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Kultur

Mönchaltorfer kaufte Kirche

So geht es André Kellers «Dömli» nach zehn Jahren

Seit 2016 veranstaltet der Mönchaltorfer André Keller in der Kirche in Kappel SG Kulturanläasse. Kritiker gibt es nach wie vor genauso wie das Loch in der Kasse.

Diese Kirche hat der Mönchaltorfer André Keller vor rund zehn Jahren gekauft und umgebaut.

Foto: dömli.ch

So geht es André Kellers «Dömli» nach zehn Jahren

Mönchaltorfer kaufte Kirche

Seit 2016 organisiert der Mönchaltorfer André Keller in der Kirche in Kappel SG Kulturanlässe. Kritiker gibt es nach wie vor – genauso wie das Loch in der Kasse.

Zehn Jahre ist es her, seit André Keller aus Mönchaltorf eine Kirche im sankt-gallischen Kappel gekauft und zu einem Partylokal umgebaut hat. Rote Zahlen, kritische Stimmen aus dem Dorf und Zusatzinvestitionen in die Schallisolation hielten Keller nicht davon ab, das Projekt voranzutreiben – und sich in diesen zehn Jahren einen unverkennbaren Namen in der toggenburgischen Kulturszene zu erschaffen.

Von Comedy zu Musik

Das «Dömli», wie Keller seine Kirche liebevoll nennt, setzte in den Anfangsjahren vorwiegend auf Comedy-Darbietungen. Inzwischen habe man sich mehr in Richtung Musik und Theater verlagert. «Wir haben gemerkt, dass die Konzerte besser besucht sind», sagt Keller, der die im Pharmawesen tätige Frike Group in Mönchaltorf leitet. «Ich finde es gut, dass wir nicht nur auf Comedians setzen, das gibt eine charmante Abwechslung.»

Ein prominentes Beispiel für ein Konzert war die Show der Mundartmusikgruppe Stubete Gäng in der letztjährigen Spielsaison. Bei bekannten Acts sei die Kirche jeweils gut gefüllt, der technische Aufwand sei jedoch auch enorm.

So kam es zum Kauf des «Dömli»

Bereits 1965 fusionierten die beiden Gemeinden Ebnat und Kappel im sankt-gallischen Toggenburg. Da beide Orte eine reformierte Kirche besassen, wurde 2014 entschieden, eines der beiden Gotteshäuser zu entweihen und zu verkaufen. André Keller wurde auf die Kirche aufmerksam, weil er gleich in der Nähe einen der sechs Standorte seiner Firma betreibt. An der nachfolgenden Abstimmung sprach sich eine deutliche Mehrheit der Kirchgemeindemitglieder für den Verkauf der Kirche an Keller aus. Seither ist das «Dömli» vollständig in seiner Hand. (rem)

Am Erscheinungsbild der Kirche selbst hat Keller – neben einigen kleinen Arbeiten – in den letzten zehn Jahren nichts verändert. Vor einigen Jahren musste eine Aussensanierung durchgeführt werden. 2020 hat er das daneben stehende Feuerwehrhäuschen gekauft und zu einer Bar umgebaut. Zudem sind dort seither sanitäre Anlagen aufzufinden, welche das «Dömli» zuvor für jeden Anlass separat mieten musste.

Nicht nur Lob fürs «Dömli»

Auch nach zehn Jahren gibt es im Dorf viele Kritiker des Projekts. Der Unternehmer zeigt sich jedoch zuversichtlich: «Es kommt langsam. Die Leute sind noch etwas zurückhaltend.» Viele hätten das Gefühl, er habe ihnen «ihre» Kirche weggenommen. «Das stimmt so nicht – ich habe ein Konzept für eine Kirche entworfen, die zum Verkauf stand», positioniert sich der CEO der Frike Group.

Erfreulich sei jedoch, dass immer mehr der einst kritischen Stimmen auch lobende Worte für das «Dömli» fänden. Keller erzählt begeistert: «Erfüllend sind diese berührenden Momente, in denen man merkt, wie der Funke zum Publikum überspringt. Es gab schon Leute, die mir nach einer Vorstellung gratuliert haben, obwohl sie ursprünglich gegen das Projekt gestimmt hatten.»

«Es gibt immer Verbesserungspotenzial»

Inzwischen hat sich das «Dömli» zu einem bekannten Ort für Kultur im Toggenburg etabliert. «Es hat einen gewissen Stellenwert, es hat eine gewisse Bekanntheit», erläutert Keller. Das sehe er daran, dass er vermehrt Anfragen von Leuten erhalte, die auf Tournee seien und schon einmal einen Zwischenstopp in seiner Kirche eingelegt hätten. Er erhalte auch immer wieder Auszeichnungen für die Location. «Das freut mich natürlich, und es zeigt, dass die Location schon einen gewissen Spirit hat.»

Ob er den Kauf ein zweites Mal wiederholen würde, darüber ist sich Keller dennoch nicht sicher. Der Aufwand sei schon erheblich. Und: Schwarze Zahlen schreibt das «Dömli» immer noch nicht. Zum Glück könne er das Kulturlokal dank der umsatzstarken Frike Group über Wasser halten. Trotzdem möchte er das Kulturprogramm in der Kirche weiterentwickeln. «Es gibt immer Verbesserungspotenzial», sagt er schmunzelnd.

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