Gesellschaft

Wandern im Alter

Schritt für Schritt in guter Gesellschaft

Wandern, reden, zusammen lachen – bei der Senioren-Wandergruppe Hittnau geht es um mehr als nur fit zu bleiben. Mit Gipfeli im Magen und Erde unter den Füssen startet die Truppe in die erste Wanderung des Jahres.

Frohen Schrittes streift die Hittnauer Seniorenwandergruppe durch Wiesen und Wälder.

Foto: Remo Weber

Schritt für Schritt in guter Gesellschaft

Wandern im Alter

Wandern, reden, zusammen lachen – bei der Seniorenwandergruppe Hittnau geht es um mehr als nur darum, fit zu bleiben. Mit Gipfeli im Magen und Erde unter den Füssen startet die Truppe in die erste Wanderung in diesem Jahr.

«Bei jeder Wanderung sehe ich neue Gegenden.» Die Seniorin greift zu ihren Wanderstöcken, den Blick lässt sie in die hügelige Landschaft schweifen. Ein paar Schritte weiter warten die anderen vor einer hölzernen Brücke und tauschen Neuigkeiten aus. Die Stimmung ist locker, man begegnet sich auf Augenhöhe. Für die Senioren ist die Wandergruppe wie eine kleine, herzliche Familie. Man kennt sich, man wartet aufeinander.

Vom Altersturnen zur Wandergruppe

Trotz ihrem Alter stecken die rund zwölf Senioren, die an diesem Tag den Wanderweg zwischen Bazenheid und Mosnang im Toggenburg unter die Füsse nehmen, voller Lebensenergie. Es ist die erste Tour nach der Winterpause. Die Vorfreude liegt bereits im Zug förmlich in der Luft. «Mit den anderen gemeinsam läuft es sich viel besser als allein», erzählt Magi Wolfangel, die die Wanderung zusammen mit Köbi Züst leitet.

«Die heutige Route ist eher leicht», sagt dieser mit einem Lachen. Die eingerosteten Gelenke bräuchten ja schliesslich etwas Anlaufzeit. Und trotzdem legt der Wanderleiter ein Tempo vor, welches Unerfahrene zum Schnaufen bringen würde. Keine Frage, die Senioren fühlen sich nach wie vor fit wie ein Wanderschuh.

Seit rund 30 Jahren gibt es die Seniorenwandergruppe Hittnau. Von März bis November führt sie jeden Monat zwei Wanderungen durch – je eine anstrengende und eine leichte, den sogenannten Bummler. Zudem findet im April jeweils eine organisierte Stadtführung statt. Die Gruppierung fand sich innerhalb des Altersturnens und war zuerst nur für Frauen gedacht. 2007 wurde unter neuer Leitung eine Wandergruppe für beide Geschlechter daraus.

«Hier habe ich Anschluss gefunden»

«Jetzt ist Zeit für einen Kafi!», freut sich eine Seniorin, als wir am Zielbahnhof aus dem Zug steigen. Schon bald wird an den Tischen eines kleinen Cafés zu Gipfeli und Cappuccino entspannt gelacht und diskutiert. Nicht selten verschmelzen dabei Vergangenheit und Gegenwart – der neuste Dorftratsch trifft auf alte Erinnerungen aus früheren Zeiten. Sind die Kaffeetassen leer, wird noch schnell die Blase entleert, und die Wanderschuhe werden geschnürt – schon kann es losgehen!

«Mein Mann läuft nicht so gerne. Hier habe ich Anschluss gefunden», erzählt mir eine Seniorin, während wir munter einen Grashang hinuntergehen. Der soziale Aspekt ist für viele einer der Hauptgründe, sich der Seniorenwandergruppe Hittnau anzuschliessen. «Ich finde es eine coole Truppe», sagt eine begeisterte Teilnehmerin. «Es ist gesellig», bestätigen zwei weitere Seniorinnen, die sich aus der Frauenriege kennen. «Man lernt neue Leute aus dem Dorf kennen», erzählt ein weiterer begeisterter Wandervogel. Gerade wenn man viel allein daheim sei, sei die Seniorenwandergruppe eine willkommene Abwechslung.

Dass die Wanderungen überhaupt zustande kommen, hängt nicht zuletzt mit viel freiwilligem Engagement zusammen. Magi Wolfangel erklärt, dass jede geplante Tour zuvor rekognosziert wird. So könne man schwierige Passagen im Voraus ausfindig machen. Erscheine eine Wanderung als zu schwierig, so werde sie auch nicht durchgeführt. «Das kommt ab und zu vor», sagt die Wanderleiterin und lacht.

Das freiwillige Engagement sei auch sinnstiftend in einer Phase des Lebens, in der man nicht mehr jeden Tag im Büro sitze. Dieses Engagement wird breit geschätzt. «Man muss nicht viel studieren, weil alles immer gut organisiert ist», sagt eine Wanderkumpanin freudig. Das sei unter anderem ein Grund, weshalb sie sich der Wandergruppe angeschlossen habe.

Die Seniorenwandergruppe Hittnau auf ihrer ersten Wanderung in diesem Jahr.
Das Wandern ist nicht nur des Müllers Lust, sondern wie hier wohl eher die der Senioren.

Viel Zeit fürs Beobachten

Nun geht es durch ein Wäldchen eine steile Treppe hinunter, die Senioren greifen nach dem Holzgeländer. Sorgfältig wird ein Fuss vor den anderen gesetzt. «Nur keine Eile» – das ist hier das Motto. Aber eilig haben es die Senioren sowieso nicht. Die Augen haben sie offen füreinander und für die Umgebung. «Sieht aus, als hätte dort ein Biber einen Baum angeknabbert», weist einer der Wanderer auf einen beschädigten Baum in der Umgebung hin.

Die Diskussion über das Nagetier ebbt schliesslich ab, die Wanderung geht weiter. Egal, ob Biber oder nicht – eines bleibt konstant: das Miteinander. Vielleicht ist es genau das, was die Wanderungen so besonders macht. Nicht die Strecke, nicht das Tempo, sondern die Menschen, die sie gemeinsam gehen.

Interessierte melden sich bei Esther Peier unter Telefon 079 969 23 47 oder per E-Mail ed.peier@bluewin.ch.

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