Lob vom Gegner für mutigen Wetziker Auftritt
In der Schlussminute des zweiten Drittels flackert noch einmal Hoffnung auf bei den Wetziker Fans und der Mannschaft. Und das, obwohl nur wenige Sekunden zuvor Samuel Walser den fünften Treffer für den HC Davos erzielt hat. Doch statt das Tor der Bündner zu geben, fährt Schiedsrichter Andreas Koch vom Eis und schaut sich auf einem Monitor eine andere Szene an. In der Hauptrolle dabei: Jannick Bachmann, der kurz vorher zum vermeintlichen 2:4 getroffen hat. Doch nach Konsultation der TV-Bilder entscheidet der Schiedsrichter, dass der Schuss des Wetziker Angreifers nicht im, sondern nur am Gehäuse war – statt 2:4 steht es 1:5.
Auch die grössten Optimisten in der mit 2500 Zuschauer ausverkauften Wetziker Eishalle glauben nun nicht mehr daran, dass der Underdog den NLA-Klub aus dem Cup bugsieren kann. Die Stimmung in der Halle bleibt dennoch vorzüglich. Auch, weil dem Oberländer Erstligisten im Schlussabschnitt durch Luzi Schneider ein weiteres Tor gelingt. Beim 2:5 bleibt es bis zum Ende. Das Cup-Abenteuer ist für die Wetziker damit vorbei (hier geht es zum Live-Ticker).
«Das war gigantisch»
Nach Spielschluss wird der EHC Wetzikon für seine beherzte Leistung nicht nur von den eigenen Fans mit Sprechchören gefeiert. Die Wetziker Spieler machen auch mit den HCD-Anhängern die Welle. «Wie die Leute abgegangen sind, das war gigantisch», sagt Bachmann. Der EHCW-Stürmer grinst zufrieden. Trotz der Niederlage ist er überhaupt nicht enttäuscht, sondern schwärmt: «Es war sensationell.» Auch Andy Ritsch sieht keinerlei Grund, Trübsal zu blasen. Der Wetziker Trainer ist mit seiner Mannschaft sehr zufrieden. «Ich bin überrascht, wie gut sie das gemacht hat», lobt er. «Im zweiten Drittel hat der HCD dann gemerkt, dass er mehr machen muss. Da haben sie Gas gegeben und uns zeitweise erdrückt.»
Andy Ritsch zieht nach der Partie ein positives Fazit. (Video: Christian Zürcher)
Rund 30 Minuten verläuft das Duell David gegen Goliath völlig offen. Die Oberländer müssen zwar einen heftigen, dafür nur kurzen Angriffswirbel zu Beginn des Spiels über sich ergehen lassen. Dann aber spielt das hervorragend organisierte Team von Ritsch keck mit. Ganz so, wie es sich der Trainer gewünscht hat. Auch durch einen ersten Rückschlag – das 0:1 kassiert der EHCW in Überzahl – lässt sich das Heimteam die Freude an der Begegnung mit einem Profiteam nicht verderben. Und wichtig: Es lässt sich vor allem den Schneid nicht abkaufen.
Schnell wird der EHCW für seinen mutigen Auftritt belohnt. Bachmann gelingt in der achten Minute nach einem feinen Pass von Alain Butty das umjubelte 1:1.
Der Favorit dreht auf
Das Tor lässt die Erwartungen der Fans in die Höhe steigen. Sollte da gar mehr drinliegen gegen den HC Davos, der den Cup in seiner Prioritätenliste zuunterst einreiht und schon zweimal an Unterklassigen scheiterte? Einen Gegner auch, bei dem Trainer Arno Del Curto gestern ein Quartett von Stammspielern (Ambühl, Forster, Lindgren, Simion) schont, vor dem Spiel aber sagt: «Wir haben noch immer eine Mannschaft da, die zumindest 3:2 gewinnen müsste.»
Enzo Corvi zollt den Wetzikern Respekt. (Video: Christian Zürcher)
Bis zur ersten Pause ist jedenfalls kein grosser Unterschied zwischen den Teams zu bemerken. Das sieht auch Marc Wieser so. «Am Anfang waren wir nicht gut», sagt der HCD-Stürmer und schiebt lächelnd nach: «Wir sind froh, haben wir gewonnen.» Je näher die Spielhälfte aber rückt, desto stärker wird der Druck der zu diesem Zeitpunkt schon 2:1 führenden Davoser. Der Höherklassige monopolisiert nun die Scheibe, dominiert die Partie. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich der starke EHCW-Goalie Simon Scherrer erneut bezwingen lassen muss. Und nach dem 1:3 geht es dann wirklich schnell. Darüber ärgern mag sich Jannick Bachmann nicht. «Ein Bierchen gönnen wir uns trotzdem.»
