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So viel Wolfensberger steckt noch in der Baumer Giesserei

Zukunft braucht Herkunft: So viel Familiengeschichte steckt immer noch in der Baumer Giesserei.

Die Giesserei Wolfensberger hat in den letzten Jahren zwei Eigentümerwechsel hinter sich. Trotzdem hat die Firma viele treue Mitarbeiter. (Archiv)

Foto: Mano Reichling

So viel Wolfensberger steckt noch in der Baumer Giesserei

Wolfensberger AG in neuen Händen

Die Giesserei Wolfensberger in Bauma blickt auf eine lange Geschichte zurück. Mit Qualitätsprodukten will der neue Eigentümer den Weg in die Zukunft ebnen.

Seit 99 Jahren gibt es die Giesserei Wolfensberger in Bauma. Diese produziert hochpräzise Gussteile nach Kundenwunsch, beispielsweise für Lastwagenbremsen oder für Turbolader grosser Schiffsdieselmotoren.

Bis Ende 2017 war sie im Besitz der Familie von Gründer Jakob Wolfensberger. Und wenn man Inhaber und CEO André Masuhr fragt, steckt immer noch viel Wolfensberger in der Firma, nicht nur im Namen.


> > Jakob Wolfensberger war ein Patron in jeder Hinsicht


«Wir haben immer noch viele Kundenbeziehungen, die von der Familie aufgebaut wurden», sagt er. Und nicht nur das, auch die Herstellverfahren für die Gussteile lassen bis heute auf die ehemaligen Eigentümer schliessen.

«Mit unserem keramischen Verfahren können wir Stahl- und Eisenteile dank Keramikformen sehr präzise und mit einer schönen Oberfläche herstellen», erklärt er. Das Verfahren wurde unter der neuen Führung weiterentwickelt.

Für André Masuhr ist das ein gutes Beispiel für die langjährige Geschichte der Firma und das grosse Know-how: «Darauf sind wir sehr stolz.»

Konstanz trotz Wechsel

Der Deutsche ist seit Mitte 2019 für die Wolfensberger AG tätig. Zuerst war er Geschäftsführer, eine Position, die er von Markus Schmidhauser übernahm. Von 1988 bis 2019 leitete der Enkel von Firmengründer Jakob Wolfensberger die Geschicke der Giesserei.

Kurzzeitig, von Anfang 2018 bis zur Übernahme durch Masuhr, gehörte die Giesserei der deutschen Investmentgesellschaft Fidelium Partners. 2021 erwarb Masuhr dann die gesamten Anteile an der Firma. «Sie ist also wieder im Besitz einer neuen Familie», sagt er.

Man sieht einen Mann mit Hemd.
André Masuhr ist CEO und Eigentümer der Wolfensberger AG.

Während die Eigentumsverhältnisse in den vergangenen Jahren mehrmals änderten, gibt es trotz allem viel Konstanz in der Firma.

«Wir können auf unsere Mitarbeiter zählen, die arbeiten teils seit über 40 Jahren für die Wolfensberger AG», sagt der CEO nicht ohne Stolz. Die Erfahrung sei wichtig, um qualitativ gute Produkte herzustellen.

Zudem bildet die Firma auch unter neuer Führung weiterhin Lernende zu Polymechanikern, Produktionsmechanikern und Gusstechnologen aus.

Viele Aufträge, mehr Abgase

«Wir beschäftigen etwa 190 Mitarbeitende», sagt Masuhr. «Und sind damit wohl einer der grössten industriellen Arbeitgeber in der Region.»

Wir haben viele neue Aufträge und konnten neue Kunden gewinnen.

André Masuhr

CEO und Eigentümer

Trotzdem ist klar, dass sich sein Unternehmen in einem schwierigen Umfeld bewegt, zumal die Produktion in der Schweiz teurer ist als im Ausland. «Es gibt viel Wettbewerb, wir müssen uns von unserer Konkurrenz abgrenzen.» Und das tut die Firma mit ihren präzisen Gussverfahren.

Im Moment kann Masuhr aber nicht klagen. «Wir haben viele neue Aufträge und konnten neue Kunden gewinnen. Dafür haben wir hart gekämpft.» Seit gut einem Jahr wird wieder im Zweischichtbetrieb gearbeitet und seit Kurzem sogar dreischichtig.

Das ist auch einigen Einwohnern von Bäretswil aufgefallen, die sich über den typischen Giessereigeruch beschwert haben. Diese Gerüche entstehen, wenn flüssiges Eisen und Stahl in mit Giessereiharz-gebundene Sandformen gegossen werden.

Feiern statt Klagen

Die Firma ist jetzt bestrebt, zusammen mit der Gemeinde Bäretswil eine Lösung zu finden, obwohl der Geruch gemäss Masuhr nicht gesundheitsschädlich ist. «Die Messwerte unterschreiten immer deutlich die gesetzlichen Grenzwerte», sagte er kürzlich.

Die Baumerinnen und Baumer scheinen sich hingegen kaum zu stören – auch wenn einige gemäss Kommentaren auf Facebook den Geruch ebenfalls wahrnehmen. Schliesslich ist die Giesserei seit 99 Jahren in ihrer Gemeinde beheimatet.

Im kommenden Sommer will die Firma das 100-Jahr-Jubiläum feiern – zusammen mit der Bevölkerung. Masuhr sagt dazu: «Für uns ist das auch ein Zeichen der Kontinuität am Standort Bauma.»

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