Gesellschaft

Seit 25 Jahren schlägt das Karateherz in Uster

Dave Javet unterrichtet in Uster seit 25 Jahren Indonesian Karate. Ein solches Training, das einst ein Meister aus Maur erfunden hat, gibt es so nur in der Schweiz.

Wie man sich bei einem Messerangriff wehrt, lernt man beim Indonesian Karate.

Foto: Luc Müller

Seit 25 Jahren schlägt das Karateherz in Uster

Karateschule Uster feiert 25-Jahr-Jubiläum

Dave Javet hat es nicht nur im Kopf, sondern auch in den Armen. Der Mathematiklehrer leitet seit 25 Jahren die Indonesian Karateschule Uster.

In der Turnhalle der Primarschule Hasenbühl fliegen Fäuste durch die Luft – links, rechts, links. Alles geschieht ruhig und kontrolliert. Dave Javet hat gerade eine Kata vorgeführt. Dabei handelt es sich um eine Abfolge von Bewegungen, die im Karate einen imaginären Kampf gegen einen Gegner darstellen.

Der 52-Jährige, gekleidet in einem schwarzen Karategewand, greift nun zu einem Holzmesser. Mit der Attrappe führt er Stiche aus, um zu demonstrieren, wie man sich bei einem Angriff verteidigen kann. «Genau solche Situationen trainieren wir in meiner Schule», erklärt Javet.

Seit 25 Jahren leitet Javet die Indonesian Karateschule in Uster. Eine typische Trainingseinheit gliedert sich in die Bereiche Fitness, Karate und Selbstverteidigung. «Indonesian Karate kombiniert mit Selbstverteidigung ist eine Schweizer Spezialität, die nur bei uns in dieser Form praktiziert wird», erklärt er.

Mann kämpft
Seit 25 Jahren betreibt Dave Javet die Indonesian Karateschule Uster.

Der indonesische Grossmeister Haka Tahir ergänzte die traditionelle Kampfkunst Pencak Silat, bekannt für ihre weichen, fliessenden Bewegungen, um explosive Schläge aus dem Karate. In den 1980er-Jahren fügte der Schweizer Kurt Rüfenacht zusätzlich Elemente der Selbstverteidigung hinzu.

«Effiziente Selbstverteidigung hatte er von Seeleuten in Hamburg oder Fremdenlegionären gelernt. Ihm war wichtig, den Schülerinnen und Schülern eine Methode beizubringen, mit der sie auf der Strasse im Notfall bestehen können», erzählt Dave Javet. Mit Meister Kurt Rüfenacht, der früher auch Polizeikorps ausbildete, arbeitete Javet lange zusammen.

Im Indonesian Karate steht nicht der Kampf im Vordergrund. «Richtig verstanden ist das nicht eine Sportart, sondern eine Art Kunst, das Leben richtig zu leben und zu meistern», sagte Haka Tahir einst. Das kann Dave Javet stimmt zu: «Während des Trainings vergisst man seine Alltagssorgen. Es ist wie eine Psychohygiene. Nach der Einheit fühlt man sich ganz bei sich in der Mitte.»

Wegen Auto-Stopp dazu gekommen

«Ich war als 16-Jähriger auf der Suche nach einer Sportart. Kurt Rüfenacht nahm mich mit, als ich Auto-Stopp machte. Er hat mir im Gespräch das Indonesian Karate schmackhaft gemacht.» Dave Javet, in Fällanden aufgewachsen, trainierte zunächst in Maur, wo Kurt Rüfenacht eine Schule für Indonesian Karate gegründet hatte.

Mann mit schwarzem Gurt
Der 52-Jährige besitzt den schwarzen Gurt und den 4. Dan.

In der Schweiz gibt es nur fünf Indonesian-Karate-Schulen: in Maur, Kilchberg, Winterthur, Weinfelden und Uster. Die Schule in Uster gründete Dave Javet 1999. «Ich mietete jeweils die Ustemer Sporthalle an der Freiestrasse. In den ersten drei Monaten stand ich alleine dort. Erst mit der Zeit konnte ich Kunden gewinnen», erinnert er sich. Mit der Zeit konnte er Schüler gewinnen. Heute bietet er drei separate Kurse für Kinder, Jugendliche und Erwachsene in der Turnhalle des Primarschulhauses Hasenbühl an und betreut rund 50 Schülerinnen und Schüler.

Man sieht Menschen, die Karate machen.
Die Karateschule Uster trainiert jeweils in der Turnhalle Hasenbühl in Uster.

«Ein eigenes Karatestudio möchte ich nicht. Die Schule soll ein Hobby bleiben», sagt Dave Javet, der hauptberuflich an einer Sekundarschule in Winterthur als Werk- und Mathematiklehrer tätig ist.

Hat er seine Karatefähigkeiten auch privat schon eingesetzt? «Einmal gerieten zwei kräftige Sekundarschüler aneinander, und der Streit drohte zu eskalieren. Ich ging dazwischen, drückte einen Jungen sanft zu Boden und beruhigte ihn», erzählt Javet mit einem Lächeln. Später habe sich der Schüler für sein besonnenes Eingreifen bedankt.

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