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Gesellschaft

Spitalpark soll auch von Ustermer Bevölkerung genutzt werden

Im März 2020 begann die Bauzeit für den neuen Park und das neue Parkhaus beim Spital Uster. Jetzt wurden die Bauwerke in einer kleinen Zeremonie eröffnet und der Ustermer Bevölkerung übergeben.

Ein naturnaher Park beim Spital Uster: Dieser wurde am Dienstag eröffnet., Spitaldirektor Andreas Greulich zerschnitt symbolisch ein rotes Band und eröffnete den neuen Park beim Spital., Durch diesen ziehen sich lange geschwungene Wege., Unter dem Park ist das neue Parkhaus des Spitals, welches über 317 Parkplätze verfügt.

Foto: Erik Hasselberg

Spitalpark soll auch von Ustermer Bevölkerung genutzt werden

Es ist kurz vor Mittag, die Sonne steht steil über dem Spital Uster und brennt auf den frisch geteerten Asphalt. Andreas Greulich hält eine Schere in der Hand. Mit einem kurzen Schnitt hat der Direktor des Spitals Uster das rote Band durchtrennt, das zwischen zwei jungen Bäumen gespannt ist.

Nach rund zwei Jahren Bauzeit sind der neue Spitalpark und das sich darunter befindende Parkhaus eröffnet. Von den Anwesenden und Angestellten des Spitals, die der kleinen Zeremonie an diesem Dienstag beiwohnen, kommt Applaus.

Positive News

«Wir konnten in letzter Zeit nicht so viele Feste feiern», sagte der Spitaldirektor in die Runde. Und spricht damit auf verschiedene Umstände an, die das Haus in den letzten Monaten in die Schlagzeilen brachten: Einerseits die nur befristet erteilten Leistungsaufträge der Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich im Rahmen der Bekanntgabe der provisorischen Spitalliste 2023, andererseits das Kippen des Gestaltungsplans «Vrenelisgärteli» durch das Bundesgericht, wodurch das Spital seine Ausbaupläne begraben musste.

Deshalb würden jetzt nur noch positive Sachen vermeldet. «Der neue Park ist ein schönes Schmuckstück geworden, ein erster Wegweiser für die Zukunft und die positiven Dinge, die noch folgen werden», erklärte Greulich den Anwesenden.

Kritik über gefällte Bäume

Für Kritik bei Anwohnenden hatte im Vorfeld des Projekts gesorgt, dass zwei alte Bäume im vormaligen Park gefällt werden mussten: eine Kaukasus-Fichte sowie eine eher seltene Algier-Tanne. Die beiden über hundertjährigen Bäume mussten für die Ausbaupläne weichen.

«Das Spital Uster hat die aktuelle Situation ausgenutzt»

24.03.2020

Kritik nach «geheimer» Baumfällung

Im Park des Spitals Uster sind zwei grosse Bäume gefällt worden. Beitrag in Merkliste speichern «Ein Verlust», betonte damals auch Sandra Ryffel-Künzler, «wie alles Lebendige, das verloren geht». Die Ustermer Landschaftsarchitektin zeichnete für die Gestaltung und Konzeption des neuen Parks verantwortlich. Gemeinsam mit ihrem Mann führt sei ein Büro für Garten- und Landschaftsarchitektur sowie eine Gärtnerei in unmittelbarer Nachbarschaft des Spitals. Bereits seit 1863 existiert der Familienbetrieb.

Historischen Kontext gewichten

Als Landschaftsarchitektin sei es auch ihre Aufgabe, sich mit Geschichte und Kontext eines Projekts zu befassen – auch dem Spital Uster, dessen erster Bau 1889 beim noch heutigen Standort errichtet wurde. In historischen Dokumenten heisst es:

«Draussen an der Peripherie unseres aufblühenden Usters, auf einem sonnigen Plateau, abseits von lärmenden Getriebe einer industriellen Ortschaft und doch leicht und bequem erreichbar, steht nun – weithin sichtbar und sofort in die Augen fallend – unser in monumentalem Styl, aber in einfacher, massvollen Formen gehaltener Bau, schon in seiner äussern Form eine Zierde, nach seiner Bedeutung aber ein ehrendes Denkmal für die ganze Gemeinde.»

«Das können wir so beinahe noch eins zu eins sagen», schildert Ryffel. Und sie erzählt, wie es sie berührt habe, als man bei Bauarbeiten für den neuen Park auf alte Kellerplatten stiess.

Von alten Dingen und Bäumen ist im Park indes nichts mehr zu sehen.Geschwungene, lange Wege führen hindurch, naturnahe Wiesen und begehbare Rasenflächen wechseln sich ab, natürliche Wildstaudenpflanzungen unterstreichen den naturhaften Charakter der Anlage, die Ryffel noch «etwas struppig» nennt.

Parkbau eine Herausforderung

«Es braucht viel Zeit, Geduld und Phantasie, bis wir sehen, was hier entsteht», so die Landschaftsarchitektin. «Pflanzen wachsen nicht nach Fahrplan und momentan macht es die Hitze auch einfach schwer.» Es werde wohl noch mindestens zehn Jahre dauern, bis die gepflanzten Rotbuchen, Eichen, Linden und Föhren ihre prägende Struktur ausbildeten und spürbar seien.

«Die Bepflanzung des Parks war vor allem in statischer Hinsicht eine Herausforderung.»
Sandra Ryffel-Künzler, Landschaftsarchitektin

Als besonders herausfordernd sei für die Anlage des Parks gewesen, dass dieser über keinen direkten Bodenanschluss verfüge. «Unten liegt das Parkhaus mit seinen drei Ebenen.» So sei die Bepflanzung vor allem in statischer Hinsicht eine Herausforderung gewesen. Grosse Bäume durften nur an bestimmten Stellen über den tragenden Stützen des Parkhauses gepflanzt werden. Auch bei der Bewirtschaftung muss auf spezielle Wassergaben geachtet werden.

Neben den langen Spazierwegen, die der Erholung dienen, gibt es in den Augen der zuständigen Architektin weitere wichtige Orte in der Anlage, die rund ein Drittel grösser ist als vor dem Bau. Einerseits den Teich, der als natürlicher Kühlkörper diene, biete die noch nicht überdachte Pergola als Grenze des Parks auch einen durch räumliche Distanz losgelösten Aufenthaltsraum für die Angestellten des Spitals. «Ich hoffe, dass dieser dann auch genutzt wird.» Überhaupt ist ihr wichtig, dass der Park als öffentlich städtischer Raum begriffen und genutzt wird.

Endlich wieder Luft

Rege genutzt werden an diesem Dienstag bereits die neuen Sitzgelegenheiten des Spitalsrestaurants unter weiss aufgespannten Sonnenschirmen.

«Heute ist es nach der über zweijährigen Bauphase tatsächlich das erste Mal, dass wir als Spitalmitarbeitende wieder draussen sitzen und auf der neuen Terasse essen können», sagt Ludwig Schmid. Der Betriebsprojektleiter erklärt, dass sich die groben Erstellungskosten für den öffentlichen Park, der das Spital mit dem Pflegezentrum «Im Grund» und dem «Wagerenhof» verbindet, auf rund drei Millionen Franken belaufen.

Denn noch sind der Park und das Parkhaus nicht abgeschlossen. Bis im nächsten Jahr sollen beide erweitert werden.

317 Parkplätze

Bis dahin bietet das neue Parkhaus mit Eingang an der Feldhofstrasse Platz für 317 Autos (99 Besucherparkplätze, 218 für Angestellte auf zwei Geschossen), 148 Velos sowie 25 Motorräder und Roller. Die Ausfahrt des Parkhauses wurde bewusst so angelegt, dass der Verkehrsfluss in Richtung Brunnenstrasse gelenkt wird. Damit könne eine Verkehrsbelastung der Feldhofstrasse vermieden werden.

Geht es nach den Verantwortlichen, sollen die Bedürfnisse der rund 1300 Mitarbeitenden berücksichtigt werden. «Mit unserem Mobilitätskonzept wollen wir die Spitalmitarbeitenden dazu motivieren, eher mit dem ÖV oder dem Velo anzureisen. Deshalb werden bei der Parkplatzvergabe Mitarbeitende mit einem weiteren Anreiseweg bevorzugt.» Noch sind viele Parkplätze frei.

Noch frei ist auch die Einstellhalle des neuen Gebäudes für den Rettungsdienst. Dieser wird erst Mitte August an den neuen Standort ziehen. Und so sind auch im Inneren des Gebäudes, sowohl in der Halle als auch den Büro- und Pikett-Räumlichkeiten die Arbeiten in vollem Gange.

Nachhaltigkeit ist ein Thema

Auffällig sowohl beim Parkhaus als auch dem Gebäude des Rettungsdienst und der neuen Energiezentrale des Wärmeverbunds Uster Nord, die mit rund 16 und 8 Millionen Franken Entstehungskosten zu Buche stehen, ist der hohe verbaute Betonanteil.

«Seit den ersten Planungen im 2012 haben sich viele Themen rund um Energie und Gebäudeeffizienz verändert.»
Ludwig Schmid, Leiter Bauen & Prozesse Spital Uster

Dass Ludwig Schmid sich den Themen Nachhaltigkeit und Umwelt bewusst ist, zeigt sich auf dem Rundgang durch die Gebäude: «Seit den ersten Planungen im 2012 haben sich viele Themen rund um Energie und Gebäudeeffizienz verändert. Diese Entwicklungen nehmen wir auf, stimmen diese mit den anderen Liegenschaften auf dem Spitalgelände ab und setzen sie schrittweise um. »

Und noch etwas schwebt ihm vor, als er den neuen Velo-Abstellraum betritt und auf zwei grosse Abluftventilatoren zeigt: «Ich würde hier gerne die warme Luft nutzen, um im Herbst und Winter die nasse Velo-Kleidung der Mitarbeitenden ohne zusätzlichen Energieaufwand trocknen zu lassen.»

Tag der offenen Tür 
Am Samstag, 27. August, findet von 10 bis 18 Uhr ein Tag der offenen Tür beim Spital Uster statt. Besichtigt werden können der Neubau des Rettungsdienst, das Parkhaus und die Energiezentrale. Neben einer Tombola gibt es verschiedene weitere Attraktionen. (erh)

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