Sie sorgen in Russikon für schön geschmückte Brunnen
Blühende Brunnen, sonnengelbe Bänkli und ein Miteinander von Jung und Alt: Der Gemeindeverein Russikon für Kultur & Freizeit zeigt, wie Engagement das Dorfleben bereichert.
Im Hintergrund plätscherts, die Sonne spiegelt sich im Wasser, und die Blumen blühen prächtig. Wenn die Blumenkisten auf den Brunnen in Russikon thronen, spätestens dann ist auch hier der Sommer angekommen.
Mitten im Dorf, neben einem der besagten, prachtvoll geschmückten Brunnen, stehen Vanessa Ender, Ramona Bucher und Paul Fischbacher. Zu ihrer Linken befindet sich ein knallgelbes Bänkli, das den Blick des Schreibenden immer wieder auf sich zieht. Doch dazu später mehr.
Die drei sind «Vorstandsgspändli». Fischbacher ist der Mann für alles und seit über 20 Jahren im Vorstand des Gemeindevereins Russikon (GVR) für Kultur & Freizeit tätig. Dem Verein, der hinter dem Brunnenschmuck steckt. Er gehört zu den Alteingesessenen und ist mit Freude Teil des GVR. «Wir sind ein cooler Verein», sagt Fischbacher lachend und fügt hinzu: «Das sage ich immer allen.»
Trotz der Altersunterschiede haben sie es beim GVR immer lustig, stimmen auch die zwei Frauen zu. Da für die damals zurücktretenden Vorstandsmitglieder kein Ersatz gefunden werden konnte, stiegen sie mit ins Russiker Boot. Ender als Präsidentin und Bucher als Kassiererin. Letztere hat das Ressort ihrer Mutter übernommen. Mitgezogen hat sie Vanessa Ender, die erst seit vier Jahren in Russikon wohnt. Nun stehen die beiden gemeinsam mit Fischbacher und drei weiteren Vorstandsmitgliedern an der Spitze des rund 185 Mitglieder zählenden Vereins.
Der GVR führt jedes Jahr verschiedene Events durch. Neben dem Kindermärli für die jüngsten Russiker wird die erst kürzlich stattgefundene 1.-August-Feier organisiert. Im Herbst folgt der Räbeliechtliumzug, und in der Vorweihnachtszeit findet jeweils ein Adventskonzert statt. Unregelmässig finden auch spezielle Anlässe statt. So kommt im nächsten März der gefeierte Schweizer Stand-up-Comedian Charles Nguela nach Russikon. Darauf sind sie besonders stolz.
Blumenkisten bleiben bis Ende Oktober
Wie bereits erwähnt, sind sie ausserdem für die sommerliche Verschönerung der Brunnen zuständig. 17 steinerne Brunnen stehen in Russikon. Jeder einzelne davon ist von Anfang Juni bis etwa Ende Oktober mit einer Blumenkiste geschmückt. Und das seit mindestens 50 Jahren. Wann genau diese Tradition ins Leben gerufen wurde, weiss niemand, auch Fischbacher ist hier ratlos. «Es ist ein wundervoller Brauch, der zur Dorfverschönerung beiträgt und den Leuten eine Freude bereitet», meint Bucher auf die Frage, wieso sie diesen Aufwand betreiben. Es sei «vom Dorf fürs Dorf», fügt Ender hinzu.
Die Kistchen werden das Jahr über im Turmhüsli gelagert, bevor sie zu Beginn des Sommers herausgeholt und von der Gärtnerei Waffenschmidt bepflanzt werden – kostenlos. Nur abgeholt werden müssen die Kisten jeweils wieder von Freiwilligen.
Nicht nur hier ist die Mithilfe gross, auch die Bewässerung der Blumen wird von verschiedenen Einwohnern des Dorfs übernommen. «Irgendwie ist das so zustande gekommen», erzählt Bucher. «Die Leute haben es einfach gemacht.» So strahlen die Blumenkisten jeweils bis in den Herbst hinein in voller Pracht.
Gewusst, wer tatkräftig mithilft, wussten sie nicht, doch seit diesem Jahr gibt es nun eine feste Liste. 16 der 17 Brunnen haben offiziell ein eigenes Gotti oder einen eigenen Götti. Diese sind verantwortlich, dass die Blumen stets schön aussehen. Das funktioniert praktisch einwandfrei. Dem Brunnenschmuck wird gut geschaut, denn den Dorfbewohnern liegt er am Herzen.
Die gääle Bänkli
Neben den geschmückten Brunnen gehört noch etwas anderes einfach zu Russikon und dem Gemeindeverein: die am Anfang angesprochenen, strahlend gelben Bänkli, welche der GVR hegt und pflegt. «Gelb ist halt unser Markenzeichen», meint Fischbacher schmunzelnd, als man ihn auf die grelle Farbe der Bänke hinweist. «Und man sieht sie von Weitem.»
«Wünsche und Anregungen für neue Standorte können jederzeit geäussert werden», sagt Ender. So laden bei einem Spaziergang durch Russikon und seine umliegenden Weiler immer mehr leuchtende Bänke zu einer gemütlichen Rast ein.

Dass sie in der Gegend so hervorstechen, liegt jedoch nicht nur an ihrer markanten Farbe. Die Bänke – 45 an der Zahl – werden jedes Jahr am ersten Juni-Wochenende bei einem vom Gemeindeverein organisierten Pflegeeinsatz gewaschen und wieder schön herausgeputzt. Was nach der Anstrengung nicht fehlen darf, ist der abschliessende Höck – ein kleines Fest, bei dem alle Helfer gemeinsam grillieren und die Zeit geniessen.
Trotz dem jährlichen Putzeinsatz sehen die Bänkli leider nicht das ganze Jahr über so sauber und schön aus wie Anfang Juni, denn auch hier ist Vandalismus ein Thema. So vergingen nach der Neulackierung vor zwei Jahren beispielsweise keine zwei Wochen, bis bereits FCZ-Logos auf den Latten prangten. Die Bänke werden beschmiert oder die silbernen Metallschilder an der Rücklehne sogar weggerissen. Dagegen kann man nichts machen. Ramona Bucher erzählt lachend: «Einmal bin ich mit dem kleinen Pinsel hingegangen und habe eine solche Schmiererei übermalt.» Ärgerlich ist es trotz kreativen Lösungen.
Neumitglieder sind gefragt
«Frisches Blut wäre schön», meint Vanessa Ender. Neue Mitglieder sind jederzeit willkommen. Als solches im Gemeindeverein Russikon hat man keine Verpflichtungen – ausser einen Jahresbeitrag von 30 Franken zu zahlen. Über Helfer freuen sich die Vorstandsmitglieder natürlich immer, doch im Grunde gilt: Dabei sein ist alles.
Zurzeit seien vor allem ältere Leute dabei. Bucher schaut zu Fischbacher, der lacht – ja, auch er gehört zu besagter Generation.