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Das Beste kommt für Felix Stahel zum Schluss

Felix Stahel steht im Alter von 36 Jahren erstmals am Eidgenössischen Schwingfest im Einsatz. Für den Athleten des Schwingklubs Zürcher Oberland ist es der Lohn für seinen grossen Trainingsfleiss.

Das Beste kommt für Felix Stahel zum Schluss

Felix Stahel ist im Herbst seiner Karriere angekommen. Unzählige Schwingfeste hat der 36-jährige Turbenthaler, der seit 1999 bei den Aktiven schwingt und mittlerweile in seiner 18. Saison steht, schon erlebt. Kleine, mittlere, aber auch grosse vor Tausenden von Zuschauern. Nun folgt für den «Dauerbrenner» im Schwingklub Zürcher Oberland am ­Wochenende der Karrierehöhepunkt, der alles Bisherige in den Schatten stellt. Stahel steht als einer der 275 Athleten am Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest in Estavayer im Sägemehl.

Das Besondere dabei: Seine Teamkollegen Fabian Kindlimann (25), Remo Ackermann (23) und Roman Schnurrenberger (20) aus dem Schwingklub Zürcher Oberland sind zwar weitaus jünger als er. Doch weil sowohl Kindlimann (3 Teilnahmen) als auch Ackermann (1) beide über Erfahrung am wichtigsten Schwingeranlass überhaupt verfügen, gehört Stahel neben Schnurrenberger zur Abteilung der «Grünschnäbel», die in der Westschweiz Neuland betreten.

Von der Tribüne ins Sägemehl

Dreimal war Felix Stahel am nur alle drei Jahre stattfindenden Spektakel zwar schon live dabei – aber jeweils nur auf der Tribüne und mit dem Vorsatz: «Da unten möchte ich auch einmal sein.» Und weil der dreifache Familienvater nach dem knapp verpassten Sprung ans «Eidgenössische» in Burgdorf 2013 nicht locker liess, zwischenzeitliche Rücktrittsgedanken wieder wegwischte und sich reinkniete, streicht er dafür den späten Lohn ein.

Am Samstagmorgen wird Stahel Teil des Schwingerstroms sein, der sich zu den Klängen
der Nationalhymne in die riesige Wettkampf-Arena ergiesst. 52 016 Zuschauer finden im grössten temporären Stadion der Welt auf dem Militärflugplatz in Payerne Platz. «Das wird ein Hühnerhaut-Feeling sein, da einzumarschieren», ist Stahel ­sicher.

Ein Trainingsweltmeister

Nur wenige hatten den konditionell ungemein starken Stahel, dem es im Vergleich zu den ganz grossen Brocken aber an Masse fehlt, vor der Saison im Kampf um einen der 72 Plätze des Nordostschweizer Schwingverbands (NOS) in Estavayer auf der Rechnung. Nur zwei Kränze hatte er sich in all den Jahren zuvor sichern können. «Ich aber glaubte immer daran, sonst hätte ich es gar nicht geschafft.»

Kaum ein Training liess Stahel heuer aus. Neben den Einheiten im eigenen Klub besuchte er auch diejenigen im NOS, was ihm neben den Kranzgewinnen am Schaffhauser sowie am Zürcher Kantonalen bei der Selektion in die Karten spielte. «Und ich habe mich durch die vielen Trainings noch einmal weiterentwickelt.»

Daniel Spörri bezeichnet Felix Stahel gar als «Trainingsweltmeister». Der Präsident des Schwingklubs Zürcher Oberland hat Freude daran, dass sich der Fleiss des Routiniers mit dem Gang ans Dessertbuffet ausbezahlt. «Ich mag es ihm extrem gönnen, dass es geklappt hat.» Stahel sei ein umgänglicher, sehr hilfsbereiter Typ, sagt Spörri. «Und wenn er etwas unbedingt erreichen will, gibt er nicht nach.»

Sonntag als Zuckerguss

Die mentale Robustheit sieht der Turbenthaler denn auch als eine seiner Stärken. «Ich bin ein Wettkampftyp. Einer, der sich steigern kann, wenn es zählt.» Vom einen oder anderen Gegner hat Stahel nach dem Kampf deswegen auch schon den Spruch gehört: «Du bisch en zäche Siech.»

Ohne diese Eigenschaft aber hätte der Turnerschwinger, der einst mit dem Vater seines jetzigen Teamkollegen Remo Ackermann im Sägemehl stand, seine Karriere gar nicht so lange fortgeführt.

Am «Eidgenössischen» möchte Stahel den Cut nach den ersten vier Gängen überstehen. «Schafft er das und ist er auch am Sonntag noch im Einsatz, wäre das der Zuckerguss», sagt Spörri dazu. Der 36-jährige Neuling selber weiss, dass dies in einem so starken Feld ein hoch gestecktes Ziel ist. Und was passiert am Ende der Saison? «Dann ist definitiv Schluss.» Nicht alle hätten die Entscheidung verstanden, sagt er und lacht laut. «Sie haben mich gefragt: Jetzt willst du schon auf­hören?»

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