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Phrasen auf dem schlingernden Sauber-Schiff

Wie weiter mit dem Hinwiler Sauber-Team? In der aktuellen Krise wäre viel Erklärungsbedarf da. Doch Teamchefin Monisha Kaltenborn macht sich rar. Zu vernehmen sind – nicht zum ersten Mal – nur Durchhalteparolen.

Phrasen auf dem schlingernden Sauber-Schiff

Es sind wahrlich keine leichten Zeiten für das Hinwiler Sauber-Team. Womöglich durchlebt es derzeit sogar die schwerste Krise seiner Geschichte. Das Geld ist knapp, so knapp, dass die Löhne der Mitarbeiter seit Ende Februar nicht mehr pünktlich bezahlt werden konnten. Und die Perspektiven sind nicht gut. In sportlicher Hinsicht, weil Ressourcen für eine Weiterentwicklung des Autos fehlen. In finanzieller Hinsicht, weil Geldgeber fehlen. Es ist ein Teufelskreis.

Die Leidtragenden der Krise sind die 360 Mitarbeiter. Sie leisten angesichts der Umstände Bemerkenswertes; auch an diesem Wochenende, wenn der Grand Prix in Monaco ansteht. Im glamourösen Fürstentum an der Côte d’Azur probiert das ums Überleben kämpfende Team den Anschluss an die Konkurrenz nicht vollends zu verlieren. Dass es Sauber-Pilot Marcus Ericsson in Barcelona auf Platz zwölf schaffte, war ein Achtungserfolg der schwer gebeutelten Equipe.

Ausgerechnet in dieser schwierigen Phase macht sich Teamchefin Monisha Kaltenborn in der Öffentlichkeit rar. An den GP-Wochenenden steht sie seit einigen Rennen nicht mehr an den üblichen Medienrunden des Teams zur Verfügung. Immerhin erschien sie am Donnerstag an der offiziellen Fia-Pressekonferenz – oder besser: musste erscheinen, weil es eine Pflichtveranstaltung ist.

Versprechungen statt Taten

Der Eindruck, dass Kaltenborn nicht mehr Herrin der Lage ist, drängt sich unweigerlich auf. In den vergangenen Wochen und Monaten haben Top-Ingenieure das Team reihenweise verlassen. Und an der Sponsoren-Front, wo es vor allem darum geht, einen Hauptsponsor zu finden, macht Kaltenborn zwar immer wieder Versprechungen, materialisiert hat sich bis heute nichts.

Viele Beobachter stellen sich die Frage, warum Peter Sauber nicht eingreift. Interview-Anfragen werden konsequent abgeblockt mit dem Hinweis, dass er sich vor längerer Zeit aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen hat. Das mag stimmen, jedoch besitzt er immer noch zwei Drittel der Anteile am Unternehmen, und bekleidet immer noch das Amt als Präsident des Verwaltungsrates. Damit steht er auch in der Verantwortung.

Es gab Interessenten

Zwar gab es nach dem Rückkauf des Teams von BMW immer wieder Interessenten, doch führten all diese Gespräche zu nichts. Ein Grund dafür soll angeblich unter anderem die Bedingung gewesen sein, dass Monisha Kaltenborn ihren Chefsessel behalten kann. Bekanntester Interessent war der kanadische Milliardär Lawrence Stroll, ein Auto-Enthusiast und Ferrari-Sammler, dessen Sohn Lance in Zukunft in der Formel 1 fahren soll.

Der Sauber-Rennstall wirkt derzeit wie ein Schiff, das in einem schweren Sturm von einer Welle zur andern geworfen wird. Die Kommando-Brücke ist leer, und niemand weiss, wie man diesem Sturm trotzen soll. Von einer langfristigen Strategie ist nichts zu sehen. Drei Beispiele aus den letzten drei Jahren illustrieren dies (siehe Bildstrecke).

Am Pflichttermin in Monaco sagt Kaltenborn: «Ich bin zuversichtlich, dass wir die Probleme bald lösen können.» Es sind Sätze, die nicht zum ersten Mal fallen und sich bisher stets als leere Phrasen entpuppten.

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