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Beliebter Langlauf-Klassiker

So erlebten vier Teilnehmende aus dem Oberland den Engadin Skimarathon

Tausende laufen jedes Jahr von Maloja nach S-chanf – und nehmen weit mehr als eine Zeit im Ziel mit nach Hause. Ein Quartett aus der Region erzählt von ihrem Rennen.

Der Engadiner ist für viele Langläuferinnen und Langläufer ein Fixpunkt im Kalender.

Foto: Engadin Skimarathon/Keystone (Gian Ehrenzeller)

So erlebten vier Teilnehmende aus dem Oberland den Engadin Skimarathon

Tausende laufen jedes Jahr von Maloja nach S-chanf – und nehmen weit mehr als eine Zeit im Ziel mit nach Hause. Ein Quartett aus der Region erzählt von ihrem Rennen.

Kevin Kuhn (28), Laupen, Radprofi, Marathon-Debütant

«Das wird lustig», sagte Kevin Kuhn vor den 42 km von Maloja nach S-chanf. Auf die Idee zur «Premiere am Engadiner» kam der Veloprofi beim Velofahren mit Kollegen. Sein Sportgerät gewechselt hat er während des Winters selten – «wohl etwa viermal». Sein Vorteil aber: Er war bereits vertraut gewesen mit dieser «Trainingsalternative im Winter». Und jetzt, nach seiner Radquer-Saison, war der Engadiner ein «reizvolles Projekt».

Ein Kollege, der einst Langlaufrennen bestritten hatte, vermittelte dem U23-WM-Zweiten von 2020 eine Schnellbleiche. Und dank seinem Status als Profisportler profitierte er von einem vorderen Startblock. Immer wieder sagte er sich: «Der Spass steht im Vordergrund.» Doch unterwegs «packte es» ihn. Begleitet sah er sich von einer Weisheit vom Radsport: «Das Wichtigste ist, dass das Herz gut pumpt.»

Schneller als erwartet erreichte er das Ziel: Nach 1:52:25 Stunden – und das trotz Staus an den Engpässen. Zusammenfassend sagt Kuhn: «Ich bin sehr happy, wäre aber immer wieder gerne etwas schneller gelaufen.» Und: «Der Start nach einer dreiwöchigen Trainingspause war nicht ideal, aber auch nicht tragisch.» Kuhns nächste Fixpunkte lassen noch etwas auf sich warten: die Gravel-Saison im Sommer. Erst Anfang Herbst rückt das Querfahren wieder spezifisch ins Zentrum.

Annik Brändle (26), Wetzikon, Sozialarbeiterin, Marathon-Rückkehrerin

Bereits zum zweiten Mal bestritt Annik Brändle aus Wetzikon den Engadin Skimarathon. Dies, obwohl sie die Premiere vor drei Jahren lange hatte verarbeiten müssen. Damals beschloss sie beim Langlaufen in den Ferien im Engadin, zusammen mit ihrem Bruder beim Klassiker anzutreten. Eine zwiespältige Idee. Die Loipen brachen immer mehr ein. «Es war ein elender Kampf», so Brändle, «ab Pontresina konnte ich im Sulz nicht mehr von Langlaufen reden.»

Jetzt versuchte sie «das Trauma» ad acta zu legen. Wieder mit dem Bruder und weiteren Kolleginnen und Kollegen fuhr sie ins Engadin. Und das Vorhaben gelang der Sozialarbeiterin und «Genusssportlerin», der das Kompetitive mehr oder weniger abgeht. Sie, wie alle andern Teilnehmenden, profitierte von exzellenten Bedingungen. Souverän erreichte sie ihr zeitliches Ziel: die Ziellinie der 42 km vor der Flower Zeremonie der Besten um 11.30 Uhr erreichen. Mit der starken Zeit von 2:17:16 Stunden glückte ihr das ganz deutlich. Ihre Erklärung: «Prima Schnee, kein Gegenwind und schnelle Ski, obwohl entgegen den offiziellen Wachstipps gewachst.» Da war auch ein einkalkulierter Nachteil schnell vergessen: die Höhenlage und die dünne Luft. Und definitiv überwunden hat die Tourenleiterin Sportklettern im SAC Pfannenstiel alles Negative im Zusammenhang mit dem Engadiner.

Andy Jehle (59), Wila, Elektromonteur, Marathon-Routinier

Bereits seinen 35. Engadin Skimarathon lief Andy Jehle. «Langlauf ist seit ich zwölf bin einer meiner Lieblingssportarten», sagt der 59-Jährige. Seinem Anspruch – gut laufen – wurde der Wilemer plus/minus gerecht: «Ich bin zufrieden, dass ich den Marathon gelaufen bin und ihn geschafft habe», sagte er. Das war für ihn keine Selbstverständlichkeit. Er sagt: «Die kontinuierliche Vorbereitung litt – zu viel anderes.» Neben dem Beruf war er auch im Sport gefordert: als Oberturner der Männerriege Rikon und der Vorbereitung des Eidgenössischen Turnfests. Die Konsequenz: «Zeit für mich und meine eigenen Trainings fehlte.»

Eine Wiederholung des «Schreckenszenarios und des Abbrechens bereits nach dem Halbmarathon», wie bisher einmal vorgekommen, gab es aber nicht. Nach 2:42:44 Stunden erreichte Jehle das Ziel. Seine Erfahrung kam ihm zugute. Trotzdem, auch an ihm gehen die Jahre nicht spurlos vorbei. Zu einem wenig aufbauenden Schluss kommt er deshalb: «Auch wenn ich nicht mehr nach 1:46 Stunden im Ziel bin, weniger anstrengend wirds nicht.» Darum sein fix gefasster Vorsatz: «Zukünftig trainiere ich wieder mehr. Und klar ist: Der Engadiner bleibt ein Fixpunkt Ende Winter – mindestens bis zur 40. Teilnahme. Dann findet er Aufnahme in die begehrte Liste der «Giubilers», all jener mit 40 und mehr Engadinern.

Sinja Sennhauser (20), Gibswil, ETH-Studentin der Umweltingenieurwissenschaften, Langlauf-Novizin, Halbmarathon-Einsteigerin

Mit dem Halbmarathon begnügte sich die Jüngste unter den vier auserwählten Oberländern, Sinja Sennhauser. Das ist nicht nur aufgrund ihres Alters erklärt. Vielmehr sagt die Gibswilerin: «Ich bin nicht besonders sportlich.» Ihre Herzensangelegenheit ist die Musik. Beim Jugendsinfonieorchester Crescendo spielt sie nicht nur mit, sondern gehört auch dem Vorstand an. Und wie kam es unter dieser Vorgabe zur Anmeldung und Teilnahme? «Eigentlich ists ein Witz», sagt sie.

Ein Kollege meinte, er würde sie begleiten. Sie sagte zu. Das Duo organisierte, dass sie im selben Startblock, dem letzten, antreten konnten. Und das Erlebnis war gewaltig. «Bei der Fahrt an den Start mit dem Bus sahen wir die Elite und mit welch rasantem Tempo die unterwegs waren.» Nicht nur die «unzählig vielen, vor dem Start extrem gestressten Leute» machten Eindruck. Als es losging faszinierte die Szenerie weiter: mit den Kostümierten, der fantastischen Ambiance, den vielen Begeisterten, den Kindern, die Bananen verteilten.

Im Nu verflog die Zeit. Nach 2:03:51 Stunden erreichte Sinja Sennhauser das Ziel des Halbmarathons in Pontresina. Und auf der Rückfahrt ins Unterland wirkte die Begeisterung nach: Sogleich meldete sie sich mit dem Kollegen für den nächsten Engadin Skimarathon an – dann aber über den ganzen Marathon bis S-chanf.

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