Siri Wigger ist zurück – mit einem riesigen Lachen im Gesicht
Gibswiler Langläuferin
Zwei Jahre musste Siri Wigger pausieren – das ist eine sportliche Ewigkeit. Jetzt scheint die Leidenszeit der
21-Jährigen vorbei, sie läuft wieder Rennen.
Im Jahr 2020 ist Siri Wigger bei der Wahl zum «Best Talent Sport» nominiert. Die Konkurrenz der damals 17-jährigen Langläuferin aus Gibswil? Tennisspieler Dominic Stricker und Leichtathlet Simon Ehammer.
Beide haben in der Zwischenzeit international für Furore gesorgt, während Wigger aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwunden ist. Stricker stösst beispielsweise 2023 an den US Open in die Achtelfinals vor, Ehammer sammelt EM- und WM-Medaillen.
Sein jüngster Erfolg: Er gewinnt am Samstag an der Hallen-EM Silber im Siebenkampf. Gleichentags klassiert sich Siri Wigger am Continental Cup im slowenischen Planica über 10 km Freistil auf Rang 22. Elf Läuferinnen lässt die mittlerweile 21-Jährige im Rennen der zweithöchsten Stufe hinter sich, auf die französische Siegerin verliert sie über eine Minute.
Relevant ist das Resultat für Wigger indes nicht. Etwas ganz anderes zählt für die Oberländerin – dass sie überhaupt wieder starten kann.
Mitte Februar hat die junge Langläuferin mit dem grossen Potenzial ihr Comeback gefeiert, nach einer fast zwei Jahre langen Zwangspause. Zwei Jahre – das ist eine sportliche Ewigkeit. Man kann Wigger darum gut nachfühlen, wie sehr sie dieses Comeback herbeigesehnt hat.
«Es war megacool. Ich stand wirklich mit einem riesigen Lachen am Start», sagt Wigger. Und macht keinen Hehl daraus: «Es wäre schlimm gewesen, diese Saison nicht laufen zu können.»
Die üblichen Symptome
Die je dreifache Medaillengewinnerin an den Olympischen Jugendspielen 2020 und der Junioren-WM hat eine schier unglaubliche Leidenszeit hinter sich. Wigger ist immer wieder von gesundheitlichen Problemen gestoppt worden.
Die letzte Saison lässt sie vorsorglich komplett aus. In der Hoffnung, dem Hamsterrad entkommen zu können, und mit der Absicht, einen langfristigen Trainingsaufbau zu machen. Ihr Ziel ist, gegen Ende 2024 wieder Rennen zu laufen.

Doch die Tochter der ehemaligen Spitzenlangläufer Sylvia Honegger und Jeremias Wigger erleidet einen weiteren Rückschlag. Mit Symptomen, die sie zur Genüge kennt: Kopfweh, Halsweh, Schlappheit.
Sie fällt einen Monat aus, gibt sich nach der Genesung aber extra zusätzlich Zeit, ehe sie wieder ins Training einsteigt. Die Rückkehr in den Wettkampfzirkus verschiebt sich dadurch deutlich nach hinten.
«Im Nachhinein betrachtet war das eine super Entscheidung», ist Wigger überzeugt. «Jetzt geht es mir tipptopp.» Was sie zuversichtlich stimmt: Wigger hat nun einige Wettkämpfe bestritten, ohne danach krank geworden zu sein. Sie sagt: «Für mich ist das das Wichtigste.»
Sie änderte die Sichtweise
Betrachtet man Wiggers Leidensgeschichte, fragt man sich unweigerlich: Was hat sie in all den bitteren Momenten angetrieben? Wie hat sie es geschafft, nicht einfach den Bettel hinzuschmeissen, zermürbt von den Rückschlägen?
Die in einer WG in Davos lebende Langläuferin bleibt kurz still. «Das überlege ich mir manchmal auch», gibt sie zu, um dann mit fester Stimme zu sagen: «Aber dieser Sport gibt mir einfach so viel.»
Dass sie die Zuversicht nie verlor, ordnet Wigger auch ihrer veränderten Einstellung zu. Sie schaut nicht mehr zurück, sondern nach vorne. «Ich probiere, mich daran festzuhalten, wie cool es ist, dass ich überhaupt wieder laufen kann», sagt die 21-Jährige. Und sie muss sich selber ab und zu wieder bewusst werden: «Ich bin noch so jung und habe noch so viel Zeit.»
Läuft alles nach Plan, bestreitet Wigger bis Ende März weitere Rennen, dann beendet sie die Wettkampfsaison. Die Resultate bleiben vorerst zweitrangig. Sportliche Wunder sind von ihr keine zu erwarten.
Wigger hat bisher noch keine hochintensiven Trainings absolviert, der Punch fehlt ihr. Für die C-Kader-Athletin geht es jetzt primär darum, möglichst konstante Wettkämpfe zu laufen, sich wieder langsam ans Niveau heranzutasten.
Dabei muss sie aufpassen, sich nicht zu übernehmen. Das fällt Wigger nicht allzu schwer. Der Grund ist für sie naheliegend. Sie sagt: «Ich habe meinen Körper in den letzten Jahren sehr gut kennengelernt.»
Wigger hat derweil realisiert: «Ich darf mich nicht mit mir selber vergleichen, also so, wie ich vor ein paar Jahren war.» Sie tönt optimistisch. Und lässt in einem zentralen Punkt keinen Zweifel aufkommen: Ihre Geschichte als Sportlerin ist noch nicht zu Ende.