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Sie setzt zum grossen Wurf an

Gioia Vetterli ist nach dem Rücktritt von Fabienne Kocher der beste weibliche Judoka des JC Uster. Nach mehreren guten Platzierungen kämpft sie zum zweiten Mal an einer Europameisterschaft.

Fest im Griff: Gioia Vetterli beim Grand Prix Portugal gegen die Japanerin Riho Saiganji.

Foto: Gabriela Saubau/ijf.org

Sie setzt zum grossen Wurf an

Ustermer Judoka

Gioia Vetterli ist nach dem Rücktritt von Fabienne Kocher die beste Judoka des JC Uster. Nach mehreren guten Platzierungen kämpft sie zum zweiten Mal an einer Europameisterschaft.

Sie spricht vom «letzten Feinschliff». Gioia Vetterli bereitet sich in diesen Tagen in einem Trainingscamp im ungarischen Tata mit den stärksten Schweizer Judokas für die EM von Ende April vor. Für die 26-Jährige vom Judoclub Uster wird es nach 2023 die zweite Europameisterschaft in der Elite sein. Vetterli fühlt sich bereit.

Mit gutem Grund. Die Resultate in diesem Jahr sind vielversprechend. Da ist beispielsweise der Sieg am European Open von Ljubljana (SVN) in ihrer Gewichtsklasse bis 70 Kilogramm. Oder aber der fünfte Platz am Grand Prix Austria, wo nicht viel zu Bronze fehlte. Es ist auch so ihr bis anhin bestes Resultat auf dieser Wettbewerbsstufe.

Zuletzt kämpfte sie am Grand Slam von Tiflis (GEO) sogar auf höchster Turnierebene und forderte Sanne van Dijke in den Sechzehntelfinals einiges ab. Das Duell gegen die niederländische Weltnummer 6 zeigte auch: Vetterli hat mittlerweile das Zeug, mit den Besten mitzuhalten. Sie sagt: «Ich spüre gerade in jüngster Zeit stetig kleine Fortschritte.»

Starke interne Konkurrenz

Diese sind auch in der Weltrangliste abzulesen. Als 59. ist sie da in ihrer Gewichtsklasse als zweitbeste Schweizerin aufgeführt. Noch weiter vorne liegt einzig April Fohouo auf Position 49. Die 19-jährige Waadtländerin wurde letztes Jahr Europameisterin und WM-Zweite auf Stufe U21.

Diese Resultate katapultierten sie auch im Ranking so weit nach vorne. Dies, obwohl sie als Juniorin noch in gar keinem Schweizer Elite-Kader steht. Und dann ist da noch die derzeit auf dem 73. Platz klassierte Baselbieterin Alina Lengweiler (28).

Die Ustermer Judoka Gioia Vetterli.
Gioia Vetterli gilt als vielfältige Judoka im Stand- und Bodenkampf.

Für Vetterli ist der interne Konkurrenzkampf ein Ansporn. «Das pusht einen. Dazu kann man sich im Training austauschen. Dies ist hilfreich. Auch wenn am Ende jeder auf der Matte allein steht.»

Und an ihren Zielen ändert die Ausgangslage ohnehin nichts. Vetterli hofft, an der Europameisterschaft im montenegrinischen Podgorica «ihr bestes Judo» zeigen zu können. Auffällig bei der physisch starken Ustermerin ist insbesondere ihre Vielfältigkeit im Stand- und Bodenkampf, wodurch sie die Gegnerinnen in Verlegenheit bringen kann.

Gelingt Vetterli in Montenegro ein gutes Resultat, ist zeitnah sogar die erstmalige Selektion für eine WM möglich. Diese findet Mitte Juni in Budapest statt.

Die Parallelen zu Kocher

Und sie will es auch auf die ganz grosse Bühne schaffen – an die Olympischen Spiele. Also dorthin, wo schon die Ustermer Nils Stump und Fabienne Kocher in der Vergangenheit für Furore sorgten. Zeit dafür ist noch genug vorhanden. 2028 finden die nächsten Sommerspiele in Los Angeles statt. «Etappe um Etappe» will Vetterli bis dahin meistern. Dazu gehört beispielsweise auch der Sprung vom Nationalkader ins höchste Grand-Slam-Kader.

Eine Beförderung würde ihr auch finanziell helfen. Beispielsweise für die Trainingslager, die bei diesem Status vollständig gedeckt sind. Unterstützung kriegt sie gleichwohl. Von der Schweizer Sporthilfe und durch die Spitzensport-Rekrutenschule, die sie unlängst beendete.

Aus sportlicher Sicht ist Vetterli nach dem Rücktritt von Kocher im letzten Jahr zumindest schon zum Ustermer Aushängeschild bei den Frauen geworden. Überhaupt gibt es da Parallelen zwischen den beiden Judokas. Wie Kocher musste auch Vetterli mehrere schwere Verletzungen in ihrer Karriere wegstecken.

Schon im Alter von 15 erlitt sie den ersten von insgesamt drei Kreuzbandrissen. Zu ihrer Leidensgeschichte zählt auch ein Ellbogenbruch. Den letzten operativen Eingriff hatte sie im März 2024 am Meniskus.

Unterkriegen liess sich Vetterli dadurch nie. «Durchbeissen und weitermachen», sagte sie sich da jeweils. «Oft war bei den Verletzungen auch einfach Pech dabei.»

Nur noch wenig in Uster

Für ihren Traum von Olympia ist sie längst nach Yverdon gezogen. Dort, wo sich ein nationales Leistungszentrum befindet und sie unter der Leitung von Dominique Hischier trainiert. Im Ustermer Dojo ist Vetterli dadurch nur noch wenig anzutreffen. «Ab und zu benutze ich den Kraftraum. Der ist sehr praktisch», sagt sie. In der Region ist sie zumeist an den freien Wochenenden.

Parallel dazu verfolgt Vetterli ihr Sportmanagement-Studium. Bis 2027 will sie damit durch sein. Gerade rechtzeitig, um sich komplett auf die Jagd nach dem Olympia-Ticket zu konzentrieren. Das Timing könnte also passen.

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