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Rekordlauf und Gewittergewalt

Zum Auftakt der Meisterschafts-Entscheidungen auf der Buchholz-Anlage in Uster lief die Wetziker Steeple-Rekordhalterin Fabienne Schlumpf einen Bestwert über 2000 m Steeple. Noch vor Meetinghälfte musste die Veranstaltung abgebrochen werden.

Rekordlauf und Gewittergewalt

Von etwas Vergleichbarem wusste niemand zu berichten. Just in dem Augenblick, als sich auf dem Ustermer Buchholz die 10 000-m-Läuferinnen bereitgestellt hatten für ihr Schweizer Meisterschaftsrennen über die 25 Bahnrunden, brach das Unwetter los. Sturmböen fegten übers Gelände. Der heftige Regen wurde begleitet durch Hagelkörner von rund anderthalb Zentimetern Durchmesser. Zuerst stürmten die Zuschauer und die nicht involvierten Athleten los auf der Suche nach einem geschützten Ort. Und die Langstrecklerinnen folgten wenig später. Ab- oder Unterbruch. Es wäre unverantwortlich gewesen, sie loszuschicken.

Rundenanzeigetafel, Zeitmessanlage, Bäume in Töpfen – alles kippte um. Der Strom brach zusammen. Die Hagelkörner bildeten rasch eine mehrere Zentimeter dicke Schicht aus Eis. Was tun? Zuerst harrten die Organisatoren der Dinge. Schnell war der Spuk vorbei. Doch das Gelände lag unter einer weissen Schnee-/Eisschicht. Jemand, der ein Schneeräumungsgerät hätte herbeischaffen können, liess sich nicht finden. Wegen der massiven Abkühlung schmolz das kristallisierte Wasser nur langsam.

Das Wasser lief nicht ab

«So haben wir keine Chance weiterzumachen», beschlossen die Organisatoren in Absprache mit dem Schiedsrichterchef vor Ort. Sie brachen den Anlass ab und erklärten: «Das Wasser ist das Hauptproblem, es kann nicht ablaufen.»

Sinnigerweise herrschten zum Zeitpunkt, als das Frauenrennen in die entscheidende Phase gekommen wäre und noch deutlich vor dem Männerrennen über 10 000 m klimatisch perfekte Bedingungen: kühl, windstill und kein Niederschlag mehr. Ebenfalls nicht mehr durchgeführt werden konnten die Final-Rennen um die «Schnällscht Uschtermer Schuelklass».

Schlumpf und die Unterdistanz

Kurios hatte die Veranstaltung bereits begonnen. Zwar spielte das Wetter bei der ersten Meisterschafts-Entscheidung, dem Steeple-Rennen der Frauen, keinen Hinderungsgrund. Hingegen mangelte es an Teilnehmerinnen. Von den sechs Angemeldeten bei den Frauen, erschienen zwei: Die Wetzikerin Fabienne Schlumpf und die OL-Spezialistin Sandrine Müller. Für die Vergabe des Meistertitels wären aber zumindest drei Teilnehmerinnen nötig gewesen. Als Alternative bot sich den beiden Athletinnen die Möglichkeit, im Juniorinnen-Rennen über 2000 m Steeple mitzulaufen.

Schlumpf tat dies überzeugend. In 6:20,67 Minuten setzte sie sich im Alleingang durch. Zwar gab es dafür keine SM-Goldmedaille, aber die Zeit entsprach einer neuen Schweizer Bestleistung. Um 8,48 Sekunden blieb die 26-Jährige unter ihrer Bestmarke, aufgestellt vor drei Wochen in Pliezhausen (GER). «Schade, dass es kein Meisterschaftsrennen gab», sagte Schlumpf, fand aber auch Worte der Anerkennung: «Die gefundene Lösung war aber optimal.»

Drittschnellste Europäerin 2016

Mit ihrer Leistung zeigte sich Schlumpf «mehr als zufrieden». Das zu Recht: In Europa sind erst zwei Läuferinnen schneller gestoppt worden in diesem Jahr (6:09,46, Gesa-Felicitas Krause und 6:20,64, Jana Sussmann). Und auch die verpasste Goldmedaille konnte Schlumpf verschmerzen. Sie scherzte: «Nun hänge ich mir eben eine meiner zwölf schon gewonnenen um den Hals.» Als bestandene Bewährungsprobe verbuchen konnte sie ebenso den Umgang mit den neuen Gegebenheiten. Erst zehn Minuten vor dem Start hatte sie davon erfahren, dass sie nur über die Zweidritteldistanz anzutreten hat. (Jörg Greb)

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