«Schlimmstmöglicher Fall» tritt für Mittelaltermarkt in Hinwil ein
Der Rütner SVP-Haudegen Martin Suter hatte es 2013 aus dem Boden gestampft, das Mittelalterspektakel in Hinwil. Eines der grössten seiner Art in der Schweiz, zumindest in den Folgejahren. Weit über 10’000 Besucher pilgerten Jahr für Jahr nach Erlosen. 2019 kam dann der Hammer: Suter machte Schluss mit dem Spektakel. Das Ende schien besiegelt.
Doch dann kam der Retter wie ein Ritter in silberner Rüstung auf den Plan. Dieser Ritter nennt sich in der Mittelalterwelt «der gestiefelte Kater», im wahren Leben ist er Patrick Ruch. Und dieses wahre Leben trifft seine Veranstaltungsfirma «Caligatus Feleus» – das bedeutet übrigens ebenfalls «der gestiefelte Kater» – nun wie ein Faustschlag.
Der Kater kann weiterhin nicht starten
Das neue Format in Hinwil sollte bereits 2020 an den Start gehen – der grösste Mittelaltermarkt der Schweiz. Die Pandemie kam dazwischen. Und das tut sie auch dieses Jahr; das Festival findet erst 2022 zum nächsten Mal statt. Ruch teilt mit, dass damit der «schlimmstmögliche Fall» eingetreten sei. «Die riesigen ungedeckten Auslagen des Jahres 2020 drücken noch immer massiv und die Gelegenheit, nach ungefähr anderthalb Jahren endlich wieder Einnahmen zu haben, rückt in weite Ferne.»
Normalerweise arbeiteten im Hintergrund vier bis sechs Personen rund ums Jahr in wechselnden Pensen für die Festivals. «Caligatus Feleus» organisert auch Märkte in Laupen, Burgdorf und Biel. Dazu kommen Hochzeiten, private Mittelalterfeste und Materialvermietungen.
«Ein Anlass wie Hinwil verursacht normalerweise Kosten von über 100’000 Franken.»
Patrick Ruch, Veranstalter
Dabei sei insbesondere die Organisation eines Festivals wie in Hinwil sehr aufwendig. Kontakt mit Behörden, Landbesitzern, die Buchung von Künstlern und Bands, Verhandlungen mit Marktfahrern, Bestückung und Planung der Heerlager, dazu Bauten, Instandhaltung von Material, laufende Kommunikation via Social Media, Website, Gestaltung und Produktion von Werbemitteln und die Besucherführung: «Ein Anlass wie Hinwil verursacht normalerweise Kosten von über 100’000 Franken», so Ruch.
Hatte man im vergangenen Jahr noch versucht, Ausweichtermine für später im Jahr zu finden, so sei das jetzt nicht mehr möglich. Die Veranstalter mussten sämtliche Aktivitäten auf ein Minimum herunterfahren.
Öffnungsperspektiven reichen nicht
Ruch sagt, der Bundesrat spreche zwar von Öffnungsschritten und die Fallzahlen seien sinkend. Doch die Aussichten blieben düster. «Die angedachten Schutzkonzepte, unter anderem Sektoren von 300 Besuchern, lassen sich vielleicht in einem Fussballstadion realisieren, aber nicht auf einem Gelände, wo tausende Menschen zwischen Markt, Bühne, Spektakeln und Verpflegung zirkulieren.»
Mit dem Entscheid, auch 2021 auf den Mittelaltermarkt zu verzichten, erhöhe sich der Druck auf die Veranstalter weiter – entsprechend habe man Massnahmen treffen müssen. «Der Personalbestand wurde weitestgehend abgebaut, die Kosten wurden minimiert», sagt Ruch. Er sei froh um grosszügige Spenden von Fans, aber auch Kurzarbeitsentschädigung und weitere Hilfen. Immerhin seien einige wenige kleinere Anlässe im 2020 möglich gewesen, so habe man 2020 «einigermassen überbrücken» können.
Kleinere Anlässe sind wohl bald möglich
An der Perspektive auf kleinere Anlässe hält sich «Caligatus Feleus» auch im laufenden Jahr fest. Hoffeste, Firmenanlässe, Hochzeiten oder Bogenturniere dürften Ruch zufolge bald wieder möglich sein. Auf diese Weise wollen «die tapferen Ritter um Patrick Ruch» auch dieses «Seuchenjahr» überstehen, damit es dann hoffentlich 2022 endlich wieder im grösseren Rahmen weitergehen könne. Nun werde man frühzeitig mit der Suche nach Sponsoren und Partnern für die geplanten Anlässe im kommenden Jahr beginnen.
Das für dieses Jahr geplante Programm des Mittelaltermarktes Hinwil wolle man versuchen, auf kommendes Jahr umzubuchen. Das geplante Datum ist der 8. Bis 10. Juli 2022. Bereits gekaufte Tickets sowie Verträge mit Ausstellern und Lieferanten bleiben für das neue Datum gültig.