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Meier: «Die Kopfhörer dürfen niemals fehlen»

Als einer von drei Sportlern aus dem Fürstentum Liechtenstein startet Christoph Meier in Rio. Der 23-jährige ETH-Student, der beim SC Uster Wallisellen schwimmt, freut sich auf seine Olympiapremiere.

Meier: «Die Kopfhörer dürfen niemals fehlen»

Woran denken Sie beim Wort Olympia als Erstes?

Christoph Meier: An einen Multisportevent, etwas ganz Grosses, wovon jeder Sportler träumt.

Was bedeutet Ihnen die ­Olympateilnahme?

Für mich geht ein Traum in Erfüllung. Lange war es wirklich nur ein Traum, um London 2012 herum ist es auch zum Ziel geworden, weil es damals für mich knapp nicht zur Teilnahme reichte. Es ist ein Karriere-Highlight. Und die Teilnahme ist auch ein Lohn für vier Jahre Arbeit. Die Puzzlestücke fügen sich nun zusammen.

Mit welchem Motto reisen Sie nach Brasilien?

Die Atmosphäre geniessen und Spass haben. Natürlich steht die Leistung im Vordergrund. Aber es wird auch ein Erlebnis sein.

Was darf in Ihrem Reise­gepäck nicht fehlen?

Neben dem Schwimmzeug meine Kopfhörer.

Worauf freuen Sie sich besonders?

Auf den Einlauf ins Schwimmstadion vor grossem Publikum.

Was wissen Sie über Ihre ­Gegner über die 400 m Lagen?

Es wird eine starke Konkurrenz sein. Aber die Gegner sind eigentlich nicht wichtig. Jeder schwimmt ja für sich in seiner Bahn – und beeinflussen, was die anderen tun, kann ich ja nicht.

Was machen Sie jeweils als Letztes unmittelbar vor jedem Wettkampf?

Ich visualisiere das Rennen und höre Musik – deswegen dürfen die Kopfhörer nicht fehlen. Ich habe mir eine Playlist zusammengestellt, da sind etwa Stücke von Eminem drauf. Musik, die mich pusht.

Welche Schlagzeile möchten Sie gerne über sich lesen?

«Meier wächst über sich hinaus».

Wer ist Ihr grösster Fan?

Ich denke meine Eltern. Sie kommen an alle grösseren Wettkämpfe mit, in Rio sind sie auch dabei. Wir sind aber nicht eine Schwimmerfamilie. Ursprünglich lernte ich schwimmen, damit sie in den Ferien am Meer keine Angst haben mussten …

Wer ist Ihr schärfster Kritiker?

Mein Trainer Flemming Poulsen. Er findet eigentlich meistens etwas zu kritisieren – aber das ist ja auch sein Job. Manchmal wirds schon etwas viel – aber nur so kommt man vorwärts.

Was ist der Lieblingsspruch ihres Trainers?

«Ein bisschen mehr dabei sein …» Das sagt er oft, wenn man im Training mal etwas nachlässt. Im Wettkampf heisst der Spruch dann: «Ein bisschen mehr Eier zeigen.»

Wie abergläubisch sind Sie?

Überhaupt nicht. Ich wüsste auch nicht, weshalb ich das sein sollte.

Wem aus der Schweizer ­Delegation drücken Sie als Liechtersteiner besonders fest die Daumen?

Eigentlich wäre das Roger Federer gewesen, aber leider ist er nun ja nicht dabei. Natürlich ­allen Schwimmern, und den Triathleten, weil die manchmal mit uns trainieren.

Mit welchem Sportler würden Sie im Olympischen Dorf ­gerne einen Kaffee trinken?

Mit Michael Phelps (US-Schwimmer, mit 18 Olympiasiegen und total 22 Olympiamedaillen Rekordhalter – die Red.). Er ist ein grosses Vorbild. Und weil er vor vier Jahren erstmals zurücktrat und ich erst seit drei Jahren international aktiv bin, bin ich noch nie auf ihn getroffen.

Worauf müssen Sie während Ihres Aufenthalts in Rio ­verzichten?

Leider auf die Eröffnungsfeier. Es wäre sicher schön gewesen, dabei zu sein, doch mein Wettkampf steht schon am nächsten Tag an. Glücklicherweise werde ich aber an der Schlussfeier teilnehmen können.

Wie gut können Sie sich in Portugiesisch verständigen?

Überhaupt nicht, ich kann kein Wort. Aber ich denke, das geht den meisten Athleten so. Ich werde mich auf Englisch verständigen.

Was fällt Ihnen beim ­Stichwort «Brasilien» ein?

Lebensfreude, Strand, Samba, Karneval.

Waren Sie schon einmal in Brasilien?

Nein, es ist das erste Mal. Aber ich werde nach den Olympischen Spielen noch vier Wochen lang bleiben und sicher auch im Land herumreisen.

Womit haben Sie sich nach geschaffter Olympiaselektion belohnt?

Mit nichts Speziellem. Ich belohne mich dann dort, indem ich die Zeit geniesse. Und eigentlich ist ja schon die Reise nach Rio ein schöner Lohn.

Seit wann läuft ihr Olympia-Countdown?

Seit bald 1000 Tagen – ich habe mir eine App auf dem Handy in­stalliert, die das anzeigt. Der unmittelbare Countdown begann vor rund drei Monaten nach den Europameisterschaften.

In welcher Olympischen Sportart sind Sie am ­wenigsten talentiert?

Im Fussball. Ich habe kein Ballgefühl in den Füssen. Volleyball und Basketball wären weniger problematisch.

Wie sehr haben Sie sich mit den Diskussionen um das ­Zika-Virus oder um die hohe Kriminalitätsrate auseinandergesetzt?

Das beschäftigt mich nicht gross. Natürlich sollte man aufpassen wegen der Kriminalität – wenn man sich an den falschen Orten aufhält, ist man aber auch selber schuld. Die Diskussion um das Zika-Virus halte ich für übertrieben, das ist ein Medienhype. Mir wurde gesagt, es habe fast keine Mücken, weil in Brasilien jetzt Winter ist.

An welchen Wettkämpfen möchten Sie als Zuschauer im Stadion sein?

Da gibt es ganz viele; alle Schwimmwettkämpfe, im Tennis, obwohl Federer fehlt, die US-Basketballer möchte ich sehen, die Beachvolleyballspiele an der Copacabana, die Triathleten. Glücklicherweise ist mein eigener Wettkampf schon am ersten Tag.

Welche Fähigkeiten haben Ihnen besonders geholfen, sich für die Spiele zu qualifizieren?

Meine Ausdauer, die Dinge immer wieder zu wiederholen, konstant zu trainieren und alles, was nicht wichtig ist, auszublenden.

Was sind Ihre ersten Erinnerungen an Olympische Spiele?

Die achte Goldmedaille von Michael Phelps. Das war 2008 in Peking. Damals wurde Olympia für mich zum Traum, noch nicht zum Ziel.

Was erwarten Sie von den Olympischen Spielen?

Ein unvergessliches Erlebnis, von dem ich noch in zehn Jahren sprechen werde.

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