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Mission Punkte: «Wir sind schon näher dran»

Das Hinwiler Sauber-Team ist seit dem 20. Juli in neuem Besitz. Teamchefin Monisha Kaltenborn spricht über den Wechsel und sagt, wie sich das Team in Zukunft verbessern will.

Mission Punkte: «Wir sind schon näher dran»

Vor anderthalb Monaten übernahm Longbow Finance die Sauber Holding. Was wäre passiert, wenn Longbow nicht gekauft hätte?

Monisha Kaltenborn: Das weiss ich nicht, und ich möchte mir auch gar keine Gedanken darüber machen. Es ist nun so gekommen, dafür sind wir dankbar. Es ist müssig, über alles andere nachzudenken.

Wie lange dauerten die Verhandlungen? Man hatte den Eindruck, es müsse alles sehr schnell gehen.

Als wir mit BMW verhandelten, wusste niemand etwas, bis zu dem Tag, an dem es verkündet wurde. Ich kann nichts zu den Verhandlungen sagen, weil sie der Vertraulichkeit unterliegen. Aber es ging professionell und zügig voran. Im Vergleich zu BMW war es eine schnellere Transaktion.

Weil die Zeit drängte?

Natürlich, die Zeit war ein wichtiger Faktor. Es steht ja viel auf dem Spiel. Wir haben hier gut 300 Arbeitsplätze, und mit den Familien dahinter kommt man auf eine grosse Zahl Menschen, für die man eine Verantwortung trägt. Da gilt es, eine schnelle Lösung zu finden, wenn man eine Möglichkeit hat.

Sie sind nicht mehr Miteigentümerin der Firma, sondern «nur» noch hochrangige Angestellte. Was ändert das für Sie? Haben Sie beispielsweise einen befristeten Vertrag, der an Ziele geknüpft ist?

Für mich verändert das nichts. Ich habe hier meine Ziele, und es freut mich, dass ich das Vertrauen der Eigentümer habe, diese Ziele weiterzuverfolgen. Und nun habe ich auch die Möglichkeit, sie umzusetzen.

Was hat denn Longbow mit Sauber für Ziele?

Es gilt, den Standort hier zu sichern, der aus zwei Säulen besteht, der Formel 1 und dem Drittkundengeschäft. Letzteres wurde seit 2010 erfolgreich aufgebaut. In der Kombination sieht Longbow noch viel Potenzial.

Longbow ist eine Investment-Firma. Investoren wollen Geld verdienen – in der Formel 1 verliert man aber Geld. Sehen sie keinen Widerspruch?

Nein. Longbow ist ein neuer Eigentümer, der an ein Potenzial glaubt. Niemand ist hier reingekommen, der jemand was wegnehmen will oder meint, gross etwas ändern zu müssen. Sie glauben an dieses Unternehmen und werden, wo es geht, uns die Möglichkeiten zur Verfügung stellen. Vorerst ist die Existenz gesichert. Nun sind wir als Unternehmen gefragt, dass wir durch unsere Leistung das Geschäft stabilisieren.

In der Formel 1 gibt es viele Zukunftsfragen und wenig Sicherheiten. BMW stieg einst deshalb aus. Das kann mit Longbow doch auch passieren.

Longbow weiss, dass nicht alles planbar und kalkulierbar ist. Die haben sich sehr wohl ihre Gedanken gemacht. Die Argumente, die bei BMW gegolten haben, können hier nicht gelten, weil es kein Automobilhersteller ist. Es ist ein privates Unternehmen. Da ist nichts Mystisches oder Seltsames dahinter.

Bei BMW stellte sich die Frage nicht, woher das Geld kommt. Wer hinter Longbow steht, ist aber nicht bekannt. Verbindungen nach Schweden und zum Tetra-Laval-Konzern liegen auf der Hand. Können Sie Licht ins Dunkel bringen?

Zu Spekulationen werde ich keine Stellung nehmen. Es besteht kein Bedarf, mehr bekannt zu geben, und das soll man so respektieren.

Ist Sauber nun alle finanziellen Sorgen los?

Unsere Existenz ist gesichert. Sie werden bei einem Rennteam nie sagen können, sie seien alle finanziellen Sorgen los, weil Ingenieure nie genug Geld haben können. Insofern hat man immer Sorgen, das gehört zum Geschäft. Aber die Sorgen sind nicht mehr existenziell.

Der Ruf von Sauber hat gelitten.

Was die letzten Jahre war, war sicher nicht gut. Aber man sollte es nicht dramatisieren. Es gibt genug grosse Namen, die durch Skandale gehen. Schauen Sie sich Automobilhersteller an, das ist noch viel schlimmer. Und trotzdem gibt es sie, und trotzdem werden die Autos gekauft. Man sollte mit der Kirche im Dorf bleiben.

Die Performance wird kommen – Sie sagen das, als wäre es das Einfachste auf der Welt.

Man kann nicht von einem Tag auf den andern Wunder vollbringen. Aber sie wird kommen – warum denn nicht? Wir haben es ja auch in der Vergangenheit geschafft.

Mit Force India gibt es ein Team, das ähnlich gross ist wie Sauber, aber mit über 100 WM-Punkten Fünfter ist. Was machen die besser?

Sie haben ein aerodynamisch besseres Auto, was nicht nur eine Frage des Geldes ist – sie schwimmen ja auch nicht im Geld. Aber sie haben ein besseres Produkt entwickelt als wir.

Besser werden muss Sauber noch dieses Jahr, um vom letzten WM-Rang wegzukommen. Oder kann man sich nun leisten, sich schon ganz auf 2017 zu konzentrieren und auf Preisgelder zu verzichten?

Nein, das wäre in diesem Geschäft eine völlig falsche Einstellung. Dort zu bleiben, wo wir sind, ist keine Option. Ziel ist es nach wie vor, Punkte zu machen. Wir haben an den letzten beiden Rennen gesehen, dass wir schon näher dran sind.

Kompromittiert man damit nicht die Aussichten für 2017? Es stehen grössere technische Änderungen an, was die Ausgangslage noch schwieriger macht, weil man ein komplett neues Auto bauen muss.

Nein, das eine beeinträchtigt das andere nicht. Wir haben frühzeitig mit der Entwicklung des neuen Autos begonnen. Und das, was wir jetzt ans aktuelle Auto brachten, hatten wir schon länger parat, die Umsetzung war einfach eine Frage der Mittel.

Sie übernahmen vor dreieinhalb Jahren als Teamchefin. Was ziehen sie persönlich für eine Zwischenbilanz?

Ich habe sehr viel gelernt in dieser Zeit. An solchen Herausforderungen wächst man, und das nehme ich mit für die Zukunft.

Wie oft hätten Sie im Nachhinein anders entschieden?

Nicht oft. Im Nachhinein weiss man es eh immer besser. Das ist der falsche Ansatz, weil man es damals, als man entscheiden musste, nicht wusste.

Sind Sie selbstkritisch?

Ja, sehr. Das muss man auch. Sonst hebt man ab. Meine Downforce ist okay, die vom Auto dafür eher weniger (lacht).

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