Meisterjubel bei den Dürnten Vikings
Die kleine Uhr an der einen Stirnseite der Eishalle Grüsch geht eine Stunde voraus. Von Sommerzeit aber ist in der schmucklosen Halle nichts zu spüren. Die Temperatur ist so tief, dass man sich in irgendwo in Sibirien wähnt. Doch die Kälte ist nicht der einzige Grund, weshalb die zahlreichen Dürntner Fans am Dienstagabend, 22. März 2016, bibbern müssen.
Das vierte Finalspiel zwischen dem HC Prättigau-Herrschaft und den Dürnten Vikings ist hart umkämpft. Mit einer 2:1-Führung biegt der Oberländer Zweitligist in die Schlussminute ein. Eineinhalb Hände hat er damit schon am «Pott». Doch die Sekunden wollen nur langsam verrinnen. Und die Prättigauer drängen mit letzter Kraft auf den Ausgleich.
1,4 Sekunden vor Schluss gibt es ein letztes Bully in der Zone der Dürntner. Es sind die schönsten Sekunden der Saison für die Vikings, denn sie wissen: Es ist vollbracht. Sie haben ihren Titel als Regionalmeister Ostschweiz verteidigt. Mit der Schlusssirene entledigen sich die Spieler jubelnd ihrer Stöcke und Handschuhe, die durch die Luft segeln. Der Dürntner Trainerstaff fällt sich derweil hinter der Bank in die Arme.
Das Bier lässt auf sich warten
Schon bevor die Mannschaft den Pokal in die Höhe stemmen kann, ziehen einige an einer stinkenden Siegerzigarre. Auch Betreuer Rolf Krauer umgibt eine kleine Nebelwand. «Aber das Bier fehlt noch. Das ist ein Skandal», sagt er mit einem breiten Grinsen im Gesicht und erklärt, es müsse eben erst aus dem Car herangeschleppt werden.
Das hat seinen Grund: Die Wörter «Pott», Titel, Pokal und Bier seien im Vorfeld der Partie verboten gewesen, erzählt Trainer Rico Schaffer, während das Team mit den Fans die Welle macht. Schnell ist der Gerstensaft dann aber hergeschafft.
Schaffer hat im Trubel auch gleich eine Bierdusche abgekriegt. Aber das ist ihm egal. Der Vikings-Coach ist einfach nur stolz auf die Mannschaft, die er zusammen mit Claudio Petrini führt. «Es ist das geilste Team der Welt», sagt er und erinnert daran, dass die Vikings einen schwierigen Saisonstart gehabt hätten. «Doch wir fanden zurück, weil die Mannschaft hart dafür gearbeitet hat
Idealer Playoff-Verlauf
In den Playoffs setzen die Dürntner dann zur grossen Kür an. Zwölf von 13 Spielen gewinnt die Mannschaft. Ihre Trümpfe dabei: Sie ist eingespielt, verfügt über viel Playoff-Erfahrung und der Zusammenhalt im Team ist aussergewöhnlich gross. Der Kern der Equipe ist seit Jahren unverändert. 12 Spieler standen mit den Vikings schon 2012 im Final gegen Seewen. Vom letztjährigen Team sind noch immer 17 Spieler mit dabei.
Das letzte Wegstück zum erneuten Titelgewinn ist ein steiniges. Zwei Drittel lang kann sich gestern kein Team einen wirklichen Vorteil erarbeiten. Es ist deswegen auch kein Zufall, dass die zwei Tore jeweils in Überzahl fallen. Die Prättigauer legen wie in den letzten drei Spielen vor, 22 Sekunden vor der ersten Pause gelingt den Gästen das 1:1.
Ein Konter ins Glück
Die Dürntner sind im dritten Abschnitt dann jedoch vorwiegend mit Abwehrarbeiten beschäftigt. Doch der starke Goalie Fabian Ryffel meistert alle Situationen. Neun Minuten vor Schluss gelingt Diego Ardizzone nach einem Konter das entscheidende Tor zum 2:1. Zwei Tage lang ist er zuletzt krank gewesen. «Es ist Hammer geil, dass mir ausgerechnet das wichtigste Tor der Playoffs gelungen ist.»
Dann stürzt auch er sich wieder in die Feierlichkeiten, die eine Stunde nach Spielschluss noch immer auf dem Eis statt finden. Von der Kälte in Grüsch spüren die euphorisierten Spieler und auch die mitfeiernden Fans längst nichts mehr.

