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Kultur

Schon ein halbes Jahrhundert malt Charly Bühler gefiederte Musen

Der Hühnermaler hat Grund zu feiern: Dieses Jahr markiert Charly Bühler das 50-Jahr-Jubiläum seiner Ausstellungen.

Charly Bühler und das Huhn: ein wahres Phänomen.

Foto: Marina Wolfensberger

Schon ein halbes Jahrhundert malt Charly Bühler gefiederte Musen

Aus dem Leben eines Güggels

Der Hühnermaler hat Grund zu feiern: Dieses Jahr markiert Charly Bühler das 50-Jahr-Jubiläum seiner Ausstellungen. Die Faszination für Hähne und Hennen lässt den Schalchemer Künstler einfach nicht los.

Wer war zuerst da, das Huhn oder das Ei? Bei Charly Bühler ist die Antwort klar. Am 7. September startet seine «Hühnereien»-Ausstellung, die 50 Jahre künstlerische Evolution vom Ei zum Hahn feiert. Bis zum 22. September zeigt Bühler in seinem Atelier in Schalchen, wie die Welt durch eine Hühnerbrille aussieht.

Vom Ei zum Hahn

Als Bühler mit zehn Jahren noch ein Küken war, zog seine Familie ins Tessin. «Dort musste ich zur Schule – leider», erinnert sich Bühler schmunzelnd. Da er die Sprache nicht verstand, fühlte er sich isoliert und verbrachte seine Zeit im Unterricht damit, Tiere zu zeichnen. Der Lehrer, froh darüber, dass der kleine Charly den Unterricht nicht störte, gab ihm regelmässig Zeichenpapier.

Der junge Künstler gewöhnte sich Schritt für Schritt an sein neues Leben. Doch dann zog Bühler wieder zurück in die Deutschschweiz. Er musste von vorn beginnen und auch wieder Deutsch lernen. Auch da zeichnete er sich durch die Einsamkeit. Während dieser Zeit arbeitete er als Feinmechaniker. Unter anderem, denn er wechselte häufig den Beruf.

Als in Zürich die erste Kunstschule eröffnet wurde, fand er endlich seinen Weg: «Ich konnte den Fokus auf etwas legen, das mir wirklich zusagte. Da habe ich mich wohlgefühlt.»

Seine künstlerische Laufbahn nahm 1974, also genau vor 50 Jahren, Fahrt auf, als er seine erste Ausstellung in Greifensee hatte. Von da an widmete er sich vollständig der Kunst. Jene Ausstellung drehte sich um das Thema «Ei». Die Frage «Was war zuerst da, das Huhn oder das Ei?» hatte ihn lange beschäftigt, da ihm niemand eine zufriedenstellende Antwort geben konnte. Seine Lösung war es, Eier zu malen.

«Damals wusste ich noch nicht, dass sich das später zum Huhn entwickeln würde, auch wenn es die naheliegende Folge wäre», sagt Bühler heute. Er ist froh darüber, dass sich seine Kunst so entwickelt hat, und erleichtert, dass er nicht wie andere Künstler lange nach einem Thema suchen musste.

«Die Welt ist ein riesiger Hühnerhof»

1981 zog Bühler mit seiner Familie vom Greifensee ins Tösstal. «Unsere Freunde fragten uns damals, ob wir da hinten nicht verrückt werden würden», erinnert er sich lachend. Bei der Hauseröffnung überraschten diese Freunde ihn mit einem ungewöhnlichen Geschenk: lebendigen Hühnern. «Ich weiss auch nicht, wie sie auf diese verrückte Idee kamen», scherzt Bühler.

Während der Künstler seine Hühner beobachtete, erkannte er Analogien zwischen ihnen und den Menschen. Sein Fazit: Die Welt ist ein riesiger Hühnerhof. «In unserer Gesellschaft gibt es auch immer einen Hahn, der sich aufplustert und allen zeigt, dass er der Chef ist», meint Bühler. Im Hühnerhof laufe es nicht anders als in einem Büro: Der Wichtigste stehe ganz oben, und von dort gehe es hierarchisch abwärts.

Auf die Frage, ob seine Kunst Gesellschaftskritik sei, entgegnet Bühler: «Ich mag das Wort Kritik nicht. Ich halte den Menschen eher einen Spiegel vor, damit sie ihr eigenes Verhalten sehen und sich in meinen Bildern wiedererkennen können.»

Man sieht Bühlers Gemälde.
Ob Gesellschaftskritik oder Spiegel vor der Nase, das spielt keine Rolle. Charly Bühler hat Talent.

Trotz Hühnerthema ist seine Kunst vielseitig

In seinen sogenannten Themenbildern vermenschlicht er Hühner und setzt sie in Szenen, die jedem geläufig sind. Doch Bühler malt nicht nur solche Szenen; er malt auch Hühner in ihrer natürlichen Umgebung.

Den Schalchemer begleitet auch eine ganz andere Art von Kunst: informelle Bilder. Das sind Werke, die nichts Konkretes darstellen und auch nicht zu erklären sind. «Informelle Bilder entstehen wie die Zeichnungen eines Kindes», erklärt Bühler. «Man überlegt nicht lange, sondern lässt einfach die innere Regung auf die Leinwand fliessen.»

Man sieht ein informelles Bild von Charly Bühler.
So sieht es aus, wenn der Hühnerzeichner seine kindlichen Regungen rauslässt.

Genug Zeit, um alles zu malen, was er will, hat er jedoch nicht. «Wenn ich alles malen könnte, was mir in den Sinn kommt, müsste ich 200 Jahre alt werden», scherzt der Künstler.

Leute haben noch nicht genug von Hühnern

Nach zahlreichen Ausstellungen in der Schweiz und im Ausland präsentiert der Künstler seine Werke seit einigen Jahren in seinem eigenen Atelier. «In meinem Alter möchte ich nicht mehr gross herumreisen, deshalb organisiere ich die Ausstellungen nun hier vor Ort», erklärt er.

Trotz den vielen Jahren hätten die Menschen noch lange nicht genug von seinen Hühnern. «Die Leute identifizieren sich entweder mit meiner Kunst oder finden sie einfach amüsant. Meine Hühner kommen immer gut an», sagt er mit einem Lächeln.

Man sieht Bühler, wie er eines seiner Bilder hält.
Charly Bühler und das Huhn: ein wahres Phänomen.

In seiner kommenden Ausstellung «Hühnereien» freut sich Bühler darauf, seine Werke präsentieren zu können. Er hofft auf konstruktive Kritik und ist gespannt darauf, wie seine Arbeiten bei den Besuchern ankommen.

Ans Aufhören zu denken, kommt für Bühler nicht infrage. «Die Faszination für die Malerei lässt mich nicht los und wird es auch nie», sagt er entschlossen. Auch gesundheitlich fühlt er sich nicht eingeschränkt; dem 83-Jährigen geht es seinem Alter entsprechend hervorragend. «Ich glaube, das liegt daran, dass ich das tun darf, was mir wirklich Freude bereitet. Wenn man etwas ohne Leidenschaft macht, leidet die Gesundheit darunter.»

«Hühnereien»

Vernissage: Samstag, 7. September, 14 bis 18 Uhr

Apéro: Sonntag, 15. September, 11 bis 18 Uhr

Finissage: Sonntag, 22. September, 14 bis 18 Uhr

Öffnungszeiten der Ausstellung: donnerstags, freitags, samstags und sonntags von 14 bis 18 Uhr.

Adresse: Frohwies 1, 8489 Schalchen

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