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Nach den ersten Formel-1-Tests

So viel Arbeit hat das Hinwiler Audi-Team noch vor sich

Dieser Start begeistert noch nicht: 1100 Testkilometer fuhr Audi in Barcelona. Die Verantwortlichen bleiben gelassen – doch die nächsten Wochen werden entscheidend.

Gabriel Bortoleto im Audi R26 in Barcelona: Die ersten Tests verliefen für den Hinwiler Rennstall nicht ohne Zwischenfälle.

Foto: Audi Revolut F1 Team

So viel Arbeit hat das Hinwiler Audi-Team noch vor sich

Dieser Start begeistert noch nicht: 1100 Testkilometer fuhr Audi in Barcelona. Die Verantwortlichen bleiben gelassen – doch die nächsten Wochen werden entscheidend.

Das sind die Fakten zum ersten Test

Die fünftägige Testwoche in Barcelona, an der jedes Team drei Tage zur Verfügung hatte, ist vorbei. Offizielle Resultate davon gibt es keine, denn es waren keine Tests, wie man sich das aus anderen Jahren gewohnt ist. Die Teams einigten sich auf die sogenannte Shakedown-Woche. Medien waren dabei nicht zugelassen, es gab keine offiziellen Ranglisten und Zeitentabellen.

Grund dafür sind die umfassenden Regeländerungen, vor allem auch das neue Motorenreglement. Die Rennställe konnten nicht auf Bestehendem aufbauen, sondern konstruierten sowohl Autos als auch Motoren neu. Es ging für sie darum, sich mit dem Material vertraut zu machen, Erfahrung zu sammeln, Kinderkrankheiten zu erkennen – und nicht um möglichst schnelle Runden und den direkten Vergleich mit der Konkurrenz. Kilometer bolzen statt Zeiten jagen, gewissermassen. Von den durchgesickerten Resultaten sind deshalb nicht die reinen Rundenzeiten interessant, sondern der Kilometerumfang.

Für Audi war die Woche ein Steigerungslauf: Am Montag fuhr Gabriel Bortoleto nur wenige Runden, ehe ein technisches Problem auftrat, womit der Tag bereits gelaufen war. Am Mittwoch ging es Nico Hülkenberg mit einem Hydraulikproblem am Vormittag nicht besser, diesmal allerdings konnte das Auto später wieder auf der Strecke. Und am Freitag war das Hinwiler Team dann relativ problemlos unterwegs und bezüglich Kilometer auch gut bei den Leuten.

So schätzen Beobachter den Audi-Auftritt ein

Die Reaktionen sind gemischt. Einerseits herrscht Verständnis dafür, dass Audi weniger Testkilometer abgespult hat als das Gros der Konkurrenz. Denn schliesslich ist es zwar kein völlig neues Team, in Hinwil wird wie bisher ein Chassis hergestellt, aber doch ein neues Werksteam, das selber einen Motor und ein Getriebe konstruiert und baut. Audi hat als Motorenhersteller zwar Rennsporterfahrung, aber noch nicht in der Formel 1. Und muss nun jene Erfahrungen machen, die andere Hersteller schon hinter sich haben. Und: Das Team löste die Probleme und legte am Freitag einen produktiven Tag hin – diese Entwicklung beurteilen viele positiv.

Und doch wird der Hinwiler Auftritt in Barcelona auch als leichte Enttäuschung gewertet. Denn Audi hat eine konservative Herangehensweise gewählt und von Motor und Chassis für diese ersten Tests Versionen gebaut, bei denen eigentlich die Zuverlässigkeit im Vordergrund stand. Das hat offenbar nicht ganz wie gewünscht funktioniert.

Und: Audi ist nicht der einzige neue Motorenhersteller. Auch Red Bull baut erstmals einen eigenen Antriebsstrang – und die damit ausgestatteten Teams Red Bull und Racing Bulls spulten beide deutlich mehr Runden ab als Audi. Der Red-Bull-Motor hat also schon knapp 2900 Kilometer auf dem Buckel, der Audi erst gut 1100. Gerade in der Anfangsphase ist es wichtig, möglichst viele Daten zu sammeln. Da ist Audi also bereits im Hintertreffen. Auch, weil man den Motor nur für das eigene Team baut und (noch) keine Kundenteams beliefert. Mit dem Mercedes-Motor beispielsweise fahren gleich vier Teams, die zusammen knapp 5300 Kilometer zurücklegten. Und das obwohl Williams in Barcelona fehlte.

Immerhin: Ein Motorenhersteller kam auf noch weniger Kilometer. Der Honda-Motor, der nur das Aston-Martin-Team antreibt, absolvierte nur gut 300 Kilometer – knapp eine Renndistanz.

Das sagt das Team

Audi publizierte nach dem Test eine Medienmitteilung mit ausführlichen Aussagen der Teamverantwortlichen. Der Detailreichtum ist naturgemäss nicht sehr hoch – und dass es PR ist, erkennt man gut daran, dass konsequent von Herausforderungen gesprochen wird und nicht von Problemen. Dennoch dürften die hier gekürzt wiedergegebenen Aussagen ein gutes Bild darüber abgeben, wie das Team unterwegs ist:

Mattia Binotto, Leiter des Audi-F1-Projekts: «Es gibt noch viel zu lernen, aber wir verlassen Barcelona mit einem soliden Verständnis für unser neues Auto und unseren neuen Motor und darüber, wie sie auf der Strecke funktionieren. Der erste Tag brachte einige Herausforderungen mit sich, aber Schritt für Schritt gelang es uns, mehr Kilometer zu fahren und wertvolle Daten zu sammeln.» (…) «Wir haben eine lange Liste von Dingen, an denen wir arbeiten müssen, aber das ist positiv: Es zeigt das Engagement und den Fokus des Teams.»

Jonathan Wheatley, Teamchef: «Ich bin sehr zufrieden mit den Fortschritten, die wir als Team gemacht haben. Es ging nicht nur darum, das Auto zu testen, sondern auch unseren gesamten Betrieb an der Rennstrecke. Von der Zuverlässigkeit über die Logistik bis hin zu den Betriebsabläufen und der Boxenausrüstung wurde alles unter die Lupe genommen.» (…) «Wir sind auf einige Herausforderungen gestossen, doch die Art und Weise, wie das Team zusammengearbeitet hat um Lösungen zu finden, war beeindruckend. Dafür sind solche Tests da, um uns selbst zu pushen und stärker zu werden als Team.»

James Key, Technischer Direktor: «Wir wussten, dass es keine reibungslose Woche werden würde – es gab viele Premieren für uns, mit einem brandneuen Auto und Antriebspaket sowie einer umfassenden Zusammenarbeit zwischen Neuburg und Hinwil. Wie erwartet standen wir zu Beginn vor einigen Herausforderungen, was in dieser Phase völlig normal ist. Diese waren alle gut nachvollziehbar und behebbar. Dennoch haben wir im Laufe der Woche klare und kontinuierliche Fortschritte erzielt, und in der zweiten Hälfte des Tests konnten wir produktiver arbeiten und erste aussagekräftige Erkenntnisse gewinnen. Bei diesem Test ging es nie um die Leistung, sondern darum, die Grundlagen zu validieren und sicherzustellen, dass unsere Kernsysteme zuverlässig funktionieren.»

So geht es weiter

Viel Zeit für die Analyse der Erkenntnisse aus Barcelona bleibt nicht. Nächste und übernächste Woche wird wieder «normal» getestet – mit laufenden Kameras und offiziellen Zeitentabellen. Vom 11. bis am 13. Februar und vom 18. bis am 20. Februar drehen die Autos ihre Runden in Bahrain. Vielleicht liefern diese Tests bessere Anhaltspunkte, wie die Hackordnung in der neuen Saison ausgehen könnte. Ernst gilt es dann am 8. März, wenn der erste GP des Jahres in Australien ansteht.

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