So will die Stadt Wetzikon das Pflegezentrum Wildbach finanziell sanieren
Massnahmen und Visionen
Das Wetziker Pflegezentrum Wildbach ist in finanzielle Schieflage geraten. Eine neue Strategie soll die Institution möglichst rasch wieder gesunden lassen.
Das Pflegezentrum Wildbach ist für die ältere Bevölkerung von Wetzikon eine wichtige Institution. Es ist aber auch ein Sorgenkind der Stadt. 1,8 Millionen Franken Verlust schrieb das Wildbach 2024. Die Stadt musste das Defizit auffangen. Gehen musste dann im Februar auch die bisherige Zentrumsleitung. Die interimistische Leitung hat seither mehrfach gewechselt.
In der Parlamentssitzung Anfang September forderte darum ein breit von links bis rechts abgestütztes Postulat eine neue Strategie des Stadtrats. Er sollte darlegen, wie das Pflegezentrum finanziell wieder auf stabile Beine kommen kann – und zwar schnell.
Denn eine finanzielle Gesundung ist dringlich, da das Pflegezentrum schon in wenigen Jahren die Bedingungen für die Aufnahme auf die kantonale Pflegeheimliste erfüllen muss. Nur Institutionen, die es auf diese Liste schaffen, dürfen künftig Pflegeleistungen zulasten der Grundversicherung abrechnen.
Veränderte Ansprüche an die Pflege
Anfang Oktober hat die Stadt nun geliefert und die Strategie 2026 bis 2029 für das Pflegezentrum Wildbach verabschiedet. Sie sei auf die Zukunft ausgerichtet, ausgewogen und nehme Entwicklungen für eine integrierte und bedarfsgerechte Versorgung auf, heisst es unter anderem in einer Mitteilung.
Gemeint sind damit die Veränderungen und neuen Ansprüche in der Pflege. «Aufenthalte in Pflegeheimen sind oft kürzer und zeitlich begrenzter, zeitgleich steigt die Pflegebedürftigkeit der Bewohnenden», schreibt die Stadt. Einhergehend sei ein steigendes Bedürfnis an Qualität und Flexibilität.
Doch auch die strengeren Anforderungen durch die Pflegeheimliste flossen in die Ausarbeitung der Strategie ein. Die Liste wird voraussichtlich Anfang 2027 ausgeschrieben.
Überprüfung der Gebäude
Mit der neuen Strategie will der Stadtrat all diese Ziele erreichen. Es erfolge eine nachhaltige Transformation in «ein modernes, bedarfsgerechtes, wettbewerbsfähiges und selbsttragendes Pflegezentrum», heisst es. Massnahmen sind dabei vor allem in vier zentralen Handlungsfeldern geplant. Diese umfassen die personellen Ressourcen, die Entwicklung der Kern- und Nebenleistungen sowie die Infrastruktur.
Künftig soll das Pflegezentrum wieder von einer nachhaltigen Führung geleitet werden. Der Fokus liege zudem auf der «Einführung von Instrumenten für eine verstärkte betriebswirtschaftliche Steuerung». Synergien innerhalb der Stadtverwaltung würden ebenfalls geprüft. Die Idee einer gemeinnützigen Aktiengesellschaft hat der Stadtrat verworfen.
Investieren will die Stadt gleichzeitig in die Gebäude. Eine Analyse soll aber zuerst Aufschluss über den Zustand der Infrastruktur geben. Klar ist schon, dass bei der Liegenschaft Buche eine Umnutzung geprüft wird. Die Pflegezimmer seien in einem so schlechten Zustand, dass ein Weiterbetrieb mittelfristig nicht mehr möglich sei.
Vom Pflegeausbau zum Gesundheitscampus
Bei den Kernleistungen setzt die Stadt auf eine Stärkung der Akut- und Übergangspflege, gleichzeitig bleibt aber das bewährte Langzeitangebot erhalten. Ergänzend sieht die Strategie die Entwicklung eines Gastrokonzepts vor, das die Essensversorgung von Bewohnenden, Restaurantgästen, Mitarbeitenden und von externen Partnern abdeckt.
Gross denkt die Stadt bei den Nebenleistungen. Ihr schwebt langfristig die Vision eines Gesundheitscampus vor. Pflegeangebote, Alterswohnen und ergänzende Dienstleistungen sollen damit enger verzahnt werden. Die Vision bilde den Rahmen für neue Konzepte wie betreutes Wohnen, Entlastungsangebote für Angehörige oder die Ansiedlung von Gesundheitsdienstleistern. Zudem strebt die Stadt eine Zusammenarbeit mit der benachbarten Genossenschaft Alterssiedlung Wetzikon an.
Aufnahme auf die Pflegeheimliste
Die Umsetzung der Strategie erfolgt gestaffelt. Bereits kurzfristig werde die Akut- und Übergangspflege gestärkt, und auch das Gastroangebot und die Überprüfung der Gebäude würden angegangen. Die Vision Gesundheitscampus sei ein langfristiges Ziel.
Wie dem Stadtratsbeschluss zu entnehmen ist, rechnet die Stadt zwar in den kommenden zwei Jahren noch mit Mehraufwänden durch die neue Strategie – insbesondere durch die Investitionen in den Ausbau der Pflege und der Gastronomie. Für die Jahre 2028 und 2029 sind dann aber Mehrerträge von insgesamt 500’000 Franken vorgesehen.
Der Stadtrat geht davon aus, dass mit den erarbeiteten Massnahmen auch das mittelfristige Ziel, die Aufnahme auf die kantonale Pflegeheimliste, erreicht wird.