstand, Geldwäscherei sei im Spiel.

Über eine halbe Million fehlt
Offenbar fehlt nun vor allem dieses Geld; die Rede ist von rund 600 000 Franken. Neue Geld­geber fanden sich keine. «Bis kurz vor dem Entscheid standen wir in Verhandlungen für neue Partnerschaften, die aber leider nicht zustande gekommen sind», lässt sich Teambesitzer Stefan Blaser im Communiqué zitieren.

Für Brüngger und seine Teamkollegen heisst das, dass sie sich im dümmsten Zeitpunkt – die Weichen für die neue Saison sind gestellt – auf die Suche nach einem neuen Team machen müssen. «Eigentlich ist der Zug schon abgefahren», sagt der Illnauer. Zwar sagt Blaser, man werde nach Möglichkeiten suchen, um «Folgelösungen für jeden einzelnen Rennfahrer und Mitarbeiter anzubieten»; nur dürften die ­Optionen sehr begrenzt sein. Das Team könnte womöglich eine Stufe tiefer als Continental-Equipe weitergeführt werden. Brüngger hätte wohl einen Platz darin; allerdings zu einem klar geringeren Lohn als bisher – laut Medienberichten rund 1000 Euro pro Monat. Der Mindestlohn auf Pro-Continental-Stufe beträgt das Dreifache.

«Alle sind durch den Wind»
Ob Brüngger diese Gelegenheit – so sie sich denn überhaupt er­öffnet – ergreifen wird, ist offen. «Im Moment weiss ich überhaupt nichts. Wir sind alle durch den Wind», sagt er. «Ich werde sehen, wofür ich mich motivieren kann.»

Immerhin macht er sich keine existenziellen Sorgen. Weil er bis 2015 stets neben dem Sport noch gearbeitet hatte, hat er ­etwas Geld auf der Seite. Womöglich könnte er auch in seinen Beruf als Sicherheitstechniker zurückkehren. «Um meine persönliche Zukunft habe ich keine Angst», sagt der Illnauer. Doch er weiss: Sein erstes Profijahr wird wohl sein einziges bleiben. Brüngger will es in guter Erinnerung behalten: «Es war ein super Jahr», sagt er, «das lasse ich mir nun nicht vermiesen.»

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