Seniorinnen kämpfen in Fällanden für mehr Alterswohnungen
Alt werden in Fällanden
Doris Bölsterli hat das lange Warten auf eine freie Alterswohnung in Fällanden satt. Zusammen mit einer neu gegründeten Interessengemeinschaft will sie das Dorf nun wachrütteln.
Doris Bölsterli würde gerne in eine Alterswohnung in Fällanden ziehen – doch das kann sie nicht. Auch Regina Jaag und Elisabeth Pfulg nicht, die sie heute zum Gespräch begleiten. Die drei gehören zur Kerngruppe der Interessengemeinschaft (IG) Alterswohnungen Fällanden, die das nun ändern will (siehe Box). «In Fällanden bleiben bis ins hohe Alter, das möchten wir alle gerne», sagt Bölsterli an einem Tisch im Bistro des Alterszentrums Sunnetal.
Die Gruppe ging der Frage nach, wie viele Alterswohnungen in der Gemeinde angeboten werden. Es sind bei offiziellen Anbietern lediglich 37, obwohl Fällanden fast 10'000 Einwohner zählt. 17 Wohnungen bietet die Genossenschaft für Alterswohnungen an, 16 das Alterszentrum Sunnetal und vier die Stiftung Alterswohnungen Wigarten.
Der Vergleich mit anderen Gemeinden
Die Interessengemeinschaft hat bezüglich der Anzahl Alterswohnungen Abklärungen in verschiedenen Gemeinden gemacht. Im ähnlich einwohnerstarken Hombrechtikon sind es 80, das etwas grössere Männedorf zählt 143, und Dürnten mit seinen 8000 Einwohnern hat 87. Auf Nachfrage bestätigen die Gemeinden diese Zahlen.
Das Angebot in den Nachbargemeinden Schwerzenbach und Maur ist hingegen hochgerechnet noch dünner als in Fällanden. Schwerzenbach hat mit knapp über 5000 Einwohnern 17 Alterswohnungen, im rund 11'000 Einwohner starken Maur sind es 35.
Wie viele Alterswohnungen es zusammen mit den privaten Anbietern sind, kann aber keine der angefragten Gemeinden sagen. Auch die Pro Senectute kann auf Anfrage keine Angaben dazu machen.
Das Problem in Fällanden: Alle Wohnungen der drei Institutionen sind vergeben, Neuinteressenten werden erst mal auf eine Warteliste gesetzt. Das «Anstehen» für eine Alterswohnung braucht Geduld. So schreibt beispielsweise die Genossenschaft für Alterswohnungen auf Anfrage: «Die Liste ist lang.» Wie lang, beantwortet die Genossenschaft nicht. Man führe keine Statistik über die Wartezeit, heisst es. «Wird eine Wohnung frei, werden die Interessenten in der Reihe ihrer Anmeldung angefragt, ob Interesse an der Wohnung besteht.»
Lange Wartelisten für Alterswohnungen
Das Alterszentrum im Besitz der Gemeinde Fällanden führt ebenfalls eine Warteliste. Laut der Verwaltung haben darauf derzeit etwa 50 Fällanderinnen und Fällander ihren Namen hinterlegt. Sowohl Einzelpersonen als auch Paare hoffen auf eine der 16 Wohnungen. Die Gemeinde schreibt, dass die Länge der Wartezeit von mehreren Faktoren abhängig sei und sich nur schwer beziffern lasse. Gemäss den Erfahrungen in der Vergangenheit müsse man mit ein bis zwei Jahren Wartezeit rechnen.
Ich bewege mich in der Warteliste kaum nach oben.
Doris Bölsterli
Mitgründerin IG Alterswohnungen Fällanden
Die Stiftung Alterswohnungen Wigarten nennt hingegen keine Zahlen zu ihrer Warteliste. Interessierte Mieterinnen und Mieter müssen dort eine Reihe von Auflagen erfüllen, um überhaupt in Betracht gezogen zu werden. Dazu gehört etwa, dass sie fünf Jahre im Quartier gewohnt haben, Verwandte dort haben oder generell mindestens zehn Jahre Einwohner von Fällanden sind.
Doris Bölsterli ist auf der Wartliste der Genossenschaft für Alterswohnungen. Und das bereits seit fünf Jahren, wie sie sagt. «Ich bewege mich in der Liste kaum nach oben.» Für sie und die IG ist klar: «Es braucht ein grösseres Angebot in Fällanden.» Das sei auch für junge Familien ein Gewinn, meint Bölsterli. «Wir leben heute allein in grossen Wohnungen. Wenn wir ausziehen, schaffen wir wieder Platz für die jungen Leute.»
Ein Neubau soll her
Die drei Frauen im Rentenalter sind alle noch sehr vital. Ihnen ist aber bewusst, dass dies nicht ewig der Fall sein wird und der Umzug in eine Alterswohnung ihr Leben erleichtern würde. Ihre Erwartungen an Einrichtung und Infrastruktur eines solchen Zuhauses entsprechen den üblichen Standards dieser Bauten: mit Lift, einem Backofen auf Rollstuhlhöhe oder einer Dusche mit Sitzgelegenheit und Wandgriffen. Die Wohnlage wünschen sie sich zentral in Fällanden mit Einkaufsmöglichkeiten und gutem Anschluss an den ÖV.
Für die Lösung des Problems haben sie konkrete Vorstellungen: einen Neubau mit Alterswohnungen. Die IG denkt an einen Neubau auf einem der gemeindeeigenen Grundstücke oder einem privaten Grundstück. Das Ganze könnte laut den Ideen der IG im Baurecht an eine Genossenschaft oder ein privates Unternehmen abgegeben werden.

Mit einem Brief ist die IG vor gut einem Jahr bei der Gemeinde vorstellig geworden. Diese habe erst verhalten auf die Initiative der damals neu gegründeten Interessengemeinschaft reagiert, sagt Bölsterli. Danach hätten die Behörden aber ihre skeptische Haltung abgelegt, und nun bestehe eine gute Zusammenarbeit.
Mehrere Treffen zwischen der Gemeinde und der IG haben bereits stattgefunden. «Die Gemeinde nimmt den Austausch mit der IG Alterswohnungen positiv wahr», teilt Gemeindeschreiberin Leta Bezzola mit. Im Zentrum der Gespräche seien insbesondere Fragestellungen rund um das Thema Wohnen im Alter in Fällanden gestanden. Diskutiert wurden laut Bezzola die Bedürfnisse der älteren Leute, mögliche altersgerechte Wohnformen, die Entwicklung grösserer Wohnbauprojekte sowie die Frage, wie die ältere Bevölkerung künftig stärker in entsprechende Prozesse einbezogen werden kann.
Nun plant die IG zusammen mit der zuständigen Gemeindebehörde einen Vortrag und anschliessender Diskussionsrunde mit einer erfahrenen Gerontologin zum Thema in Fällanden wohnen bis ins hohe Alter.
Am Ende unterstreicht die Gruppe beim Kaffee noch mal, wie wichtig ihr und wohl den meisten älteren Fällanderinnen und Fällandern der Verbleib im Dorf ist: «Ausweichen auf eine andere Gemeinde – das kann es doch nicht sein.»
Die IG Alterswohnungen Fällanden
Doris Bölsterli, Rös Fässler, Regina Jaag, Bea Oberhänsli und Elisabeth Pfulg bilden den Kern der Interessengemeinschaft Alterswohnungen Fällanden, die im Januar 2025 gegründet wurde. Die IG will sich für mehr kleine altersgerechte und erschwingliche Wohnungen in Fällanden einsetzen.