Schwarzenbach zeigt sich offen für Verkauf der «Guldenen»
Nach erneuter Hausbesetzung
Stillstand, Frust und leere Versprechungen – der Gasthof Guldenen am Pfannenstiel lottert seit 18 Jahren vor sich hin. Dabei war einst sogar Michael Schumacher an einem Kauf interessiert.
Eigentlich scheint der «Waldhof Guldenen» alles mitzubringen, was es für eine erfolgreiche Ausflugsbeiz braucht: Er liegt an traumhafter Lage auf einer beschaulichen Waldlichtung im Dreieck zwischen Forch, Herrliberg und Egg – mitten im beliebten Naherholungsgebiet.
Doch das einst als «gastronomischer Allwetter-Geheimtipp» gehandelte Restaurant ist zum Symbol für Stillstand und leere Versprechungen geworden. Seit März 2007 stehen hungrige Spaziergänger, Velofahrer und Langläufer vor verschlossenen Türen.
Die einzigen Besucher, die den einst prächtigen Landgasthof heute noch betreten, sind unerwünscht. Gerade kürzlich sorgte die «Guldenen» wieder für Schlagzeilen, als zum zweiten Mal Hausbesetzer in die verlassene Liegenschaft eindrangen. Als Reaktion auf den Vorfall wurde die ehemalige Gaststätte nun mit Brettern vernagelt. Und die oft versprochene Wiedereröffnung scheint ferner denn je. Aber warum eigentlich?

An Ideen für das vermeintliche Gastro-Bijou hätte es in den letzten Jahrzehnten nicht gemangelt. Viele Jahre befand sich das 56 Hektaren grosse Areal, zu dem auch zwei Bauernbetriebe gehören, im Besitz der Zürcher Kantonalbank (ZKB).
Ursprünglich wollte die Bank dort ein Freizeit- und Sportzentrum für ihre Angestellten einrichten. Doch dieser Plan scheiterte ebenso wie ein Golfplatzprojekt, das der Bankrat Mitte der 1990er Jahre verfolgte.
Im Jahr 2000 erregte die «Guldenen» sogar schweizweites Aufsehen, als der damalige Formel-1-Weltmeister Michael Schumacher nach einem Rindsfilet Stroganoff in der Ausflugsbeiz offenbar den Kauf des Grundstücks in Betracht zog. «Schumacher in unserer Gemeinde, das wäre ein toller Farbtupfer», frohlockte der damalige Maurmer Gemeindepräsident Ueli Büchi (FDP) zu jener Zeit in den Medien. Auch die ZKB teilte öffentlich mit, dass Verhandlungen im Gang seien. Ein Verkauf kam letztlich aber nie zustande.
Als der letzte Restaurantpächter dann Anfang 2007 den Bettel hinwarf, zeigte sich, dass die wirtschaftliche Ausgangslage auf dem Pfannenstiel doch nicht so einfach ist. Denn bei schlechtem Wetter bleiben die Gäste fast gänzlich aus.
Anstatt einen neuen Pächter zu suchen, gab die ZKB deshalb bekannt, dass verschiedene Konzepte für eine «publikumsorientierte Zukunft des Gasthauses» geprüft würden. Doch mehrere Jahre passierte nichts – zur grossen Frustration so mancher Ausflügler.
2010 schien erstmals wieder etwas Bewegung in die Sache zu kommen, als die Bank einen Gestaltungsplan für einen Gastrobetrieb mit Tagungszentrum bei der Gemeinde einreichte. Doch auch dieses Vorhaben wurde später wieder auf Eis gelegt.
Überraschender Verkauf
Anfang 2015 – nach notabene acht Jahren Stillstand – passierte dann tatsächlich etwas. Die ZKB verkaufte die «Guldenen» mitsamt Umschwung für einen unbekannten Preis an die Flühgass Immobilien AG. Deren Alleinaktionär: Urs E. Schwarzenbach, Küsnachter Kunstsammler und Besitzer des Luxushotels Dolder.
Bereits vor Vertragsabschluss hatte die Bank klare Bedingungen kommuniziert. Sie werde nur an jemanden verkaufen, der das Restaurant wieder betreiben, die Bauernbetriebe weiter bestehen lassen und die Guldenen als Erholungsgebiet für die Öffentlichkeit erhalten würde. Und Schwarzenbach, dem auch das Hotel Sonne in Küsnacht gehört, liess verlauten, dass er die Auflagen erfüllen werde.

Ob diese Bedingungen damals vertraglich verbindlich festgelegt wurden oder ob es sich lediglich um eine Absichtserklärung handelte, ist nicht bekannt. Auch nicht, ob die Wiederinbetriebnahme des Restaurants an irgendeine zeitliche Frist gebunden war. «Zu vertraglichen Details äussern wir uns nicht», lautet die heutige Antwort der ZKB auf die Anfrage dieser Redaktion.
Gestaltungsplan gutgeheissen
Denn seit dem Kauf durch Schwarzenbach sind weitere zehn Jahre vergangen – und die «Guldenen» lottert noch immer verlassen vor sich hin. Zu den Gründen für die lange Verzögerung schweigt sich der Gasthofbesitzer seit Jahren aus.
«Es gibt ein Projekt», sagt Schwarzenbachs Kommunikationsberater Sacha Wigdorovits, «jedoch will Herr Schwarzenbach es nicht allein umsetzen.» Der Hotelier sei deshalb schon länger auf der Suche nach einem passenden Partner.

Das Ziel Schwarzenbachs ist es, die in die Jahre gekommene Liegenschaft in einen 3-Sterne-Landgasthof mit Übernachtungsmöglichkeiten umzubauen. 2016 lag auf der Verwaltung der Gemeinde Maur ein Gestaltungsplan öffentlich auf.
Aus den Unterlagen ging hervor, dass ein Ensemble mit den beiden anliegenden Scheunen geplant war, das einen Saal, einen Hofladen und Gästezimmer beinhalten sollte. Unterirdisch plante man mit einer Garage für 25 Autos. Der denkmalgeschützte Gasthof sollte sich – zumindest von aussen – kaum verändern. Doch trotz der Gutheissung des Gestaltungsplans wurde nie ein Baugesuch eingereicht.
Offen für Verkaufsgespräche
Dass das Projekt nicht ganz oben auf Schwarzenbachs Prioritätenliste steht, dürfte nicht zuletzt auch mit seinem Streit mit den Behörden zusammenhängen. Dieser beschäftigte ihn, die Eidgenössische Zollverwaltung und die Steuerbehörden des Bunds und des Kantons Zürich seit über einem Jahrzehnt – und führte dazu, dass Schwarzenbach dem Staat zwischenzeitlich mehr als 300 Millionen Franken schuldete.
Lange lieferte er sich mit den Behörden ein medienwirksames Katz-und-Maus-Spiel. Sie beschlagnahmten Kunstschätze im Wert von gegen 150 Millionen Franken. Er wiederum wehrte sich mit Anwälten gegen sämtliche Forderungen. Erst Mitte des letzten Jahrs endete der grösste Steuerstreit der Schweizer Kunstwelt, als Schwarzenbach bekannt gab, sämtlichen «steuerlichen Verpflichtungen vollständig nachgekommen» zu sein.

Ob Schwarzenbach nun wieder mehr Zeit und Mittel zur Verfügung stehen, um das Projekt «Guldenen» voranzutreiben, bleibt offen. In Stein gemeisselt scheint das bestehende Projekt jedoch nicht zu sein.
Auf die Frage, ob er auch einen Verkauf des Gasthofs in Betracht ziehen würde, zeigt sich Schwarzenbach jedenfalls verhandlungsbereit. «Er würde sich Angebote für die ‹Guldenen› sicherlich anhören», sagt Wigdorovits. Zur jüngsten Hausbesetzung möchte er sich derweil nicht äussern.