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Wirtschaft

«Schwieriger Schritt für uns»: Ottiker «Traube» schliesst per Ende Mai

Überraschend gaben Patrick und Angelika Boesch, Betreiber der «Traube» bei Gossau, die Schliessung ihres Restaurants bekannt. Die vorbereitete Nachfolgelösung hat sich zerschlagen.

«Schwieriger Schritt für uns»: Ottiker «Traube» schliesst per Ende Mai

Bei Gossau

Überraschend gaben Patrick und Angelika Boesch, Betreiber der «Traube» bei Gossau, die Schliessung ihres Restaurants bekannt. Die vorbereitete Nachfolgelösung hat sich zerschlagen.

Am Telefon wirkt Angelika Boesch, die gemeinsam mit ihrem Mann Patrick die Geschäftsführung des Restaurants Traube bei Gossau innehat, niedergeschlagen und wortkarg – angesichts des bevorstehenden Endes ihres Herzensprojekts mehr als verständlich. «Der Schritt ist uns sehr schwergefallen», fasst sie es zusammen.

Denn das Restaurant schliesst per Ende Mai überraschend seine Pforten – dies teilte das Gründerehepaar Boesch in einer Medienmitteilung mit. Beide seien im Pensionsalter, man habe eigentlich eine Nachfolgelösung geplant und vorbereitet, heisst es darin.

Diese könne nun «überraschend und kurzfristig nicht umgesetzt werden». Doch was bedeutet das genau? Darauf angesprochen, möchte Angelika Boesch nicht ins Detail gehen. «Eigentlich wollten wir das Restaurant bereits im April übergeben.» An wen und warum dieser «jemand» so plötzlich abgesprungen ist, gibt die Geschäftsführerin nicht preis.

Was wird aus den Auszubildenden?

Doch die «Traube» ist nicht nur ein Restaurant, sondern gleichzeitig auch ein soziales Projekt. Sie ist eng verbandelt mit dem Verein Sorebo. Junge Erwachsene, die auf dem ersten Arbeitsmarkt kaum Chancen hätten, finden hier eine Lehrstelle. Aktuell arbeiten 15 Auszubildende in den Bereichen Gastro, Administration und Betriebsunterhalt in der «Traube».

Doch auch hier scheint es Probleme zu geben, wie aus dem Comunique hervorgeht. Von «sozialpolitischen Veränderungen und neuen Rahmenbedingungen» ist die Rede. Diese hätten dazu geführt, dass sich «der Verein Sorebo neu orientieren muss».

Angelika Boesch vor der Traube
Ein Bild aus glücklicheren Zeiten: Angelika Boesch vor dem Restaurant Traube in Ottikon bei Gossau im Jahr 2014.

Im Gespräch geht Boesch näher darauf ein: «Der Arbeitsmarkt ist aktuell im Wandel, die Anzahl von Ausbildungsplätzen im geschützten Raum, die IV und Sozialdienste zur Verfügung stellen, nimmt ab.» Die Tendenz gehe eher dahin, Leute mittels Coaching doch noch in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren.

«Dementsprechend hat die Nachfrage nach Ausbildungsplätzen im geschützten Rahmen abgenommen, und wir können nicht alle Plätze besetzen, die wir zur Verfügung stellen», sagt Angelika Boesch.

Und was wird nun aus den Lernenden, die aktuell noch in der «Traube» arbeiten? Auch das ist unklar. «Als wir ihnen die Schliessung bekannt gegeben haben, sind sie sehr erschrocken. Sie machen sich grosse Sorgen, keine neue Stelle zu finden», erzählt Boesch.

Aktuell suche man dringend nach Betrieben, die kurzfristig bereit wären, die Jugendlichen in den Bereichen Gastronomie und KV weiter auszubilden. Für acht Lernende wird ab dem 1. August dieses Jahrs eine Anschlusslösung im ersten Arbeitsmarkt für eine Fortsetzung der Lehre gesucht.

Engagement für Sorebo bleibt bestehen

Offen ist auch, was aus dem Restaurant selbst wird. «Mein Mann und ich haben es nur gepachtet. Ob es neu verpachtet wird, weiss ich nicht.» Doch auch wenn das Ehepaar die «Traube» nicht weiterführen wird – das Engagement für den Verein Sorebo soll bestehen bleiben.

«Es gibt noch so viele Jugendliche, die Unterstützung brauchen und keine Lehrstellen finden. Deswegen möchten wir auch weitere Betriebe finden, die diesen jungen Menschen eine Chance geben.» Und Boesch fügt hinzu: «Leider hatten wir für beides – also die ‹Traube› und Sorebo – nicht mehr die Kraft und die finanziellen Ressourcen.»

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