Entscheidet sich Petkovic am Montag für Elvedi?
Um 17.37 Uhr ist es in der Genfer Nachmittagssonne soweit. Nico Elvedi steht im Stade de Genève an der Seitenlinie. Nationaltrainer Vladimir Petkovic gibt ihm letzte Instruktionen, gestikuliert, täschelt den Nacken des 19-jährigen Greifenseers – und schickt ihn in der 63. Minute des Testspiels gegen Belgien aufs Feld.
Elvedis Nummer 24 prangt auf der Tafel des vierten Offiziellen, nebenan die Nummer 4 von Philippe Senderos. Elfeinhalb Jahre liegen zwischen den beiden. Hier der 19-jährige aufstrebende Debütant, dort der 30-Jährige Routinier, der in seinem 57. Länderspiel vor allem beim ersten Gegentreffer alles andere als überzeugt hat.
«Endlich hat es geklappt»
«Ich bin froh, dass es endlich geklappt hat mit dem ersten Länderspiel. Ich hoffte schon beim letzten Zusammenzug darauf, damals klappte es leider nicht. Jetzt bin ich umso glücklicher», sagte der Greifenseer nach dem Spiel in den Katakomben des Stade de Genève.
Dass Elvedi (wie auch der zweite Debütant Denis Zakaria) nicht von Beginn weg spielen würde, hatte Vladimir Petkovic vor der Partie angekündigt, es war eigentlich der einzige Kommentar des Nationaltrainers zur Aufstellung. Dass er Senderos von Beginn weg aufstellte, kann als letzte Chance für den Routinier interpretiert werden, sich für das definitive 23-Mann-Kader und damit für ein Ticket nach Frankreich zu empfehlen.
Abgeklärt und sicher
Und es ist durchaus möglich, dass der Wechsel nach gut einer Stunde des zweitletzten Tests vor der EM bald Symbolcharakter erhält. Denn Elvedi fand sich ohne Verzögerung an der Seite von Johan Djourou zurecht. Nervosität war ihm keine anzusehen, er wirkte konzentriert, ruhig, abgeklärt, obschon die Schweiz in der Schlussphase stark unter Druck kam. Phasenweise schaltete er sich in die Spieleröffnung ein, suchte mit Distanzpässen vor allem Shaqiri und dosierte das Risiko dabei vernünftig.
An Elvedis Leistung jedenfalls lag es nicht, dass die Schweiz die Partie verlor. Das entscheidenden 1:2 erzielte mit Kevin De Bruyne einer, der sich ausserhalb von Elvedis Verantwortungsbereich bewegte. Für Aufsehen sorgte der Greifenseer kurz vor Schluss, als er einen Schuss von Divock Origi fast ins eigene Tor lenkte. Der Ball prallte an den Pfosten und von dort neben das Tor – es war das Glück des Debütanten.
Am Montag wird entschieden
Elvedi spielte so, wie man es eben von einem erwarten darf, der schon in seiner ersten Bundesliga-Saison bei Borussia Mönchengladbach 18-mal in der Startformation stand. Ebenso abgeklärt fiel seine Kurzanalyse nach der Partie aus: «Wir haben gut gespielt und eine geschlossene Mannschaftsleistung gezeigt. Das Resultat ist ärgerlich, aber nicht so wichtig. Wir sind bereit für die EM. Ich bin bereit für die EM.»
Ob er auch tatsächlich nach Frankreich mit darf, entscheidet sich am Montag. «Die Hoffnung ist da. Aber es ist die Entscheidung des Nationaltrainers», sagte Elvedi. «Wir hatten gute Trainings mit Spielformen, in denen ich mich beweisen konnte. Und heute konnte ich mich 30 Minuten lang zeigen. Klappt es nicht, muss ich damit leben. Umso schöner ist es, wenn ich dabei sein kann.»
Absehbar ist, dass ein Innenverteidiger aus dem Trio Elvedi, Senderos und Steve von Bergen über die Klinge springen muss, Petkovic sagte, er habe die 23 Namen mehr oder weniger im Kopf. «Aber ich schlafe nun noch einmal zwei Nächte darüber.»

