SBB starten mit Bauarbeiten für Brüttener Tunnel
Mehrspur Winterthur-Zürich
Im gesamten Projektperimeter für den Mehrspurausbau Zürich-Winterthur beginnen die Vorarbeiten. Teil des Projektes ist der Brüttener Tunnel, der unter anderem Effretikon entlasten soll.
Die SBB hat im Januar 2026 die Baubewilligung für das Grossprojekt Mehrspur Zürich–Winterthur erhalten. Damit kann die Strecke zwischen Zürich und Winterthur auf durchgehend vier Spuren ausgebaut und der Engpass auf einer der meistbefahrenen Strecken der Schweiz behoben werden.
Nun beginnen die Arbeiten für den Ausbau der Bahnhöfe Wallisellen, Dietlikon, Bassersdorf und Winterthur Töss, wie die SBB am Dienstag mitteilten. Auch erste Vorarbeiten für den neun Kilometer langen Brüttener Tunnel starten. Dieser besteht aus zwei je einspurigen Röhren. Nachfolgend die wichtigsten Punkte im Überblick.
Was genau ist der Mehrspurausbau Zürich-Winterthur?
Der Mehrspurausbau Zürich-Winterthur wird eine zusätzliche Doppelspur auf einer der meistbefahrenen Strecken des Landes bringen. Kernstück ist der Brüttener Tunnel, der 9 Kilometer lang sein wird. In den zwei einspurigen Röhren können die Züge bis zu 160 km/h fahren. Zusätzlich zum neuen Tunnel werden die vier Bahnhöfe Winterthur-Töss, Bassersdorf, Wallisellen und Dietlikon ausgebaut.

Warum das alles?
Die Hälfte aller Reisenden, die in der Schweiz im Regionalverkehr fahren, sind im Raum Zürich unterwegs. Die Kapazität kann mit dem heutigen Netz aber nicht weiter ausgebaut werden. Weil die SBB künftig mit noch mehr Passagieren rechnen, muss der bisherige Engpass Zürich-Winterthur beseitigt werden.
Was wird es bringen?
Aktuell sind auf der Strecke Zürich-Winterthur täglich über 120'000 Reisende in rund 670 Zügen unterwegs. Künftig werden 900 Züge möglich, also rund 30 Prozent mehr. Die Fahrzeit von Zürich nach Winterthur wird sich mit dem Brüttener Tunnel um bis zu acht Minuten verkürzen, der Viertelstundentakt im Regionalverkehr wird möglich. Zudem wird das ganze System stabiler. Das heisst, auch im übrigen Zürcher Bahnverkehr wird es weniger Verspätungen geben.
Wie viel kostet das?
Der Brüttener Tunnel und der Umbau der vier Bahnhöfe kostet insgesamt 3,3 Milliarden Franken. In den kommenden zehn Jahren werden die SBB pro Tag also 1 Million Franken verbauen. Finanziert wird das Projekt über den Bahninfrastrukturfonds des Bundes, in den unter anderem Bund und Kantone einzahlen.
Was wurde bereits gemacht?
Der Bund hat das Gesamtprojekt bewilligt, so dass die SBB die ersten Arbeiten in Angriff nehmen konnten. Sichtbar sind bereits Rodungsarbeiten in Dietlikon und Wallisellen und Werkleitungsarbeiten in Bassersdorf. Zwischen Wangen-Brüttisellen und Dietlikon wird zudem für den Bauplatz Boden abgetragen. In Winterthur ist das Grossprojekt bereits beim künftigen Tunnelportal in Töss sichtbar, dort wird der Installationsplatz errichtet.

Was merken Anwohnerinnen und Anwohner?
Die Bauarbeiten werden zehn Jahre lang dauern. Gemäss SBB werden die Arbeiten «so rücksichtsvoll wie möglich» gemacht - ohne Lärm wird es allerdings nicht gehen. Viele Bau- und Installationsplätze grenzen an Wohngebiete. Baulärm, Staub, Lastwagen und Erschütterungen sind «unvermeidlich», auch in der Nacht und an Wochenenden. Viele Arbeiten sind nur in der Nacht möglich, weil tagsüber Züge fahren. Die SBB versprechen, die Anwohnerinnen und Anwohner regelmässig über die bevorstehenden Arbeiten zu informieren.
Wie viel Erde wird aus dem Berg transportiert?
Der Bau des Brüttener Tunnels wird 4,5 Millionen Tonnen Ausbruchmaterial ans Tageslicht befördern. Dies entspricht 45 Mal dem Gewicht des Zürcher Grossmünsters. Um das ganze Material abzutransportieren, braucht es an den Tunnelportalen grosse Installationsplätze und Förderbänder.
Wie ist der zeitliche Ablauf?
In diesem Jahr laufen noch Vorarbeiten, der offizielle Spatenstich findet im Sommer statt. Die eigentlichen Hauptarbeiten beginnen 2027, die Tunnelbohrmaschinen setzen sich dann 2029 in Bewegung. Zuerst wird der Tunnel von Dietlikon nach Winterthur gebohrt, ab 2032 folgt dann die Verbindung von Bassersdorf bis zur Verzweigung Mülberg. 2036 sollten die Bauarbeiten zu Ende gehen, so dass die SBB die neue Strecke noch ausreichend testen können. Mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2037 geht der Mehrspurausbau in Betrieb.
Fahren die Züge in dieser Zeit ganz normal weiter?
Die SBB planen die Bauarbeiten so, dass der Bahnbetrieb so wenig wie möglich gestört wird. Ab dem Fahrplanwechsel im Dezember 2026 wird es dennoch für einzelne S-Bahnlinien Änderungen geben. Diese sind ab Herbst online und in der SBB-App ersichtlich.