Sie hat ihr Handwerk bei Nonnen gelernt
Fischenthaler Wirtin Mary Helbling
Anstatt einem Geschenk zur Pension gönnt sich Mary Helbling einen kleinen Umbau in ihrem Gasthof Freieck in Fischenthal. Dieser soll sich auszahlen.
«Meine Tage haben eigentlich gar nicht genug Stunden», sagt Mary Helbling, während sie in der Stube in ihrem Gasthof Freieck im Fistel in der Gemeinde Fischenthal sitzt. Auf den Tischen befinden sich weisse Tücher, schöne Gedecke stehen darauf.
Denn im «Freieck» herrscht Feststimmung: «Ende Mai habe ich meinen 64. Geburtstag gefeiert», sagt Helbling. Für sie noch kein Alter, um in Pension zu gehen.
Hier befindet sich das Gasthaus Freieck.
«Ich habe mir deshalb einen lang ersehnten Traum erfüllt und im Restaurant eine Kühltheke einbauen lassen.» Bisher stand nämlich ein Kühlschrank in der Gaststube. «Der war einfach nicht so schön.»
Köchin, Reinigungskraft, Gastgeberin
Helbling will noch so lange, wie es ihre Gesundheit zulässt, im «Freieck» arbeiten. Hier wirtet sie seit sechs Jahren – und übernimmt die meisten Aufgaben selber. Sie hat noch eine Angestellte im Service und einen Freund, der ihr gelegentlich unter die Arme greift.
Oft hat das Restaurant an sechs Tagen pro Woche geöffnet. Helbling steht nicht nur in der Küche oder macht die Buchhaltung. Sie ist auch zuständig für die sieben Zimmer, die vermietet werden.
«Es sind einfache Arbeiterzimmer», erklärt sie. «Ich putze und wasche, das gibt immer viel zu tun.»
Trotz der grossen Arbeitslast ist Helbling sehr zufrieden. Sie schätzt vor allem den Umgang mit den Gästen: «Ich mache das aus Leidenschaft.»
Sonst hätte sie vermutlich auch nicht kurz vor dem Pensionsalter noch einen Umbau gewagt. «Ich habe die neue Theke selber bezahlt», betont sie. Wie viel es gekostet hat, will sie nicht verraten. «Aber es ist eine ordentliche Investition.» Und sie soll sich auszahlen.
Ein Jahr im Kloster
Helbling ist schon lange im Gastgewerbe zu Hause. Vor ihrer Tätigkeit im Fistel führte sie ein Restaurant in Steg. «Ich war auch schon Leiterin einer Kantine und habe in Hinwil eine Bar geführt», erzählt die gebürtige Ustermerin.
Etwas ist ihr an ihrer Arbeit besonders wichtig: «Ich will frisch kochen.» Mit Fertigsaucen oder Ähnlichem kann sie gar nichts anfangen.
Das Handwerk dazu gelernt hat sie nicht etwa in einer Lehre, sondern im Kloster. «Als ich 15 Jahre alt war, haben mich meine Eltern für ein Jahr zur Ausbildung ins Kloster Heiligkreuz bei Cham geschickt», erinnert sie sich.
Filetieren, das ganze Zeugs, alles haben sie uns gezeigt.
Mary Helbling, Wirtin
Helbling war ein wilder Teenager, ihre Eltern hofften, dass sie dort etwas für ihre Zukunft lernt. «Rückblickend war das eine gute Entscheidung.»
Keine Bekehrung
Sie sei zwar nicht als bekehrte Katholikin, dafür aber als leidenschaftliche Köchin aus dem Kloster gekommen. «Wir haben viel gelernt, von der Hauswirtschaft bis übers Walzertanzen», erzählt sie. Doch am eindrücklichsten war für sie die Zeit in der Küche.
«Wir haben teilweise grosse Bankette für bis zu 400 Personen vorbereitet», erzählt die 64-Jährige. Der Stolz schwingt dabei in ihrer Stimme mit. «Filetieren, das ganze Zeugs, alles haben sie uns gezeigt.»
Obwohl das «Freieck» eine beschauliche Grösse hat, kann Helbling auch heute noch Bankette durchführen – wenn auch nicht mehr ganz so grosse wie im Kloster. «Ab 22 Personen ist hier geschlossene Gesellschaft.»
Nach der Arbeit ein Müesli
Die bei den Nonnen gelernten Handgriffe beherrscht die Fischenthalerin bis heute. «Natürlich habe ich auch über die Jahre noch weiter dazugelernt.»
Auf die Frage, was sie heute am liebsten koche, muss die Gastronomin lange studieren. «Das ist noch schwer zu sagen.» Sie bezeichnet sich als vielseitig. «Ich stehe zwar allein in der Küche, habe aber eine ansprechende Speisekarte.»
Über die Jahre hat Helbling viel Kulinarisches ausprobiert. «Doch in der Zwischenzeit habe ich meine Rezepte gefunden.»
Sie koche gutbürgerlich. «Vom Chateaubriand bis zum Ghackets mit Hörnli. Meine Stammgäste lieben es.»
Selber isst Helbling nur selten im Restaurant. «Wenn ich in der Küche stehe, habe ich immer die Aromen in der Nase. Und probieren und abschmecken muss ich ja auch.»
Bei sich zu Hause – die Wirtin wohnt gleich im Haus vis-a-vis des Restaurants – darf es deshalb auch einmal etwas Einfaches sein: «Dann gibt es Müesli oder ein Ei.»