So läuft die Suche nach neuen Pächtern für das Sticki Kaffee
Café in Turbenthal
Seit Dezember ist das Sticki Kaffee geschlossen. Noch sind die Nachfolger von Tiziana und Patrick Bernheim nicht auserkoren. Künftig sollen Ausflügler mithelfen, dass Betriebe wie das Café in Turbenthal überleben.
Kaffee aus dem Siebträger, italienische Dolci und Espresso-Bar-Ambiente: Das Sticki Kaffee unter Tiziana und Patrick Bernheim war ein Stück Italien im beschaulichen Turbenthal.
Trotz ausgefeiltem Konzept mussten die beiden Gastro-Neulinge Ende des letzten Jahrs die Reissleine ziehen – zu lange liessen die schwarzen Zahlen auf sich warten.
Seit Mitte Dezember ist das Café unweit des Bahnhofs geschlossen. Weil Bernheims einen fünfjährigen Pachtvertrag unterschrieben haben, sind sie aktuell auf der Suche nach einer Nachfolge. Die Boller Winkler AG, Eigentümerin des Gebäudes, unterstützt das Paar dabei.
Man sei im engen Kontakt mit den bisherigen Pächtern, sagt Geschäftsführer Moritz Boller. «Aktuell liegen uns interessante Angebote vor.» Trotzdem seien neue Bewerbungen willkommen. Bei der Auswahl neuer Pächter macht sich die Vermieterin keinen Zeitdruck. Entscheidend ist für sie, für alle Beteiligten eine gute Lösung zu finden.
Es gibt zudem keinen klaren Anforderungskatalog, den Anwärter erfüllen müssen. In den Worten von Moritz Boller heisst das: «Wir freuen uns über offene, herzliche Gastro-Interessierte, die mit Eigeninitiative und Leidenschaft ein kleines, aber feines Café im Dorfkern von Turbenthal führen möchten.»
Vermieterin bekennt sich zum Café
Für die Vermieterin steht einzig fest: In der «Sticki» soll weiterhin ein Café Platz finden. Wie dieses hinsichtlich Betrieb und Ambiente daherkommt, ist den neuen Pächtern überlassen. «Am liebsten in einem ähnlichen Konzept wie bis anhin, wir sind aber offen für alternative Konzepte», so Boller.
Am wichtigsten sei, dass die Menschen und ihr Vorhaben zum Sticki Kaffee passen würden. Auch ein grösserer Anbieter mit mehreren Filialen ist nicht ausgeschlossen.
Und was, wenn sich kein Pächter findet? Eine andere Nutzung der Fläche, etwa die Umwandlung in Wohnraum – wie beim ehemaligen Café Dreispitz in Wila oder dem «Freihof» in Rikon –, kommt für die Vermieterin nicht infrage.
Man messe einem sozialen Dorfkern hohen Stellenwert bei, erklärt Moritz Boller. «Mit seiner zentralen Lage im Dorf wie auch am Bahnhof Turbenthal betrachten wir ein Café, wie es das ‹Sticki› ist, als wichtigen Treffpunkt und Ort des täglichen Geschehens.»
Mit Tourismus gegen «Tote Zeiten»
Das Phänomen, dass Gastrobetriebe wegen schwankender Gästezahlen den Betrieb einstellen müssen, kennt auch die Standortförderung Zürioberland mit Sitz in Bauma. Laut Mirjam Wüthrich, Leiterin des Geschäftsfelds Tourismus, spielen dabei vor allem Faktoren wie Wetter, Wochentag und Jahreszeit eine Rolle.
Sie will deshalb dafür sorgen, dass die Auslastung einzelner Betriebe gleichmässiger ausfällt. «Also zum Beispiel unter der Woche zu erhöhen», erklärt Wüthrich.
Erreichen will das die Standortförderung mit Angeboten wie der E-Bike-Route «Herzschlaufe 99», die durch das Tösstal führt. Diese richtet sich an eine Zielgruppe, die unter der Woche Zeit für einen Besuch in der Region hat.
Zudem plant sie mit den Tourismusorganisationen aus dem Toggenburg und dem Thurgau ein Angebot, «bei dem es für Familien attraktiv wird, Regentage in der Natur zu verbringen». Auch Seminare und Tagungen will man fördern. Für Wüthrich ist klar: «Von diesen Massnahmen profitieren die Gastronomiebetriebe als Teil der touristischen Dienstleistungskette.»