Sex auf dem See und andere Entdeckungen
Ranger mit Kanu unterwegs
Seit letztem Sommer sind die Ranger der Greifensee-Stiftung nicht nur zu Fuss, sondern auch mit dem Kanu auf Kontrollgang. Dabei erleben sie manchmal auch sehr Ungewöhnliches.
Es ist vier Uhr nachmittags, die Sonne brennt vom Himmel. Das Thermometer zeigt etwas über 30 Grad. Es ist das ideale Wetter, um mit dem Kanu auf den Greifensee zu fahren. «Wir haben keinen festen Plan, wann wir gehen», sagt Tobias Klein. «Wir richten uns nach dem Wetter. Bei Regen ist auf dem See nichts los.»
Der 49-Jährige ist seit sieben Jahren als Ranger der Greifensee-Stiftung angestellt. Die Aufgabe von Klein und seinen drei Arbeitskollegen besteht darin, am Greifensee dafür zu sorgen, dass sich Mensch und Natur nicht in die Quere kommen. «Ein sinnvoller Job mit viel Abwechslung», findet er.
Transport mit dem Velo
Weil die Ausflügler vermehrt nicht nur um, sondern auch auf dem See unterwegs sind, hat sich die Greifensee-Stiftung letztes Jahr ein Kanu zugetan. Dieses lädt Klein nun auf einen Veloanhänger und fährt damit zur Badi Egg, wo er es ins Wasser lässt.



Klein sticht ins Wasser, paddelt gemütlich Richtung Niederuster. Er zeigt auf den Aaspitz, wo es eine Kolonie Kormorane hat. Die Wasseroberfläche ist mit Seegras überzogen. Auf einer gelben Boje rund 25 Meter vom Ufer entfernt sitzt eine Möwe.
«Hinter diese Bojen darf man aus Naturschutzgründen nicht, um die Tiere nicht zu stören», erklärt der zweifache Vater. Gelbe Bojen signalisieren Naturschutzgebiete und Sperrflächen, die nicht befahren werden dürfen. «Auf dem ganzen See müssen 25 Meter Abstand zum Schilf eingehalten werden, auch dies zum Schutz der Tiere.»
In Binnenschifffahrtsverordnung festgelegt
Das wissen bei Weitem nicht alle. Ab und zu muss er auf seinen Touren Stand-up-Paddler, Menschen auf Luftmatratzen und manchmal auch Fischer darauf aufmerksam machen. Das Zurechtweisen ist aber nicht seine Haupttätigkeit. «Am häufigsten führe ich Informationsgespräche, damit gar nicht erst etwas passiert.»
Auch kennen nicht alle die Regeln, die in der Binnenschifffahrtsverordnung festgelegt sind. So muss man beispielweise eine Schwimmweste mitführen, wenn man sich weiter als 300 Meter vom Ufer entfernt oder sein Stand-up-Paddle-Board (kurz SUP) mit dem Namen des Besitzers anschreiben.

Heute ist auf dem Greifensee wenig los. Eine einzelne Frau schwimmt weit aussen, ein Mann liegt auf dem Rücken auf seinem SUP und lässt sich treiben. Klein stört ihn bei seinem Sonnenbad nicht.
«Man kann nie im Voraus sagen, ob viel oder wenig los ist», sagt Klein. «Manchmal geht es hier auf dem See zu wie in einem Bienenstock mit Segelschiffen, Fischerbooten und Stand-up-Paddlers.»
Ein Erlebnis wird er nie mehr vergessen. «Ich war mit einer Kollegin unterwegs und sah ein Paar, das mit seinem Brett Richtung Schilf zu gleiten drohte», erzählt der Ranger und schmunzelt. «Als wir näherkamen, sah ich, dass die beiden Sex hatten. Es fasziniert mich bis heute, dass das auf einem SUP geht.»
«Nett, offen, direkt»
Nach einer Stunde kehrt Klein mit seinem Kanu zur Badi Egg zurück. Dort pumpt ein Pärchen gerade sein SUP auf. Der Ranger spricht die beiden an, informiert sie über die Regeln, weist sie darauf hin, dass sie ihr Board beschriften müssen. «Ich fand das nett, offen und direkt», sagt der Mann, der aus Mönchaltorf ist, während er mit der Luftpumpe hantiert.
Dann lädt Klein das Kanu wieder auf den Anhänger und fährt zurück zum Ausgangspunkt, um das Boot zu versorgen – bis zum nächsten Einsatz.