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Pechsträhne von Skifahrerin geht weiter

Sie verletzt sich erneut schwer und sagt: «Es ist wie verhext»

Kurz nach ihrer erfolgreichen Feuertaufe im Europacup ist die Saison wegen einer Verletzung für die Gockhauserin Allegra Frei vorbei. Jetzt sind wieder ihre Comeback-Qualitäten gefragt.

Dieses Gefühl kennt sie zur Genüge: Allegra Frei an Krücken.

Foto: PD

Sie verletzt sich erneut schwer und sagt: «Es ist wie verhext»

Kurz nach ihrer erfolgreichen Feuertaufe im Europacup ist die Saison wegen einer Verletzung für die Gockhauserin Allegra Frei vorbei. Jetzt sind wieder ihre Comeback-Qualitäten gefragt.

Es ist ein Fahrfehler, der aus ihrer Sicht jedem passieren kann. Die junge Gockhauserin hebt im Riesenslalomtraining nach einem Einfädler kurzzeitig ab, wird auf den Rücken gedreht, knallt auf die pickelharte Piste und rutscht den Hang herunter. Die Folgen sind gravierend.

Allegra Frei zieht sich am rechten Bein einen Schien- und Wadenbeinbruch zu, bei dem das Sprunggelenk in Mitleidenschaft gezogen wird. Die Saison ist für die Skifahrerin vorbei – nach nur drei Rennen. «Das Leben dreht sich vom einen Moment auf den anderen um 180 Grad», sagt Frei. «Plötzlich ist alles weg.» Der Trainingsalltag, die Teamkolleginnen, die sportlichen Ziele.

Am 29. Dezember ereignete sich der fatale Sturz in Adelboden. Frei hat zu diesem Zeitpunkt ein erfolgreiches Debüt im Europacup hinter sich. Der Trainingsblock nach Weihnachten ist kurz. Die B-Kader-Athletin fühlt sich frisch und kennt die Piste – der Unfall kommt aus dem Nichts. Es ist nicht ihr erster Einfädler. Sie findet: «Man kann auch so stürzen, und es passiert nichts.»

Und doch weiss sie nach der Kollision mit dem Tor im Berner Oberland sofort, dass das in diesem Fall anders ist. Sie schreit. Nicht vor Schmerzen, sondern aus Frust. «Der Herzschmerz war definitiv grösser», sagt Frei mit einigen Tagen Abstand. «Und ist es immer noch.»

Es bleibt ein Auf und Ab

Gleich am Unglückstag will sie das Video des Sturzes sehen. Ihr Eindruck: «Es sieht weniger schlimm aus, als es sich anfühlte.» Frei wird mit dem Rettungsheli abtransportiert, später in Zürich operiert. Mittlerweile ist sie wieder daheim. Sie ist überzeugt, mental das Schlimmste hinter sich zu haben. Und doch erlebt sie ein Auf und Ab. «Manchmal bin ich voller Tatendrang und gleise die Reha auf. Es gibt aber auch andere Momente.» Jene, in denen sie hadert. Wer würde das an ihrer Stelle nicht tun?

Der Trainingsunfall ist der nächste Rückschlag in ihrer jungen Karriere, die so reich an Verletzungen ist, dass man sich fragt: Wie kann jemand solches Pech haben? 20 wird Frei in zwei Wochen erst. Und es ist nachvollziehbar, dass sie mit einem Blick auf ihre Verletzungshistorie sagt: «Es ist wie verhext.»

Zweimal schon hat Frei das Kreuzband gerissen. Erst im rechten Knie, danach im linken Knie. Unzählige Skitage und Trainingskilometer fehlen ihr mittlerweile im Vergleich zur gleichaltrigen Konkurrenz. Dazu Einsätze in Rennen.

2024 kann die gelernte Metallbaukonstrukteurin beispielsweise kein einziges bestreiten. Ihre letzte Saison beginnt ebenfalls erst Anfang 2025. Auch in diesem Winter wird es Dezember, ehe sie erstmals an einem Wettkampf startet. Ein Mittelfussknochenbruch und gerissene Bänder vermiesen ihr eine ideale Vorbereitung, Ende Oktober verletzt sie sich dann erneut am Fuss.

Aus dem Himmel vertrieben

Frei erholt sich davon überraschend schnell. Schnell ist sie danach ebenfalls auf der Piste. Mit knapp einer Handvoll Speed-Trainings im Gepäck klassiert sie sich am 17. Dezember bei ihrem Europacup-Debüt in der Abfahrt von St. Moritz auf Rang 13.

Als viertbeste Schweizerin fährt sie nahe an die Top Ten. Und lässt 22 weitere Swiss-Ski-Fahrerinnen hinter sich. Tags darauf wird Frei 25.

Eine Skirennfahrerin, die ihre Ski in den Armen hält.
Da war sie gesund und guter Dinge: Allegra Frei im Training.

«Dass es gleich so aufgeht, hätte ich mir nicht erträumt», sagt sie und schwärmt: «In St. Moritz war ich im Himmel.» Frei bezieht sich mit der Aussage nicht etwa auf die Resultate, sondern sagt stattdessen: «Immer wenn ich auf den Ski bin, verspüre ich ein Hochgefühl.»

Hat Frei nach der jüngsten Verletzung nicht daran gedacht, den Bettel hinzuschmeissen? Gerade auch darum, weil sie nach ihren zahlreichen Comebacks genau weiss, wie hart der Weg zurück ist? Frei verneint vehement. «Die Frage war immer nur, wann ich wieder Ski fahre. Und nicht, ob.»

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