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Gesellschaft

So geht in Rikon die Sanierung des Sek-Schulhauses über die Bühne

Für einen zweistelligen Millionenbetrag wird das Sek-Schulhaus in Rikon derzeit umgebaut und aufgestockt. Ein Blick hinter die Kulissen des anspruchsvollen Projekts.

Das Oberstufenschulhaus wird derzeit saniert und aufgestockt. Gut sichtbar im Hintergrund: die Schulprovisorien, die bis zur Wiedereröffnung nötig sind.

Foto: Simon Grässle

So geht in Rikon die Sanierung des Sek-Schulhauses über die Bühne

Aufgefrischt und aufgestockt

Während unmittelbar daneben der Schulbetrieb weiterläuft, saniert die Gemeinde das Schulhaus Engelburg und stockt es auf. Ein Besuch auf der Baustelle.

Auf der Suche nach einem geeigneten Vergleich würde man wohl von einer «Operation am offenen Herzen» sprechen, um zu beschreiben, was auf dem Schulareal in Rikon derzeit vor sich geht. Während Schülerinnen und Schüler auf dem Pausenplatz herumturnen, machen sich die Bauarbeiter an einem grossen Operationsfeld mitten auf dem Gelände zu schaffen.

Nachdem das Stimmvolk vergangenen September den entsprechenden Kredit von 14,4 Millionen Franken gutgeheissen hatte, setzten die Arbeiter im Mai das Skalpell an: Sie sanieren das Sekundarschulhaus Engelburg und stocken es um zwei Etagen auf.

Pünktlich zum Start des nächsten Schuljahrs ist der Einzug ins aufgefrischte und erweiterte Gebäude geplant. «Wir sind gut in der Zeit», verrät Robert Kunz, Abteilungsleiter Infrastruktur bei der Gemeinde. «Und das trotz einigen Überraschungen, die so nicht geplant waren.»

Hommage an ursprüngliche Architektur

Bevor der Schulhausbau aus dem Jahr 1968 um einen zweistöckigen Holzelementbau erhöht wird, knöpften sich die Arbeiter den bestehenden Teil vor. Zunächst versetzte ein Abrissbagger das mehrfach umgebaute Schulhaus in den Ursprungszustand.

Das Lehrerzimmer, man baute es in den 1990er Jahren wegen Platzmangel über dem Eingangsbereich an, musste weichen. Es verdeckte die ursprüngliche Glasfront des Gebäudes, die im neu sanierten Schulhaus wieder zur Geltung kommen soll. Die Aufstockung soll man später von aussen nicht erkennen können.

Neben einer Schadstoffsanierung erhält das Schulhaus eine neue Gebäudehülle und ein Upgrade in Sachen Haustechnik, Brand- und Hochwasserschutz. «Hier werden beispielsweise neue Hochwasserschutzfenster eingebaut», sagt Bauleiter Andreas Möckli, als er im Untergeschoss auf die Fenster deutet.

Der Grund, dass Schulhäuser in diesem Bereich als Sonderschutzobjekte gelten, ist: Sie sollten für ein Hochwasserereignis gewappnet sein, das statistisch gesehen alle 300 Jahre stattfindet.

Gemeindesaal wird stabilisiert

Die Lebensader des sanierten Baus ist das neu betonierte Treppenhaus, das sich zusammen mit dem Liftschacht bis auf die Endhöhe von gut 14,5 Metern zieht. «Daran wird im September die Holzkonstruktion angehängt», erklärt Möckli. Es dient vor allem als Ergänzung zu den bestehenden Treppen im Innern des Schulhauses. Und als Fluchtweg.

Der Holzbau wird im «Baukastensystem» auf das bestehende Gebäude gesetzt. Dafür mussten die Arbeiter zunächst das Flachdach abtragen. «Das waren die lärmintensivsten Arbeiten», sagt Robert Kunz, «sie sind zum Glück grösstenteils in die Schulferien gefallen.»

50 Löcher im Dach dienen als Durchlass für die Leitungen. Über dem grossen Gemeindesaal wurden zudem rund 220 Stahllamellen angebracht. Diese verstärken die Decke und verhindern, dass sich diese ob der grossen Last wölbt.

Dabei hatten die Planer des ursprünglichen Schulhauses bereits beim Bau versucht, das Gebäude für eine zukünftige Aufstockung auszurüsten. Die Leitungen verlaufen entlang den Ecken, sodass sie hätten verlängert werden können – in der Theorie.

«Allerdings haben wir andernorts noch weitere Leitungen gefunden», sagt Möckli, «und statisch war das Haus nicht für einen Aufbau ertüchtigt.» Mit ein Grund, weshalb die zwei neuen Geschosse aus Holz bestehen.

Das war aber nicht die einzige Überraschung, die das Gebäude für die Planer bereithielt. So waren bestimmte Dinge, wie etwa eine Vorlesungsbestuhlung in einem Zimmer, massiver gebaut als gedacht, an unerwarteten Stellen lauerten Schadstoffe. «Das ist es, was einen Umbau komplexer macht als einen Neubau», sagt Bauleiter Möckli. «Man kennt die wirklichen Verhältnisse erst, wenn man begonnen hat.»

So lässt sich auch erklären, dass die Arbeiten am Ende nicht erheblich günstiger ausfallen als bei einem Neubau. Das war anfangs nicht so geplant gewesen, hatte man doch zunächst eine Aufstockung bei laufendem Betrieb ins Auge gefasst. Das ist nun nicht der Fall – die Schüler drücken in einem Provisorium die Schulbank. Oder wie es Robert Kunz sagt: «Das Projekt ist mit der Zeit gewachsen und wurde entsprechend komplexer.»

Intaktes bleibt bestehen

Trotzdem spricht laut ihm nach wie vor viel für die aktuelle Lösung – und damit gegen einen Neubau.

Die aktuelle Lösung sei, auch nach heutigem Wissensstand, eine gute Entscheidung gewesen. «Einen Neubau an dieser Stelle zu realisieren, wäre auch herausfordernd.» Wegen des Zeitplans etwa, nicht zuletzt aber auch aus Nachhaltigkeitsgründen.

Die Kombination aus Sanierung und Holzaufbau ist allerdings nicht der einzige Bereich, in dem die Gemeinde auf Nachhaltigkeit achtet. Auf dem Dach wird es eine Solaranlage geben, und im Innern bleibt Intaktes erhalten, etwa die Schrankwände in den alten Schulzimmern oder der Boden im Engelburgsaal.

Nachhaltigkeit auch deshalb, weil auf dem Schulgelände nicht auf Vorrat gebaut wird – wie Robert Kunz betont. «Die neuen Zimmer entsprechen dem erwarteten Schülerwachstum.»

Das Thema Schulraum wird die Gemeinde aber auch weiterhin begleiten. Mittel- bis langfristig dürfte dann Kollbrunn in den Fokus der Schulraumfrage geraten.

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