Sie hat schon den nächsten Schritt im Visier
Wernetshauser Weltcup-Rodlerin
So konstant und so oft in den Top Ten wie noch nie: Rodlerin Natalie Maag hat die beste Weltcup-Saison ihrer Karriere hinter sich. Nun will sie ihre grösste Baustelle in Angriff nehmen.
Derzeit trainiert sie noch in Sigulda, bald aber wird Natalie Maag nicht nur die Unterlage wechseln: Wärme und Sand in Mexiko statt Eiskanal und Temperaturen um den Gefrierpunkt in Lettland.
Ihre Ferien muss die Wernethauserin so richtig erdauern. Als die einzige Schweizer Weltcup-Rodlerin nach dem letzten Saisonrennen für drei Trainingstage nach Lettland flog, fragte sie sich: «Was mache ich eigentlich hier?»
Es lohnt sich, mental durchzubeissen.
Natalie Maag
Die Antwort darauf ist simpel: Fahren, auf einer der schwierigsten Bahnen der Welt. «Jeder Lauf hier bringt mir etwas», sagt Maag. Rund 20 Trainingsläufe kommen so in den drei Tagen zusammen - das ist mehr als in einer Weltcup-Woche. «Es lohnt sich, mental durchzubeissen», sagt Maag, «auch wenn der Körper dir signalisiert: ich mag eigentlich nicht mehr.»
Andere Jahre fuhr sie nach der Saison in St. Moritz, weniger zu Trainingszwecken, sondern fürs Gemüt, «das war reines Plauschrodeln», sagt sie. Die Motivation, nun mehr zu tun, schöpft sie aus ihren Resultaten. Sie waren nämlich so gut wie noch nie in ihrer Karriere.
Bei sieben von zwölf Weltcupstarts fuhr sie in die Top Ten, sie hielt sich stets in der Gesetztenliste und konnte so den Umweg über den Nationencup erstmals eine ganze Saison lang vermeiden - was ihr Druck nahm. Ihr Lohn dafür: Der zehnte Rang im Gesamtweltcup - und viel Freude.
«Endlich konnte ich konstant zeigen, was ich kann», sagt Maag. Wenn sie es mal nicht in die Top Ten schaffte, wusste sie, woran es lag; meist war sie dann gesundheitlich angeschlagen. Und auch den 10. WM-Rang hat sie verdaut, obschon sie anfänglich unglücklich darüber war, weil sie sich mehr erhofft hatte.
Den Start findet sie «grottenschlecht»
Auf diesen Resultaten will sie aufbauen, deshalb trainierte sie nun auch in Sigulda, «damit es nächste Saison wieder ein Schrittchen vorwärts geht». Was sie auch motiviert: «Die Saison war gut, aber ich weiss auch, woran ich arbeiten muss.»
Ihr grosses Thema ist der Start. Dass sie dort Defizite hat, ist nicht neu, «er bleibt meine Baustelle», sagt sie und nimmt gar das Wort «grottenschlecht» in den Mund.
Schaut man sich ihre Abschnittszeiten in Rennen an, wird aber offensichtlich, was sie meint: Auf den ersten fünf Fahrsekunden gehört sie regelmässig zu den langsamsten.
Dass sie danach in jedem Sektor Ränge gutmachen kann, spricht für ihre Fähigkeiten und für das Material, in das sie im letzten Sommer viel Zeit investiert hatte.
Explosivität ist gefragt
Diese Erkenntnis gibt ihr Selbstvertrauen – und Freiraum, um sich auf den Start zu konzentrieren. «Meine Technik ist besser», sagt sie, «aber es geht darum, das am Startbügel auch umzusetzen».
Dabei ist vor allem ihre Physis gefragt: Ihre Schnellkraft wird sie mit Sprints und mit Sprüngen trainieren und so für die nötige Explosivität sorgen.
Ein Zehntel würde ihr das nur schon am Start bringen, glaubt Maag. Und eine höhere Abgangsgeschwindigkeit hätte für sie auch danach in der Bahn Vorteile.
Es wäre der nächste Schritt, der es ihr erlauben würde, sich um den einen oder andern Rang zu verbessern. Wäre es gar das entscheidende Puzzlestück, das ihr auf die Podestplätze noch fehlt?
Maag lacht. So absolut will sie das dann doch auch nicht sagen. Im Rodelsport gehe es um jedes «Minidetail». Sie dürfe auch beim Material nicht stehenbleiben.
Trainings bei 20 Grad: Fragezeichen um den Saisonstart
Woran sie arbeiten wird, weiss Maag also. Wann sie das tut, ist noch nicht klar. Es gibt wie in anderen Wintersportarten auch Überlegungen, aufgrund der Klimaveränderung den Saisonstart nach hinten zu schieben.
Letzten Oktober trainierte Maag im deutschen Oberhof auf der Bahn bei Aussentemperaturen von 20 Grad – nicht nur sie stellt sich Fragen zur Sinnhaftigkeit. Auch, weil sich das Material bei diesen Bedingungen ganz anders verhält.