Rohrmax-Sanitäre unter falscher Flagge
In letzter Zeit erhält die Rohrmax AG mit Hauptsitz in Grüningen zahlreiche Beschwerden wegen horrender Kosten und schlechter Arbeit. Auch im Internet werden die Mitarbeiter des Unternehmens für Abfluss-, Rohr- und Kanalreinigung mit regelrechten Beschimpfungen überzogen. Allerdings richten sich die Vorwürfe an den falschen Adressaten. «Es stellt sich jeweils sehr schnell heraus, dass diese Leute auf Betrüger hereingefallen sind, die sich als unsere Mitarbeiter ausgegeben haben», sagt Eve Schmidt, CEO der Rohrmax AG.
Wie nachhaltig die Rufschädigung und wie hoch der finanzielle Verlust ist, könne sie noch nicht abschätzen. Das Unternehmen plane nun, mit rechtlichen Mitteln den «Sanitären» ihr Handwerk zu legen.
Suchmaschinen-Trick
Schmidt ist sicher, dass es sich bei den Betrügern um eine einzelne Gruppe handelt, die in der ganzen Schweiz unter verschiedenen Namen arbeitet. Als Firmensitz wähle sie willkürlich Adressen, an denen nachweislich kein derartiges Unternehmen zu finden sei. Wenn die Kunden dort anriefen, würden sie an ein Callcenter im Ausland gelangen. «Dort kommen sie mit ihrer Beschwerde nicht sehr weit und rufen dann uns an», sagt Schmidt.
Um Aufträge zu erhalten, hätten die Betrüger Suchwörter wie «Rohrmax-Winterthur» bei Google gekauft und ihre Internetseiten ähnlich derjenigen des Grüninger Unternehmens gestaltet. Wenn die bestellten Handwerker ihre Arbeit dann erledigt hätten, sei den Kunden eine Rechnung präsentiert worden, die rund dem Zweifachen der branchenüblichen Kosten entspreche. Bezahlen müssten sie noch vor Ort und am besten in bar.
Dies alles ist nicht illegal – auch wenn sich Schmidt wundert, dass ihre Marke im Internet offenbar nicht geschützt ist. «Aber wir akzeptieren das», so die Geschäftsführerin.
Angsteinflössend und rabiat
Dass sich aber die betrügerischen Handwerker als ihre Mitarbeiter ausgeben, will Schmidt nicht akzeptieren. Sieben Geschädigte könnten bisher bestätigen, dass sich die angerückten Männer auf Nachfrage explizit als Handwerker eines Tochterunternehmens der Rohrmax AG ausgegeben hätten. Da in so einem Fall der Tatbestand des Betrugs vorliege, empfiehlt Schmidt dringend eine Anzeige bei der Polizei.
«Einmal wurden sie von einem Kunden damit konfrontiert, dass das Rohrmax-Logo auf ihrem Auto fehlt.»
Eve Schmidt, CEO der Rohrmax AG
Laut Schmidt werden die Handwerker von den Geschädigten als grosse, angsteinflössende Männer beschrieben, die zwar nicht gewalttätig seien, aber zuweilen durchaus rabiat vorgingen. Einmal seien sie von einem Kunden damit konfrontiert worden, dass das Rohrmax-Logo auf ihrem Auto fehle. «Daraufhin haben die Männer wütend an die Tür geklopft und 500 Franken für die Anfahrt gefordert.»
Schutz gegen Betrüger
Misstrauisch und verunsichert sei die Kundschaft mittlerweile, wofür Schmidt Verständnis hat. In einem Radiospot rät die Grüninger Firma sogar zu gesundem Misstrauen und gibt Tipps, wie man sich gegen Betrüger schützen könne: Die Kunden sollen sich immer das Auto zeigen lassen und niemals im Voraus bezahlen. Auch würden sehr selten zwei Rohrmax-Mitarbeiter zu einem normalen Einsatz erscheinen, da sich dies wirtschaftlich kaum lohne. Die Betrüger-Sanitäre seien dagegen stets zu zweit unterwegs, um ihre Opfer einzuschüchtern.
Eine der von Schmidt beanstandeten und immer noch aktiven Websites ist «rohr-tech.ch». Dort wurde nachweislich mit dem Namen der Rohrmax AG geworben. Entgegen der vielen Beschwerden schmücken sich die Betreiber aber mit durchweg überschwänglichen Kundenbewertungen. Eine Interviewanfrage blieb unbeantwortet.
Immerhin: Die Bemühungen der Rohrmax AG scheinen langsam Früchte zu tragen, denn ihr Firmenname sei mittlerweile von der Internetseite entfernt worden, so Schmidt. Dasselbe gelte auch für einige der gekauften Suchwörter auf Google. Dementsprechend seien die Beschwerden in den Regionen Zürich und Bern zurückgegangen; in der Romandie, im Tessin und in der Region St. Gallen sei jedoch noch keine Verbesserung zu spüren.
Neues Tätigkeitsfeld
Schmidt vermutet, dass sich die Gruppe tatsächlich auf dem Rückzug befinde. «Wir haben zufällig entdeckt, dass sie nun Internetseiten erstellen, auf denen sie Reparaturen bei Heizungen und Klimaanlagen anbieten.» Das lasse darauf schliessen, dass sie sich nun auf eine andere Branche konzentrieren. Unternehmen auf diesem Tätigkeitsfeld müssten nun die Augen offenhalten und am besten jetzt schon Mitarbeiter als auch Kunden sensibilisieren. (Silvan Hess)