Schlatt, Elgg und Zell können sich bald das Wasser reichen
Wasserverbund im Tösstal
Um künftige Wasserengpässe zu vermeiden, spannt Schlatt mit seinen Nachbargemeinden zusammen. Schritt für Schritt entsteht ein Wassernetz, das nicht an der Gemeindegrenze haltmacht.
Zweimal schrammte Schlatt knapp an einer Wassernotlage vorbei – 2015 und drei Jahre später gleich nochmals. Mit einem Notfallkonzept und einem Milchlaster voller Trinkwasser war die Gemeinde auf den Ernstfall vorbereitet.
«Das hat uns darin bestärkt, dass es so nicht weitergehen kann», sagt Dieter Schellenberg (parteilos) mit Blick auf besagte Ereignisse. Er ist Werkvorsteher im Gemeinderat und Präsident der Wasserkommission.
Denn die Wasserversorgung steht auf wackligen Beinen. Zwar gibt es genügend Quellen – fünf im Wald oberhalb von Oberschlatt, zwei in Unterschlatt –, doch liefern diese nicht genügend Wasser, um in Engpässen alle Ortsteile zu versorgen.
Zwei Standbeine nötig
Zudem verlangt das kantonale Wassergesetz, dass jedes Versorgungsnetz mindestens über ein zweites Standbein verfügen muss. Es braucht eine Einspeisung, die aus einem unabhängigen Grundwasserstrom, zum Beispiel aus demjenigen der Töss, stammt. «Das war in Schlatt bislang nicht gegeben, weil die Quellen im selben Talzug liegen», erklärt Schellenberg.
Im September 2022 hat sich die Schlatter Bevölkerung daher mit grosser Mehrheit für den Wasserverbund WaWeDi – Schlatt – Hofstetten ausgesprochen. Dazu hat die Gemeinde per Anfang 2023 die Wasserversorgungsgenossenschaft Waltenstein (WVW) mit jener in Schlatt zusammengeführt.

An der Gemeindeversammlung im Juni 2022 stimmten die Bürger der Übernahme der Wasserversorgungsgenossenschaft Waltenstein (WVW) zu. Seit 1962 hatte diese unabhängig von der Gemeinde bestanden. Anlässlich der Übernahme Anfang 2023 bauten die Verantwortlichen der WVW und der Wasserkommission (WaKo) Schlatt in Waltenstein symbolisch einen Brunnen.
Anwesend waren (von links): Sam Burkhalter, Brunnenmeister Schlatt, Manfred Kübler, WaKo Schlatt, Willi Peter, Vorstand WVW, Matthias Leu, Vorstand WVW und jetzt WaKo Schlatt, Urs Hofmann, WaKo Schlatt, Werner Mühle, langjähriger Präsident WVW, Karl Müller, WaKo Schlatt, und Dieter Schellenberg, Werkvorstand Gemeinde Schlatt und Präsident WaKo Schlatt. (nos)
Mit der Abstimmung erhielt die Gemeinde den Segen, die bestehenden Netze von Waltenstein, Schlatt und Hofstetten miteinander zu verbinden. Da dem Elgger Ortsteil ebenfalls die gesetzlich geforderte zweite Einspeisung fehlt, kommt noch eine weitere Gemeinde ins Spiel.
Eine Verbindungsleitung zwischen Oberschlatt und dem Reservoir Gyrenbad auf dem Gemeindegebiet von Zell zeigte sich in den Variantenstudien als sinnvollste Lösung.
Das Projekt kostet insgesamt 2,74 Millionen Franken. Die Gemeinde Schlatt übernimmt davon rund 1,3 Millionen, die restlichen 1,4 Millionen Franken bezahlt die Gemeinde Elgg.
Zell muss sich nicht an den Baukosten beteiligen, könnte aber ebenfalls Wasser beziehen. Laut Schellenberg ist zudem der Kanton an gemeindeübergreifenden Projekten interessiert und beteiligt sich an den Kosten.
Zuvor hatte man auch eine Verbindung mit Winterthur in Betracht gezogen. «Die ergiebigsten Quellen auf unserem Gemeindegebiet fliessen dorthin, das ist historisch so gewachsen», betont Schellenberg. Obwohl eine Zusammenarbeit mit Winterthur die naheliegendste Lösung gewesen wäre, fiel die Wahl nicht auf diese Quellen.
Das vor allem aus einem Grund: Sie sind mit Abbauprodukten des Pestizids Chlorothalonil belastet. Auch eine Quelle aus Unterschlatt überschreitet die gesetzlichen Grenzwerte und wird deshalb seit 2020 nicht mehr als Trinkwasserquelle genutzt.
Neben der neuen Verbindungsleitung zwischen dem Reservoir Gyrenbad und demjenigen in Oberschlatt, die 2023 gelegt wurde, braucht es an Letzterem einige Anpassungen: einen neuen Rohrkeller etwa und Drucktüren. Diese verschliessen die Wasserkammern und lassen sich nur öffnen, wenn diese leer sind.
Gegenseitige Hilfe
Bis Ende Februar sollen diese Arbeiten abgeschlossen sein. Danach folgt die neue Rohrverbindung zwischen den Ortsteilen Waltenstein und Unterschlatt – bis anhin ist nämlich beim letzten Unterschlatter Haus Endstation. In der zweiten Jahreshälfte ist dann die Verbindungsleitung mit Hofstetten vorgesehen.
Im selben Zug werden die Pumpwerke in Waltenstein und Unterschlatt angepasst, und in Hofstetten wird aus dem Reservoir ein Quellwasserpumpwerk.
Damit ist neu ein Wasseraustausch zwischen den drei Gemeinden Schlatt, Elgg und Zell und den jeweiligen Ortsteilen möglich. «Der Grundgedanke ist, dass wir uns gegenseitig helfen können», erklärt Schellenberg.

So kann Schlatt beispielsweise Wasser aus Zell beziehen, wenn es wegen eines trockenen Sommers Engpässe gibt. Doch auch die anderen Gemeinden können bei Bedarf Wasser von ihren Nachbarn «leihen», etwa bei technischen Problemen oder im Fall eines grossen Brands. Für Schellenberg ist das eine Win-win-Situation: «Wasser ist die Grundlage allen Lebens, da ist kein Gärtlidenken angezeigt.»